Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
98
Einzelbild herunterladen

(Schluß des vierten Acts.)

Chriemhild. Siegfried, geh heut nicht zur Jagd! Geh nicht zur Jagd! Thu's mir zu Lieb'.

Soll ich denn wirklich ſpinnen? Chriemhild.

Verſpotte mich, thu was du willſt, nur bleib!

Bleib heim um meiner Aengſte willen, Siegfried! Nur heute! Sieh, mir war's zu Nacht im Traum, Zwei Berge ſtürzten und begrüben dich;

Und wieder, Siegfried, ſah ich einen Hirſch

Von goldner Farbe durch das Dickicht ziehn,

Und plötzlich fiel ein wüthend Eberpaar

Von hinten über ihn und ſchlug die Hauer

In ſeine Weichen, gräßlich, daß das Blut

8

Der Hirſch warſt du!

Er hat mein Wort

Auf frohe Heimkehr!

Ei, Schatz!

In rothen Bächen auf den Raſen ſchoß

Wohin verlierſt du dich! Du bebſt vor Schatten, die die eigne Furcht Im Schlummer über deine Seele warf Glaub' mir, es wohnt kein Sinn in dieſen Bildern. Chriemhild. O ſprich nicht ſo! Die Götter haben oft In Träumen ſchon zu unſerm Stamm geredet, Und manche Warnung kam uns im Geſicht. Doch nicht zu ſtreiten lüſtet mich. Nur bitten. Gilt mein Glaub' als Thorheit dir, So ſei denn thöricht, weil dein Weib dich anfleht! Sei thöricht, einmal nur!

Laß ab! Sieh dir Zu Liebe blieb' ich wohl, allein ich darf's nicht. Denn dieſe Jagd war Gunthers Wunſch. Zum erſten Male wieder ziehn wir aus. Was dächt' er, käm' ich nicht! trinkt.)

Gemeinſaemm

rgreift den Becher un

wie fühl' ich's nun,

Novellen⸗Zeitung.[(IV. Jahrg. ALBIIIM x ,e Emanuel Geibel. Jetzt prangen, ſtehn ehrwürd'ge Falten dir Im lieben Antlitz Chriemhild. Welch ein Märchen webſt du! Siegfried. 1

Traun, gern gedenk' ich, wie in hoher Halle

Uns dann der Abend nahn wird, wenn der Sturm

Die Flocken ſauſend an das Fenſter treibt.

Du aber ſitzeſt, wo die Lohe flackert,

Am Heerd auf buntgeſchnitztem Drachenſtuhl; Rings um dich her die Mägd; und wie dein Auge

Im Kreiſe waltet, tanzt die Spindel raſcher,

Und wie beflügelt ſpringt das Weberſchiff.

Da lockt auch mich, am Stab, doch feſt noch ſchreitend,

Des Feuers Glanz heran; es bringt der Schenk

Das Trinkhorn, und beim Nachtmahl plaudern wir

Von unſern Söhnen, die auf Heldenfahrt

Hinaus ſind

Chriemhild. Siegfried, liebſter Mann! . Siegfried.

Ei, laß mich! Das Lieblichſte verſchwieg ich noch; denn ſieh, V Nun kommt die Tochter auch, ein ſtattlich Weib,

Und hebt vom Buſen, wo er warm ſich dehnte, Den jüngſten Enkel dir empor, der taſtend Dcen goldnen Reif auf deiner Stirne ſucht. Du aber ſchauſt ihn lang rückſinnend an;

Denn aus des Säuglings großen Augen lächelt V Dir Siegfrieds Jugend. Und du drückſt ihn feſter und ſegneſt ihn: Sei glücklich, wie dein Ahn!(Hörner draußen.) Chriemhild(ſchrickt zuſammen). Die Hörner o

Siegfried. Wie mag ihr heller Klang

Dich ſchrecken! Ruft er doch aus ferner Dämm'rung 8 Uns in die ſonn'ge Gegenwart zurück. Noch Einen Kuß denn, ſüßes Weib, und laß Mit ihm ſo heiter, wie ich kam, mich ſcheiden. Chriemhild(mühſam gefaßt). Sei's denn. Fahr wohl! Mein Herz wird bei dir ſein! (Siegfried geht bis zur Schwelle. In dieſem Augenblick ruft Chriemhild 8 ihm nach und ſtürzt ihm noch einmal um den Hals.)

Fiegſtien 4 Noch einmal muß ich dir ins Auge ſchauen,

Tief, tief hinein! O, wenn ich dich verlöre! Mein Held! Mein Hort!

Was ich der Mutter oft nicht glauben wollte! Siegfried.

Ein ewig Bangen iſt der Frauen Loos; Und, ach, je berrlicher es ſonſt uns zufiel Mit ſo viel herbrer Sorge haben wir's, Mit ſo viel heißern Thränen zu erkaufen! Denn nimmer gönnt euch hohen Helden ja Der ſtolze Sinn, der unſrer Noth nicht achtet Windſtiller Tage Glück. 1

Doch auch die

Mag denn der Aar Vom Fluge laſſen, eh die Schwing' ihm brach? Nicht Siegfried wär' ich, könnt' ich jetzt ſchon ruhn. Zeit wird kommen, und fürwahr, 4 Dereinſt, nach fünfzig Jahren, träum' ich's mir Unlieblich nicht, mit dir die Raſt zu theilen. Ja, Herz, dann wird die Welt uns anders anſchaun; Dann ſind wir beide grau, und wo die Roſen

Brunhild. Ein Lied aus der Nibelungenſage von Emanuel Geibel.

Laß gut ſein, Kind. Mein Loos

'

V Liegt glänzend auf des Göttervaters Knieen; V

Ich fühl's, mich trägt ſein Hauch. Und ſo fahr wohl!(Geht raſch ab) 1 Chriemhild. Er geht! O, niemals war ich ſo betrübt, So ganz erdrückt von Sorge. Wäre nur Der Tag vorüber erſt! Ich will ans Werk, Die Zeit zu täuſchen(Tritt an den Wevſtubl.) Arme, arme Nanna! Wie fühl' ich heut dein Leid, als wär' es meins! Da trugen Trauer Götter und Menſchen(Sörner draußen.) (Chriemhild ſtürzt ans Fenſter.) Siegfried! Siegfried!(Bricht zuſammen.)

(Der Vorhang fällt.)

Stuttgart und Augsburg, J. G. Cotta'ſcher Verlag.

Erzäblun

Im( Halodunke hen trug durch die ſeinen ar lehnte; Taute 2 große Lo vor Arthl

Ton plogl Hand bede

dd engmg. Boddel ſtehen, Haare Du bi .Ne ſort, ich

Dl un Dein,

Hle