Jahrgang 
01-26 (1858)
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über welche ſich n ausdehnt und Poefte verleiht Ballet gern ein einem Thea⸗ ſt haͤt in dieſen

flanzt, wo man leiterin verſchafe

innen Romane, er Flamme, der bleibt noch der enn der Roman n dem ganzen hes mit andern beſchützenden ſchwachen Ge⸗ nte im Stalle, zu Roß ſchen⸗ ebte Mähre, ligſt zur Dis⸗

en bis in das genteihe, welche ch einander fah⸗ der elyſäſſchen zung man ſich oder ärmere in der Mieth⸗ Tanzorte Ma⸗ det hohe Adel d die schantants, Wo genießt, dabei Prima Donna evortragen zu ingende Pelſo⸗

al aufhält, iſt reich geſchmückt, und die Sängerinnen un⸗ er freier Luft zeigen ſich in der ſtrengen weißen Atlas⸗ obe deutſcher Concertſäle. Hierher ſtrömt hauptſächlich der pariſer Bourgeois, den die Hitze fern von den Thea⸗ ſern hält, und während die Cafés chantants hier floriren, bevölkern die unglücklichen Theaterdirectoren, welche im Sommer für die Fremden ihr Theater fortführen müſſen, ihre Logen mit Freibillets und ſehr mittelmäßiger Toilette, wenn nicht irgend ein großer Erfolg eines neuen Stückes wie in dieſem Jahre Octave Feuillet'sDalila die pariſer Reugierde rege hält und den Hundstagen Trotz bietet. Die Heamten, der Ouvrier und die zahlreichen Flaneurs bela⸗ zern die Trottoirs der Boulevards, welche namentlich ge⸗ genüber der kue de la Paix von einer dichten Schaar be⸗ ölkert ſind, weil an dieſer Stelle die genannte breitere Ztraße eine friſchere Luft aus dem Tuileriengarten her⸗ überträgt.

Alles ringt nach Luft, jede Bruſt ſehnt ſich über dieſe Steinmaſſe in die große Natur hinaus und das Kaffee⸗ haus oder die Reſtauration, welche einen zwanzig Fuß großen Hofraum mit fünf oder ſechs Lorbeerbäumchen heſetzt alsjardin auf dem Aushängeſchild ankündigen kann, hat den größten Zulauf. In dieſem engen Hof⸗ raume ſitzen dann Tiſch an Tiſch die zahlreichen Gäſte, ſchauen behaglich auf die dürren Bäumchen oder das Epheu, welches an eine alte Mauer heraufrankt, und freuen ſich iber denGarten. Oben hoch blickt verſtohlen ein Stern durch die Oeffnung, welche die ſechs Stockwerk hohen Mauern der friſchen Luft übrig laſſen. Die ehrſame Hausmutter, welche ſich mit ihren Töchtern nicht allzuſehr in das Gedränge des frivolen pariſer Lebens wagt, flüch⸗ jet in den reizenden Tuileriengarten. Hier iſt der Luft⸗ taum der ruhigeren Welt, und unter den ſchattigen Kaſta⸗ nienalleen kann man ſich ein hölzernes Stühlchen miethen und fern von dem Tummelplatze der Kinder, welche ſich zu Tauſenden hier verſammeln, ruhig ſchwärmen. Während

1 Dritte folge.

ſich die pariſer Jugend durch unſchuldige Kinderſpiele die Zeit vertreibt, nehmen die Dienſtmägde und Aufwärterin⸗ nen einen Curſus höherer Kriegskunſt bei einem jugend⸗ lichen Infanteriſten. Der bärtige Sappeur, welcher ſtolz wie Mars vor dem Regimente Morgens hermarſchiert, putzt ſeine Waffen und wandelt dann, ein Amor von vier⸗ zig Jahren, in den Tuileriengarten. Das jüngſte Kind der Herrſchaft ſitzt vertraulich auf ſeinem Schooße und lächelt ihm, dem guten Bekannten mit dem Zuckerbrode, in das bärtige Antlitz. Ein zweifacher Eroberer erzählt er von dem Feldzuge in der Krim und ſeinem Leben und achtet wenig auf die verächtliche Miene, mit welcher ihn die ſchmucken, geſchnürten Huſaren anſchauen. Der Löwe wird ein Lamm. Das iſt die Macht der Liebe!

Das elegante und galante Paris flüchtet ſchon am frühen Morgen hinaus auf das Land in die traulichen Wäldchen von Montmorency oder an den See nach Enghien! Luft! ruft das bedrängte Paris und eilt hin aus ſo weit es kann. Hinauf bis in die kleinen Speiſe⸗ cabinete desRobinſon, welche ein geſchickter Speculant auf den Zweigen rieſiger Eichen erbaut hat. Dort ſitzt man wie die Vöglein harmlos beiſammen, paarweiſe wie die Vöglein, vergnügt wie die Vöglein und ſingt nicht wie die Vöglein, ſondern falſch wie die Pariſerinnen. So kommt der Sonntag, und wenn der arbeitende Theil der pariſer Bevölkerung die Sonntagskleider putzt, um ins Freie zu eilen, dann ziehen ſich die Faullenzer bis zum Mon⸗ tage nach Paris zurück, dann wälzt ſich die große befreite Maſſe durch alle Oeffnungen der Stadtmauer aus Paris hinaus, und der Pariſer beſetzt die Umgegend auf fünf Stunden in der Runde; dann iſt kein Flecken Erde auf fünf Stunden weit, wo man nicht die Pariſer angehäuft fände. Die Boulevards werden leer, die Cafés verödet bis zum Abend; Alles eilt fort, hinaus aus Paris, dieſe nach St. Cloud oder Verſailles, wo glänzende Reſtaurants für die Beköſtigung ſorgen und weiche, ſchattige Raſen geeignete

