Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
122
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Nu. 8.

1122 Noveſſen⸗Zeitung.[IV. Jahrg.

V mal. Und ich wußte es doch, daß ſie ihren Mann nichtJa, und ich verdenke Dir dies nicht. Doch es iſt Die al geliebt hatte, und ſie war auch nicht mein Weib, und doch V ſchon ſpät geworden, ſagte Arthur nicht ohne Ernſt. z ſcäſtigunge

war es ſchrecklich! Gott bewahre Dich vor einer ſolchen Stunde!

Du armer Kerl! ſagte Arthur. denn nicht geſagt?

Nein. Was konnte ſie dafür? Und wie konnte ſie mir helfen? Ich war ihr noch gut, ſie war mir noch werth, ich hätte ſie um keinen Preis betrüben mögen; aber alle Liebe war hinweg getilgt aus meiner Seele, und als ich um fünf Uhr ohne Abſchied fortritt, fühlte ich an meine Bruſt, ob denn wirklich noch ein Herz in ihr ſchlage.

Der Geiſt war Dir aber nicht erſchienen?

Nein. Keiner außer dieſem!

Und haſt Du ſie wieder geſehn?

Nein. In Rehme traf ich K. und ſagte ihm: er möge nur ſeine Bewerbung erneuen, vielleicht bekäme er das Mal keinen Korb, die Damen wären capriciös. Meine zarteſten Gefühle waren ſo ſchwer verletzt, daß ich beinahe boshaft wurde. Der nächſte Schnellzug führte mich nach Berlin.

Hat K. noch ein Mal um ſie angehalten?

Er hat es gethan und nach einer Bedenkzeit von we⸗ nigen Wochen ſich mit ihr verlobt und bald darauf ver⸗ heirathet. Von Kameraden, Du weißt das vierte Küraſ⸗ ſier-Regiment ſteht in Münſter, habe ich gehört, daß ihre Ehe eine recht glückliche ſein ſolle, und daß Olga immer noch ſchön und hinreißend liebenswürdig iſt. Das freute mich ihrethalb ſehr, denn ſie hat es doch nur gut mit mir gemeint; für mich jedoch iſt es ganz gleichgültig, die Zeit iſt mir fremder geworden und liegt ſcheinbar weiter hinter mir wie meine Kindheit; es iſt eben nur ein trauriges Ca⸗ pitel in dem traurigen Buch der Erfahrung, das man durch⸗ leben muß. Dich aber frage ich jetzt: Begreifſt Du adnnaß ich beſondere Scheu vor einer Witwen⸗Heirath habe?

Haſt Du es ihr

Halt, ſo entkommſt Du mir nicht. Nun erzähle auch

Du mir Dein letztes Abenteuer.

Heute nicht, aber nächſtens. Sobald ich geſund bin, weihe ich Dich durch den Augenſchein ein.

Gewiß? frug Regingld.

Hier haſt Du meine Hand darauf.

Schön. Ich ſchlage ein.

Nun gute Nacht.

Gute Nacht.(Fortſetzung folgt.)

Aus dem neuen Paris.

Von

Albert wolff.

Paris im Freien.

Wenn der Winter kommt mit den ſtillen Abenden,

und ein luſtiges Feuer im Kamin praſſelt, dann verſentt

man ſich gerne in das Angedenken vergangener Tage, und

der lauwarme Sonnenſtrahl des Morgens ruft uns noch

einmal den glühenden Sommer mit ſeinen Erfriſchungen in das Gedächtniß zurück.Paris iſt im Sommer un⸗ ausſtehlich, behauptet die feine Welt, welche mit den er⸗ ſten heißen Sonnenſtrahlen ihren Koffer ſchnürt und hin⸗

aus eilt in die große ſchöne Natur.

dieſen beiden trocken officiellen Organen hat die Centralſtelle nur noch ein officibſes Journal in Berlin, nämlichdie Zeit, deren Leitartikel im Bureau und v 1 digirt werden und d und Meinungen des

on den Beamten der Centralſtelle re⸗ ie deshalb für die Kenntniß der Geſinnungen Miniſteriums von Werth ſein müſſen. Die eigentliche Organiſation betrifft jedoch die koloſſale Provinzialpreſſe Preußens. Bekanntlich hat jede kleine Stadt in Preußen ihr Tage⸗ oder V Wochenblatt. Die ungemeine, aber erklärliche Zerſplitterung der V

