Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
127
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Literariſche Beſprechungen.

Gedichte von Julie Burow,(Frau Pfannen⸗ ſchmidt). Prag und Leipzig, Verlag von J. L. Kober. 1858.

Der Sinn dieſer Dichtungen iſt in der Einleitung von der Verfaſſerin ſelbſt ausgeſprochen:

Es ſingen die Dichter von Helden ſo gern, Das Große preiſen ſie nah und fern,

Von Wein und Lieb' ihre Harfen erklingen, Auch mögen ſie laut die Schönheit ſingen.

Es weckt ihrer neuen Lieder Schall

Die alte Zeit aus ihrem Verfall:

Die Schloͤſſer erſtehn mit Mauern und Zinnen, Die Ritter mit ihrem Kämpfen und Minnen.

Sie rufen im Wald den Elfenchor,

Die Geiſter wach in Quelle und Rohr; Sie rufen die Nixen im Strom und Meere, Den wilden Jäger mit ſeinem Heere.

Es ſingt der Dichter edles Geſchlecht

Von Wahrheit, Freiheit, Glauben und Recht. Sie ſingen, die Klänge verwehn in die Weite, Vielleicht dem Beſung'nen ein Grabgeläute.

Ich ſinge auch, und mit leiſem Klang

Aus warmer Bruſt erklingt mein Geſang; Doch tönt mein Lied nicht vergangenen Tagen, Verſtorbenen Größen, verſchollenen Sagen;

Ich ruf' Euch nicht in ein fernes Land,

Zu keinem verzauberten, öden Strand,

Kann nichts von Rittern und Reiſen erzählen, Von Schlöſſern nichts und von Königsſälen.

Nur Lieder ſing' ich von meiner Zeit,

Von eig'nem Glücke und Herzeleid,

Führ' ſtill Euch an eine geweihte Stelle Der Heimath, des Hauſes heilige Schwelle.

Wer mild im Menſchen den Menſchen ſieht, Den Bruder, nur der verſteht mein Lied.

Es ſoll nicht mit Euch um Meinung ſtreiten, Gott kennt das Rechte, mag er uns leiten.

Was die Dichterin in dieſer Widmung verſpricht, das

hält ſie mit dem, was ihre Gabe im Uebrigen bietet. Der Vorzug dieſes Bändchens von etwas über 200 Seiten iſt vornehmlich der, daß die darin enthaltenen Verſe nicht für den directen Zweck der Veröffentlichung fabricirt, daß ſie überhaupt nicht gemacht, ſondern daß ſie entſtanden, daß ſie

gedichtet ſind, während eines langen, an inneren und wohl

auch an äußeren Erfahrungen reichen Lebens, aus dem unmittelbaren Bedürfniß der Herzensempfindungen heraus, die für die eigne Lebendigkeit und Tiefe einen klaren und

edlen Ausdruck ſuchten. Nicht hoher Schwung der Phan⸗

taſte, nicht Claſſicität der Form, nicht künſtleriſche Virtuo⸗ ſität der Empfindungen, nicht tiefſinnige Auffaſſung der Lebensprobleme, nicht entzückend keckes Spiel der Grazien,

nicht fortreißend ideales Pathos iſt das Charakteriſtiſche

dieſer Poeſie; ihr Werth beruht in der Redlichkeit der Ge⸗ ſinnung, in der geſunden Natürlichkeit bürgerlicher Lebens⸗ anſchauung und in der einfachen Wahrheit des Ausdruckes.

Dritte fo

(ge.

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Frau Julie Burow hat ihre Gabe in vier Abſchnitte getheilt. Der erſteAus der Jugend beginnt mit einer Apoſtrophe anMeine Lieder. Was wir bei mehreren anderen Gelegenheiten ſchon ausgeſprochen, müſſen wir auch hier wiederholen: es gibt keine unglücklichere Gewohnheit als die, daß die Lyriker immer und immer wieder die Poe⸗ ſie mit Poeſie über die Poeſie und ihre Lieder mit Liedern über ihre Lieder beginnen müſſen! Und wie den meiſten Andern, ſo gelingt es auch ſelbſt Frau Burow nicht, bei dieſer Gelegenheit etwas Neues oder Bedeutendes zu Tage zu bringen, und Bilder wie

Sie leuchten mir auf meinem öden Pfade

Wie Diamanten in des Berges Schacht bringen die ſonſt ſo beſcheidene und klare Verfaſſerin wider ihren Willen in Gefahr, ſelbſtgefällig und ſchwülſtig zu er⸗ ſcheinen. Das Folgende ſichert ſie freilich bald genug vor ſolchem Vorwurf. In einigen Gedichten ſind alsdann große Uebergänge im Leben des Frauenherzens angedeutet. Ich möchte ſterben iſt ſein erſter Wunſch, da die Leiden ſchaft erwacht. Doch dem verzweifelten Gemüthe wird ein Troſt gewährt:Schau auf!

Schau auf! In des Geliebten Blick,

Nah' über Dir, da weilt Dein Glück.

Es wohnet dort in wechſelnden Geſtalten,

Bald wolkentrüb', bald ſonnenhell,

Der Thränen und der Freuden Quell,

Fühlſt über Dir Du ſtets ſein göttlich Walten.

Neue Enttäuſchung! Neue Verzweiflung!Des Hauſes lieben Räumen mußt Du entfliehen.Es brechen

Bande, die Du fröhlich ſchlangſt.

Dich führt zum Glück kein Flügel, kein Boot!

Die Lieb' iſt das Glück und die Lieb' iſt todt!

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Man ſagt, jede Frau müſſe Stimmungen ſolcher Verzagt⸗ heit einmal erleben. Bei Julie Burow ſcheinen es freilich 5 1. mehr als Stimmungen, ſcheinen es wirkliche ſchwere Schick⸗ ſalsſchläge geweſen zu ſein. Auch ſie fand dennoch ihren Troſt die einzigeEwige Liebe:

Die Welt wird öde überall,

Nicht Freude blüht im Erdenthal.

Ich ſah' den Wurm an jeder Blüthe lauern; Nur Gottestreu und Mutterliebe dauern. Des Kummers Laſt die Bruſt zerbricht, Schmerz macht dem Aug' das Sonnenlicht; Dach Mutterliebe, wie die goldnen Sterne, Sie leuchtet hell und tröſtend in die Ferne

Auch anderes Glück lacht wieder; neue heiße Liebe erblüht, freilich halb entſagende:

Denn glücklich Dich und beiter Dich zu ſehen, O Du, mein Traum, mein Glück und meine Luſt,

Das iſt ja all mein Denken, all' mein Flehen,

Wärſt Du es auch an einer andern Bruſt.

So wogen Glück und Unglück, Liebe und Entſagung, in ähnlichen Conflicten mehrfach wechſelnd, auf und nieder. Nur ein Reſultat ſtellt ſich heraus:

Was bleibt? V Die Jahre fliehen, die Jugend iſt verſchwunden, Der Blüthenkranz der Liebe ſank in Staub;

Vom Glück, das heiß und ganz ich einſt empfunden,