Verführers, Duval's ſelbſt, vernichten würde, oder andere als ncwas zu wenig originell, z. B. daß Duvals ganze Intrigue ohne Aufwand geiſtreicherer Combinationen auf nichts faſt als ge⸗ ſilſchten Briefen beruht, oder ſelbſt wenn endlich ein Motiv in den Ernſt der geſammten Tendenz nicht ſtimmen ſollte, nämlich dus, daß Duval, der Böſewicht, der gefährliche Kopf, der jene große gebeimnißvolle Macht hinter ſich hat, am Ende in der Jagd nach den gefälſchten Briefen von einem Kammermädchen überholt wird, ſelbſt wenn alle ſolche Ausſetzungen zugeſtanden werden mrüßten, wird man dem Dichter doch das Lob einräumen müſſen, duß er durch ſein geſchicktes ſceniſches Arrangement und eine ge⸗ wiſſe innere Wärme der Sprache und der pſychologiſchen Motivi⸗ rung, die, in geläutertem Style, an Schiller's Sturm⸗ und Drangperiode erinnert, auch mit ſeiner Anna v. Walſek jenes echt dramatiſche Talent erwieſen, das nur des großen Stoffes theil⸗ haftig zu werden braucht, um auch ſtofflich Großes und Bewälti⸗ gendes zu leiſten.

Ich kann es nicht unterlaſſen, bei dieſer Gelegenheit Ihnen en paar Worte über unſer treffliches Enſemble im Schauſpiel zu ſtreiben, dem ein Theil des Erfolges auch mit dieſem Stücke ſſcher zuzuſchreiben iſt. Nicht nur die gelungene Darſtellung der Lauptrollen durch Frl. Paulmann(Anna), durch die Herren Jaffé (Duval), Feltſcher(Philipp von Walſek), Schultes(Baron von Balch⸗Walſek), ſondern vornehmlich das bis in jede Einzelheit ſludirte Zuſammenſpiel war es, was in dieſer, wie in ſo mancher ffüheren Vorſtellung, den eigentlichen Werth unſerer Bühne er⸗ mies. Der Veteran Schütz, deſſen früheren Ruf als Schauſpieler

Sie kennen, iſt unſer Regiſſeur, dem das Verdienſt dieſes Vorzugs

anzurechnen iſt. Wie ſehr das Publicum ſolches Verdienſt aner⸗

kennt, zeigt die Thatſache, daß der Abſchluß des letzten Jahres 18,000 Thaler Kaſſeneinnahme mehr als der des vorangehenden Jahres ergab. Sie hätten zur Feier des letzten Schillertages die Inſceneſetzung der Wallenſtein⸗Trilogie ſehen ſollen, und Sie hät⸗ ten Reſpect bekommen vor dem theatraliſchen Feldherrntalent, das mit ſolchen, natürlich nicht in Allem ausreichenden Mitteln den⸗ noch ſolche Schlacht gewann! 5

Literatur.

Preußiſche Jahrbücher. Herausgegeben von R. Haym. Erſten Bandes erſtes Heft. Januar 1858. Berlin, Ver⸗ lag von Georg Reimer. 1858.

Das mit Spannung erwartete Probeheft dieſes neuen Unter⸗ nehmens iſt erſchienen. Wenn auch ein anderes belletriſtiſches Blatt, die vorläuſige Anzeige davon machend, den Herausgeber einen Herrn Haym nannte, als wiſſe er nichts von ihm, als eben daß erein Herr Haym ſei, ſo können wir bei unſern Leſern vorausſetzen, daß der geiſtreiche Verfaſſer der Biographie von W. v. Humboldt(Bgl. Nov.⸗H. 1857. S. 23 und 24) und Hegel ihnen ſeinem publiciſtiſchen Anſebn nach bekannt ſein werde. Das vorliegende Heft enthält 1. Aufſätze: Die Engländer am Nil, Preußen und England, die Aufgabe deutſcher Staats⸗ und Rechts⸗ geſchichte, Beetboven(eine neue Rechtfertigung gegen Ulibiſcheff): 2. die Denkſchrift: das däniſche Finanz⸗Memoir(eine patriotiſche Kritik der däniſchen miniſteriellen Ständeverſammlung vom 12. Septbr. 1857); 3. Mittheilungen: Ein gedrucktes Wort von Kant, Aus dem Leben des Grafen Schlabrendorf, Ein Brief von

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