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ſchen Heiſerkeit und Gekrächze, welches mich jedesmal ſo lebhaft an den Triumphzug einer concertirenden Kaffern⸗ geſellſchaft durch Deutſchland erinnert. Die liebenswür⸗ dige Pariſerin, welche ſo anziehend auf den Fremden wirkt, wenn ſie das leichte Franzöſiſch dahinplappert, ſie wird für das deutſche Ohr abſchreckend, ſobald ſie ein Liedchen träl⸗ lert und ſchon bei dem dritten Tone ſo fürchterlich deto⸗ nirt, wie ſelbſt kein Barbiergeſelle in Deutſchland, wenn er Sonntags bei Guitarre⸗Begleitung„den geliebten Namen in die Rinde ſchneidet.“
Hat man dann das Boulogner Wäldchen nach allen Seiten durchwandert und tritt gegen Abend in den feen⸗ haft erleuchteten Garten„des Pré Catélan,“ welchen die Muſikbanden fortwährend durchziehen und ſo Luſt und Heiterkeit nach allen Enden tragen, hat man ſich hier die Zauber⸗ und Marionetten⸗Theater angeſchaut, in einem der Cafés ſein Eis genommen: ſo wälzt ſich die Maſſe auf ein gegebenes Zeichen der Glocke nach dem Sommer⸗ theater, welches mehr einem Capitel aus Tauſend und eine Nacht gleicht, als den Breterbuden, auf welchem im Sommer das deutſche Vaudeville oder gar die Oper thront. Die Logen bilden eine fortlaufende Pflanzenkette, in welcher die ſchönen Frauen hervorſtrahlen wie eine ſel⸗ tene Blume in einem großen Bouquet. Aus dieſer Blumen⸗ terraſſe drängen ſich allerwärts kleine Gasflämmchen her⸗ vor und verbreiten einen blendenden Lichtſchein über das aus Raſen geformte Parterre hin. Die Proſceniumslo⸗ gen, aus rohen Baumſtämmen und Blumen aufgebaut, ſtoßen dicht an den Vorhang, welcher aus Laub zuſammen⸗ gewunden etwa in einer Höhe von zehn Fuß die Ausſicht auf die Bühne verſperrt. Der Vorhang ſelbſt geht beim Anfange des Ballets(welche ausſchließlich das Reper⸗ toir bilden) nicht in die Höhe, ſondern ſenkt ſich hinunter in die Erde, und nun bietet ſich dem entzückten Auge der ſeltene Anblick einer künſtlichen Natur. Kein gemalter Hintergrund, ſondern aus Raſen geformte Hügel mit
Novellen⸗Zeitung
Bäumen und Waſſer, eine reizende Natur, über welche ſich die dunkle Luft mit den tauſend Sternen ausdehnt und dem Ganzen einen ſo hohen Grad von Poeſie verleiht,
daß wir ſelbſt die Damen des Corps de Ballet gern für Elfen anſehen und ganz vergeſſen, daß wir in einem Thea⸗ ter ſind. Der pariſer Speculationsgeiſt haͤt in dieſen Garten ein photographiſches Atelier gepflanzt, wo man ſich um Weniges das Ebenbild ſeiner Begleiterin verſchaf⸗ fen kann. In den dunkeln Gängen beginnen Romane, das weiche Herz wünſcht das Portrait ſeiner Flamme, der Photograph macht gute Geſchäfte, und ihm bleibt noch der materielle Vortheil am anderen Tage, wenn der Roman ſchon lange zu Ende gelangt iſt und von dem ganzen Traume nur noch das Portrait bleibt, welches mit andern Papieren in das Feuer wandert. Für den beſchützenden Theil der Geſellſchaft, für die Ritter des ſchwachen Ge⸗ ſchlechtes, hält der Photograph eine Roſinante im Stalle, und wer ſich der Dame ſeines Herzens hoch zu Roß ſchen⸗ ken will, der findet hier eine braune, abgelebte Mähre, welche ihren Rücken der Kundſchaft bereitwilligſt zur Dis⸗ poſition ſtellt.
