Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
128
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Ward Blüth' auf Blüthe raſch der Zeit zum Raub. Arm ſteht und einſam da das müde Herz, Und doppelt brennt manch tiefer Wunde Schmerz.

Was bleibt?

Die Thräne ſank auf viel verfehltes Hoffen.

Jetzt ſeh' ich deutlich, wo ich einſt gefehlt, Wie mancher Schmerz nicht ſchuldlos mich getroffen, Wie viele Leiden ich mir ſelbſt erwählt.

Die Krone ſinkt vom einſt ſo ſtolzen Haupt,

Der Glückliche an eig'ne Kraft nur glaubt.

Was bleibt? Der dürre Zweig der Pflicht, er will nicht grünen, Nicht fröhlich wurzeln in des Daſeins Grund; Ach, nur dem Träumer iſt es ja erſchienen,

Daß Engel mit dem Kämpfenden im Bund. Allein, allein auf ödem Dornenpfad,

Fort, bis des Todes Stunde freundlich naht.

Was bleibt?

Die Liebe bleibt, die ſelbſt das Herz empfunden, Ein Quell, der rieſelnd durch die Wüſte rinnt. Die Hoffnung bleibt, im Tode zu geſunden, Wenn alle Kämpfe ausgekämpfet ſind.

Der Glaube bleibt, daß, wer da muthig ringt, Dem Born der Kraft in Schmerzen näher dringt.

Die zweite Abtheilung bildenNaturlieder, die im All den Weltgeiſt und die Liebe bewundern, wie wir ähn⸗ lichen Gedanken und ſelbſt Abſchnitten mit ähnlichen Titeln in allen neueren Gedichtſammlungen begegnen.

Die folgendenVermiſchten Gedichte enthalten Bal⸗

ladenartiges, Heimathslieder, in denen der Norden und das deutſche Vaterland geprieſen wird, ein Tendenzgedicht an eine Emancipirte, unter der wir uns Louiſe Aſton oder Emilie Lehmann, ſeligen Angedenkens, vorſtellen können und anderes Honettes und Tüchtiges mehr., 4 Den Schluß bilden GedichteIm grauen Haar. Sie entſtammen der jetzigen Lebensphaſe der Verfaſſerin, ſeit ſie als die vielgenannte Romanſchriftſtellerin in der Oeffent⸗ lichkeit ſich geltend gemacht hat.Zu Hauſe iſt hier das erſte ſchöne Lied, das die Weihe der häuslichen Behaglichkeit feiert. Weit weniger will unsFrauenglück behagen, das im Style von Feodor Löwe's bekannterFahnenwacht das Weib beſingt, ein Styl, der freilich bei dem Löwe'ſchen V Stoffe beſſer angebracht war als hier. Dann folgen Sachen von mehr perſönlichem Intereſſe, Widmungsgedichte an die Kinder der Dichterin und an ihre Freunde, wie Lan⸗ desmann, Anderſen, Gutzkow, Glaßbrenner, ſowie an Frau Friederike Serre in Dresden, der auch die ganze Samm⸗ lung gewidmet iſt. Von den letzten Gedichten des Bandes müſſen wir auszeichnend hervorhebenWas iſt das Glück? undIrdiſche Engel. Das SchlußgedichtMein Grab iſt ergreifend im Grundgedanken, ernſt und würdig in der allgemeinen Stimmung, doch kommt gerade hier die etwas allgemein gehaltene und faſt ein wenig verbrauchte Phra⸗ ſeologie vor, von der wir nicht leugnen können, daß ſie in der Poeſie wie in der Proſa der Frau Verfaſſerin uns bisweilen entgegentritt. R. Giſeke.

Allgemeiner Anzeiger.

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