Dingen, für welche das Miniſterium verantwortlich iſt. Außer V

Journaliſtik in Preußen hebt deshalb auch jede Centraliſation auf und vermindert Ausbreitung wie Bedeutung der hauptſtädti⸗ ſchen Preſſe außerordentlich. Jede Provinz hat ihr Hauptorgan, oft deren mehrere; jede freie Stadt, alle die kleinen Länder welche zwiſchen Preußen und den Rheinlanden liegen, ha. verſtändlich preußiſchen Intereſſen gewidmeten Organe ſo daß ſelbſt bedeutende Blätter mehr oder minder nur local wirken kön⸗ nen. Sind nun auch die hervorrägenderen Journale als unab⸗ hängige zu bezeichnen, ſo gibt es doch eine Legion von Kreis⸗ und Stadtblättern, die gänzlich dem im Kreiſe regierenden Land⸗ rathe dienſtbar ſind und deren Exiſtenz von dem Willen oder von der Gunſt des kleinen Herrn der Provinz allein abhängt. Traut man dieſen hauptſächlich im Orte oder auch Theil der Provinz verbreiteten Zeitungen einen etwas höheren Einfluß zu, ſo übernimmt die Centralſtelle in Berlin die für das Blatt ſich eignende Abfaſſung von politiſchen Artikeln. Zu die⸗ ſem Zwecke ſtehen Herrn Metzel mehrere, oft ganz tüchtige Talente zur Seite, welche nach erfolgtem Auftrage die Artikel niederſchrei⸗

ben ihre, ſelbſt⸗

in einem

ben und an das betreffende Blatt gelangen laſſen, welches dieſel⸗ ben alsdann in Form von Berliner Correſpondenzen abdruckt. Die Centralſtelle verſorgt in ſolcher Weiſe vielleicht mehr denn funfzig preußiſche Zeitungen mit politiſchen Artikeln und zwar in reicher Mannigfaltigkeit, über die verſchiedenſten Fragen, über innere wie äußere Politik.

Man würde irren, wenn man in dieſer Verſorgung der Pro⸗ vinzjournale mit politiſchen Artikeln nur allein die Äbſicht der Regierung erkennen ſollte, die von ihr erlaſſenen Geſetze oder Maßregeln, oder die von ihr befolgte Politik in das günſtigſte Licht zu ſetzen. Vertritt die Regierung freilich vor Allem ſich ſelbſt in dieſer ihr ergebenen Preſſe, ſo verbindet ſie durch ihre jour⸗ naliſtiſche Mitwirkung auch den Zweck, ſich über den Stand der öffentlichen Meinung zu unterrichten, lebhafte Debatten in der geſammten Preſſe hervorzurufen, um aus den dabei geltend ge⸗ machten Anſichten ihren Nutzen für das allgemeine Wobl zu

ziehen. Herr von Manteuffel will ſich z. B. über das Weſen einer Sache, über den Nutzen eines von ihm proſectirten Geſetzes

oder über die Meinung des Volkes gegenüber einer politiſchen Frage von allen Seiten aufklären laſſen. Alle Mittage hält ihm der Chef der Centralſtelle Vortrag; bei dieſer Gelegenheit ſpricht der Miniſter ſeine Idee aus; Herr Metzel hält Muſterung in dem Heer ſeiner Zeitungen und ſucht ſich die geeignetſte aus. Die Journaliſtik trifft denn eines Tages auf einen Artikel in einem ganz gewöhnlichen Blatte, der ihr von Bedeutung ſcheint; ſie er⸗ kennt daraus eine Abſicht der Regierung, greift ſie nun entweder an oder unterſtützt ſie, bis nach einer, je nach dem Gegenſtande mehr oder minder heftigen Debatte in den Zeitungen der verſchie⸗ denen Parteien die Sache zur Ruhe komnit und Herr von Man⸗

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