Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
130
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Novellen⸗Zeitung.

ALBUI.

en

Julie Buroyv.

Was iſt das glück?

Für meine Kinder.

Muß Kindeslippe endlich fich entwöhnen.

Einmal muß doch ſei auch die Zeit noch fern, Der Mutter Auge ſich im Tode ſchließen; Verſtummen muß der Mund, der jetzt ſo gern In eure Herzen mag ſein Wort ergießen.

Die Hand, die ihr mit Küſſen oft bedeckt,

Die euch ſo gern gewiegt hat und getragen, Im Tode liegt ſie ſtarr dann ausgeſtreckt,

Das Mutterherz einſt hat es ausgeſchlagen!

Ich weiß, es wird euch dann mein Fenſterplatz, Mein kleiner Tiſch ein Heiligthum erſcheinen; Mein Angedenken, euch ein theurer Schatz? Wird liebend oft euch im Geſpräch vereinen.

Gedichte von Julie Burow(Frau Pfannenſchmidt).

Prag und Leipzig⸗ Verlag von J. L. Kober. 1858.

Und gern beſucht ihr wohl den ſtillen Raum,

Sollt ihr der Mutter freundlich Auge ſehen.

Irdiſche Engel.

Ein Spiegelglas nur iſt die Welt, Sie zeigt uns das eig'ne Angeſicht; Wer drum ſie für gar zu häßlich hält, Der gefällt ſich eben ſelber nicht.

Wer nicht gelitten hat nur halb gelebt;

Wer nicht gefehlt hat wohl auch nicht geſtrebt; Wer nie geweint hat halb auch nur gelacht; Wer nie gezweifelt hat wohl kaum gedacht.

Wo ruhig ſchlummert eurer Mutter Hülle: 4 Was iſt das Glück? Pflanzt drum dem Grab' zu Häupten einen Baum, Iſt's Reichthum, Schönheit, Liebe? Daß er in Schatten ſanft das Plätzchen hülle. Iſt's Macht, iſt's Klugheit, die das Alles ſchafft? Wenn Eins von dieſen ſelbſt nur immer bliebe, Ein Kirſchbaum gi's, der, wenn der Frühling naht,. Da doch die Zeit ſchnell Alles an ſich rafft! Mein letztes, Beteemit Blüthenſchnee beſtreuet Erna Und, reift der Sonne Gluth die grüne Saat, 4 Wo wohnt das Glück? Den Lechzenden mit kühler Frucht erfreuet. Kannſt du's auf Erden finden? 1 Wohnt es in Hütten, wohnt es im Palaſt? Dann wird der Wandersmann von meinem Grab Wohnt einſam es in ſtillen Alpengrunden? Erquickt, wie einſt von meiner Thür ſich trennen; Baut ſich's ein Vogelneſt auf grünem Aſt? Der Pflüger wird, der müde Hirtenknab D Mit Segenswort das ſtille Plätzchen nennen. das d Dyu 7. 7 8 52 2 V Wir ſuhi delücc. Zu Füßen pflanzt mir einen Roſenſtrauch, Geſan Wir ſuchen es im ungeſtümen Lauf So ſchön er ſich in Flur und Garten finde, wachte Und richten uns vom ſchweren harten Falle Der ſeiner Blüthen träumeriſchen Hauch Dawm Oft mit zerſchellter Bruſt und blutend auf. Umher verſtreut in alle Frühlingswinde. Vor . Der lockt mir dann vielleicht die Nachtigall, von Doch lebt das Glück! Daß ſie in meines Kirſchbaums Zweigan wohne befa Es lebt im ſtillen Buſen 3 25 V Und meine Lieb' für ihrer Lieder Schall hätt I Der Freundſchaft, in des Glaubens heil'gem Schutz, Noch durch ein Lied an meinem Grabe lohne vitt Lebt in dem ſanften Umgang mit den Muſen 1 laut Und bietet kühn dem Hohn der Menge Trutz. Ich bitt' euch, zieht kein Gitter um den Ort! Nichts ſoll mein Grab von Flur und Feldern ſcheiden, um Haſt du das Glück, Es ſei ein Raſenplatz, ein Ruheport Bewahr es in der Stille, Den Wand'rern und den Hirten auf der Haiden. 85 Die Welt verkennt es und verſchmäht es gern. 4 4 n. erlen . Bewahre ſeiner heil'gen Gaben mänt 1 Pflanzt keine Blume auf den Hügel mir; Naſen; derni Im engen Kreis, vom rohen Leben fern. V Das Veilchen wird ſchon blüh n in meinem R ſen; nige Zwar ſind die Blumen eine heit re Zier, 4 u Dand wellt das Glück! Doch ſoll an meinem Grab das Häschen graſen. 1. er Mög es bei dir verweilen, ruht' ich auch an einer Quelle Bord⸗ erg, In deiner Bruſt ſich bau'n ein ſich'res Neſt; Gerurn hervor Lrde Erlenbüſchen blicket Nawei Den Strom der Welt laß gern vorübereilen, Und leiſe murmelnd immer fort und fort uhge Das Glück im Herzen wahre treu und feſt! Den Durſtenden mit ihrem Thau erquicket. V vi W Dort ſei ein Sitz, umrankt von heiterm Grün, 8 Der Lieblingsplatz für euch, o meine Lieben! Mein grab. Die Sorge ſollt ihr dort, die Trauer fliehn, Da ſoll kein Schmerz die ernſte Stirn euch trüben.

.. 3 b ei ſein! V Ihr mögt's nicht hören, daß ich ſterben muß; Da denkt an mich! Ich werde dei euch ſeine d

42 Sprech' ich vom Tod, da rinnen eure Thränen. Da ſoll Erinn'rung euer Herz durchwe hen; Ja ſeht, ihr Lieben, von der Mutter Kuß Im Morgenthau, im milden Sternenſchein 1