Der Weg von dem Boulogner Wäldchen bis in das Herz von Paris führt durch eine dichte Wagenreihe, welche in den elyſäiſchen Feldern beängſtigend durch einander fah⸗ ren. Zu beiden Seiten der großen Allee der elyſäiſchen Felder ſitzt auf Drathſtühlen, deren Benutzung man ſich um wenige Sous erwirbt, der ſparſame oder ärmere Theil der Pariſer, auf welchen der Commis in der Mieth⸗ droſchke oder die Pariſerin, welche nach dem Tanzorte Ma⸗ bille fährt, weit vornehmer herabſchaut als der hohe Adel in der vierſpännigen Kaleſche. Dort drängt ſich die Menſchenmaſſe um eines der zahlreichen Cafés chantants, wo man ein ſchlechtes Bier zu theuren Preiſen genießt, dabei aber das Recht hat, von einer invaliden Prima Donna eines Provinzialtheaters eine Opern⸗Arie vortragen zu hören. Die Eſtrade, auf welcher ſich das ſingende Perſo⸗
Anna dem rührendſten Balladentode verfallen iſt, wird uns geſagt, daß die Abſicht Duval's die war,„die Güter der Walſek, dieſe Schätze ſeit Jahrhunderten gleich todten Maſſen aufgehäuft, zu halbiren zu jenen großen geheimen Zwecken, die jedes Mittel heiligenl⸗
Das Verſchleierte und Unaufgelöſte, die Diplomatie und das Myſterium haben ihre poetiſche Möglichkeit in der Ballade, im endtdin der Aedelle, das Drama verlangt dargelegte That⸗ dch eit, abgeſchloſſene Auflöſ re Facit ei iſch⸗ brbeicfhe Reenenſenen flöſung, das klare Facit eines ethiſch ſterium, das Griepenkerl in der Anna von Walſek zu behandeln unternommen, von vornherein verſtanden, vielleicht auch deshalb, weil ich vor der Aufführung ſchon auf die Richtung deſſelben auf⸗ merkſam gemacht war, und ich kann verſichern, daß während der geſammten Vorſtellung mich die geſpannteſte Aufmerkſamkeit und die lebhafteſte Theilnahme an den Gang der Handlung feſſelte wenn nicht um des dramatiſchen Intereſſes ſelbſt, ſo doch gerade um jener Diplomatie willen, mit der allein dieſe Frage auf dem Theater behandelt werden durfte und die für mich perſönlich ehr⸗ lich geſtanden, viel mehr Reiz hat als irgend welche derbe, haus⸗ backne theatraliſche Effecte, deren Illuſion für uns, die wir die rohe Maſchinerie hinter den Couliſſen kennen, natürlich ſehr ab⸗ geſchwächt iſt.
Uebrigens hat der Dichter auch an ſolchen Effecten es durch⸗ aus nicht fehlen laſſen, und wie ſehr er Meiſter in der Handhabung der Theater⸗Maſchinerien iſt, hat er namentlich auch dadurch be⸗ wieſen, daß er das große uneingeweihte Publicum, obgleich es eben bei jener nothwendigen verſchleierten Behandlung nicht zu völliger Klarheit über den innern Kern des dramatiſchen Conflic⸗
tes gelangen konnte, dennoch durch die brillant zugeſpitzten letzten Pointen ſeines Drama's in ungewöhnliche Aufregung zu ſetzen vermochte. Sie werden es in den Berichten der Theaterzeitungen bereits geleſen haben, daß die Zuſchauer das Stück auch äußerlich mit den lauteſten Zeichen der Anerkennung begleiteten und ſchon nach dem dritten Acte das Erſcheinen des Dichters durchſetzten. Worin nun der Mechanismus des vorliegenden Stückes be⸗ ruht, darüber kann ich Ihnen freilich nicht allzuviel verrathen, denn
derſelbe iſt eben für die Illuſion der Lampen berechnet und zerfiele,
Ich für mein Theil habe das My⸗
wenn ich ihn hier ſpeciell exponiren wollte, in jene groben, un⸗ glaublichen und unverſtändlichen Züge, aus denen eben die Cou⸗ liſſenmalerei beſteht und beſtehen muß, wenn ſie von Laien bei Tageslicht und in der Nähe betrachtet wird. Ich glaube, Sie ſelbſt, geehrter Herr Redacteur, haben es einmal ausgeſprochen, daß die Kunſt der theatraliſchen Behandlung ſich viel weniger an einem Stoffe von Sinn und Verſtand erweiſen ließe, als vielmehr an einem Stoffe ohne eigentlichen Sinn und Verſtand, da bei jenem möglicher Weiſe Sinn und Verſtand ſchon hinreichten, um eine leid⸗ liche Wirkung zu erzielen, während bei dem anderen ohne ſolche innere Stütze die Behandlung allein Effect erreichen könne. Im letzteren Falle iſt der Dichter der Anna von Walſek aus den Ih⸗ nen oben exponirten Gründen in gewiſſer Beziehung geweſen; nicht hoch genug können Sie deshalb den hier erreichten Erfolg ſeiner dramatiſchen Kunſtfertigkeit anrechnen, und ſelbſt wenn bei unſerer Betrachtung einige Motive als gewaltſam erſcheinen ſoll⸗ ten, z. B. daß Anna durch die ihre Mutter ſcheinbar proſtituiren⸗ den Briefe ſich imponiren läßt, da die Production derſelben doch auf ihre Erbſchaftsverhältniſſe keinen Einfluß haben und viel we⸗
niger ihrer verſtorbenen Mutter Ehre als die ihres verrätheriſchen
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