ALBUM.
Minna von Mädler.
Anna.
Ein Häuschen ſteht auf grünen Matten, Ein kleiner Garten liegt davor, In ſeiner Bäume dichtem Schatten Singt früh und ſpät ein Vögelchor. Der Thüre nah grünt eine Laube Von duft'’gen Bohnen, weiß und roth, Es harrt darin die zahme Taube Der Hand, die ſtets ihr Futter bot. Im Sonnenſchein glänzt weißes Linnen, Der Käfer ſchwärmt, berauſcht von Duft. O, welche Luſt, welch froh Beginnen Rings in der milden Frühlingsluft! Hell ſchaut der Himmel, blau und golden, Zum ſtillen klaren See hinein, Dran nicken gelbe Blüthendolden Und auf der Fluth ſpielt Demantſchein. Libellchen fliegt mit zartem Flügel Von Blatt zu Blatt auf ſchwankem Ried, Ein blauer Duft umwallt die Hügel, Und fern ertönt des Kukuks Lied. Da ruft ein Stimmchen hell und rein: „Sag', Kukuk, ſag', wann werd' ich frei'n?
Und„Kukuk“ tönt es ohne Ende, Wohl zwanzig— dreißig— vierzig Mal, Schön Aennchen reibt ſich froh die Hände Und lächelt bei der Jahre Zahl.
Zu fragen war im Dörfchen Brauch, Drum frägt die holde Kleine auch;
Die Antwort macht ihr keine Sorgen, Sie hat ans Freien nie gedacht,
An ihres Lebens Frühlingsmorgen
Bis jetzt geſpielt nur und gelacht.
Denn Arbeit war ihr Spiel, nicht Mühe, Sie wirkt' und ſchaffte ſpät und frühe In Küche, Keller, Hof und Haus. Schwer war der Eltern Sorgenleben; Kaum reicht das kleine Gütchen aus
Um Unterhalt und Pacht zu geben.
Die war beſtimmt in beſſ'rer Zeit,
Als fern noch Krieg und Theurung lagen. Gewöhnlich war der Gutsherr weit, Zuweilen kam er nur zu jagen,“
Und lange ſchon auf Reiſen jetzt
War er vor Jahren hier zuletzt.
'S war eines reichen Kaufmanns Sohn Der wuchernd ſich emporgeſchwungen,
Und— ſtarrt' vor Gold die Taſche ſchon—
In Kopf und Herz war's nicht gedrungen So war von ihm der Ruf erklungen.
Laut ſingend wandelt Anna weiter So glücklich als ein Kind der Flur: Sie trinkt den Born des Daſeins heiter Aus allen Quellen der Natur.
Sie freut ſich jeder neuen Blume, Sie ſtaunt den goldnen Käfer an, Trägt zu des Neſtchens Heiligthume Den fluͤgellahmen Vogel dann.
Anna.
7
„
Von Minna von Mädler, geb. Witte.
Faſt ſcheint's, als ob zu ihren Füßen Der zarte Moosgrund weicher ſchwillt, Als ob die Waldesblümchen grüßen Ihr ſchweſterliches Ebenbild.
Sie ſchaut mit blauen, treuen Augen Sie forſchender als jemals an
Und ſpäht, ob ſie zum Heiltrank taugen Dem armen, fieberkranken Mann,
Der auf dem Hof darniederliegt
Und ſchwer am böſen Huſten ſiecht.
Sie geht und ſucht, und pflückt bedächtig Mit frommem Wunſch das Segenskraut. Die Vögel ſingen gar zu prächtig,
Wie iſt's im Grünen lieb und traut! Hier liegt ein Teich im tiefen Schatten, Unfern vom treulos dunkeln Moor, Auf ſeines Ufers weichen Matten Sproßt Waſſerſchierling ſtolz empor, Und arglos unter ſeiner Krone
Birgt ſich die weiße Anemone Unſchuldig, wie ein Kindestraum.
Zur Blume will ſich Aennchen neigen,
Novellen⸗Zeitung.[(IV. Jahrg.
Da— Blitz und Knall— und von den Zweigen
Stürzt eine Taub' aus nahem Baum. Sie eilt dahin, zum Tod' erſchrocken, Doch ſtirbt der bange Schrei im Mund: Das iſt ihr Täubchen, todeswund Und blutigroth der Federn Flocken. Sie nimmt es hin— es ſtirbt ſo leiſe In ihrer Hand nach Taubenweiſe. Da zieht durch ihrer Seele Tiefen Der erſte Schmerz mit eiſ'gem Hauch Und weckt Gefühle, die noch ſchliefen, Sie haßt zum erſten Male auch,
Sie haßt, ſo ſehr ſie haſſen kann, Den grimmen Mörder ihrer Taube. Da ſpringt hervor aus dichtem Laube Ein blaſſer, finſtrer, brauner Mann Und ſchreit:„Gewonnen iſt die Wette! Wie ſchießt doch mein Revolver gut! Ich traf ſechsmal an einer Stätte,
Da liegt die Taub' in ihrem Blut! Heida, mein ſchönes, blondes Kind,
.
Iſt's Mitleid, daß dein Thränchen rinnt?“
Ihn trifft ein Strahl aus blauen Sternen,
So ernſt, ſo vorwurfsvoll, ſo rein, Faſt möcht' er ſich zu ſchämen lernen, Doch ſieht er recht den Grund nicht ein. Dagegen glübt in ſeiner Bruſt Urplötzlich nie gekannte Luſt.
Er ſieht das Mädchen an entzückt;
Die ſpricht, die Wang' im Zorn geröthet, Die Taube an ihr Herz gedrückt:
„Ihr habt den Liebling mir getödtet.“ Er flucht und ſchwört: es ſei ihm leid, Doch woll' er ſchon Erſatz ihr ſchenken, Ein buntes Band, ein neues Kleid Werd' ihren Sinn zur Freude lenken.
Hannover, Carl Rümpler. 1858.
Der C ſſtens an le iteb ſchutt
Eupfang
Schloß g nvind nd, 1m Park.
„Bei „Jh,
graben ſon zu vie RN dge Ple Bei
6 ſarpfen? ain.„d 4 ſcag Hal uch wo, rs icht iſt Suun.“
er hah Freude Ernſ, Fültige eregt. Fensfro wolle, u Di Hen petlren Ales. weil 68 31 natür berrſg Dat . dch ſed laüt ni
—


