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Nr. 23.]
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es für ſeine eigne Entwicklung fruchtbar. Nur wenige Tage, und er war gewonnen von der„ſeltenen Totalität,“ die er in Humboldt's Weſen entdeckte. Nicht mehr, wie früher, in übereiltem Urtheil, vermißte er an ihm„die Stille der Seele, die ihren Gegenſtand mit Liebe pflegt.“ Er fand, daß ſich im Geſpräch mit ihm alle ſeine Ideen glücklicher und ſchneller entwickelten. Er war bereit, ihm wenigſtens den zweiten Platz neben ſeinem Körner(dem Vater des Dichters) einzuräumen, von deſſen Lobe auch Humboldt überſtrömte. Er ſprach ſchon jetzt von der ſchönen Dreiei⸗ nigkeit, die es geben würde, wenn Körner von Dresden herüberkäme, und es währte nicht lange, ſo galten ihm die Beiden als völlig gleich liebe und ebenbürtige Genoſſen. Aber auch Humboldt fand nicht bloß den Alten in Schiller, ſondern etwas mehr und etwas Beſſeres wieder. Noch im⸗ mer war er derſelbe feurige und glänzende Geiſt, derſelbe hohe, von dem Adel des Charakters getragene Genius. Das Alles war da, und war in erhöhter Weiſe da, aber eine wunderbare Ruhe und Milde hatte ſich darüber aus⸗ gebreitet. In ſeinem innerſten Weſen war Schiller ſeinem Freunde näher gerückt; in Geſpräch und Umgang machte ſich dieſe Aenderung auf's Wohlthätigſte fühlbar.
Und wie reich war Schiller von ſeiner Reiſe nach Sü⸗ den zurückgekehrt! Er hatte ſeinen ganzen Ideenvorrath über die Begriffe der Aeſthetik während des Aufenthalts in Ludwigsburg und Stuttgart noch einmal revidirt und bei der Reviſion geordnet und bereichert. Aus dem ehemals projectirten„Kallias“ waren Briefe an den Herzog von Auguſtenburg geworden, und dieſe Briefe, eine vollſtän⸗ dige Theorie des Schönen, ſollten nun für die Oeffentlich⸗ keit noch einmal überarbeitet und zum völligen Abſchluß ge⸗ bracht werden. Hand in Hand ging damit ein großes li⸗ terariſches Project, mit dem er ſich längſt getragen hatte und für das jetzt in Stuttgart ein Verleger gewonnen war. Es galt die Verwirklichung deſſen, was dem deutſchen Dichter am Schluſſe des achtzehnten Jahrhunderts als
Dritte folge.
361 höchſtes ſchriftſtelleriſches Ideal erſchien. Daſſelbe, wo⸗ nach Humboldt für ſich perſönlich geſtrebt hatte, ſollte hier zum Oeffentlichen und Allgemeinen werden. Das Geräuſch des Krieges und der Kampf politiſcher Meinungen ſollte geflohen und vergeſſen werden. Gegenüber dem ſpannen⸗ den, beängſtigenden und doch vergänglichen Intereſſe des Tages ſollte der Blick auf das rein und ewig Menſchliche gelenkt, ſollte die Welt auf dem Wege der Wahrheit und Schönheit zur echten Humanität gebildet werden. Eine Zeitſchrift ſollte zu dieſem Zweck geſtiftet werden, welche für das geſammte Publicum wäre, was das claſſiſche Alter⸗ thum für Humboldt geweſen. Und um wirklich das ge⸗ ſammte leſende Publicum heranzuziehn, ſo ſollte jene Zeit⸗ ſchrift von der verbündeten Elite der deutſchen Schrift⸗ ſteller geſchrieben werden. Das Beſte ſollte von den Beſten
beigeſteuert werden und ein kritiſcher Gerichtshof über die
Aufnahme der einzelnen Aufſätze ſein Urtheil ſprechen. Im Geiſte des ſchönen Alterthums war die Bildung verſtan⸗ den, welche hier vertreten und propagirt werden ſollte. An die griechiſche Götterfabel und deren Sinn erinnerte ſchon der Name, den das neue Journal an der Stirne trug. Die Göttinnen, die im Gefolge der Grazien find, die ſchweſter⸗ lichen„Horen,“ welche die welterhaltende Ordnung bedeu⸗ ten: ſie ſollten den Geiſt und die Regel der Zeitſchrift an⸗ kündigen. Mit vollen Händen demnach kam Schiller allem demjenigen entgegen, was Humboldt in ſeiner ſtilleren Weiſe in ſich trug. Ihr Bildungsideal, ihre Stellung zu dem, was ſonſt die Welt bewegte, war weſentlich überein⸗ ſtimmend. Wenn Schiller in lebendigem Schöpfungs⸗ und Wirkungsdrange ſich nicht mit der eignen individuellen Bildung begnügte, ſondern in weite Kreiſe damit hinaus⸗ drängte, ſo geſchah es in Kraft des Genius, welchen Hum⸗ boldt bewundernd anerkannte. Wenn Schiller ſtatt der bloßen Vertiefung in die vergangene Welt des helleniſchen Lebens ein verwandtes Leben in der Gegenwart zu erwecken ſtrebte, ſo konnte Humboldt jenes nicht vermiſſen, indem
tigſten ſind die Cabinetsminiſter und deren gibt es vier. Die übrigen zehn find mit der Verwaltung der Provinzen betraut. Sie ſenden an die Cabinetsminiſter in Peking alle Documente, welche den Kaiſer intereſſiren können, und in einer Art werden ſie die Herren deſſelben. Man kann ſich leicht vorſtellen, daß der Kaiſer von ſolchen Miniſtern nur das erfährt, was ſie ihn wiſſen laſſen wollen, und daß ſie ihm die Sachen nur ſo berichten, wie es ihr eigenes Intereſſe erheiſcht. Ob die aus den Provinzen an⸗ kommenden Nachrichten dem Kaiſer mitgetheilt werden ſollen oder nicht, hängt übrigens von den Beſchlüſſen der Cabinetsminiſter ab. Finden ſie dieſelben wichtig genug, ſo wenden ſie ſich mit dem Geſuch an den Kaiſer, ſie ihm mittheilen zu dürfen, und dieſes Geſuch müſſen ſie zuweilen in Zwiſchenräumen von zwei zu zwei Tagen wanzigeal wiederholen, ehe ſie die Erlaubniß er⸗ halten, ihm die Sac he vorzutragen, von der der Kaiſer nur ſoviel erfährt, als ihm ſeine vier Cabinetsminiſter wiſſen laſſen wollen. Der Chef des Cabinetsraths oder Nuy⸗Ko theilt dann dem be⸗ treffenden Gouverneur den Willen des Kaiſers mit. Der Nuy⸗Ko äieft ſehr wohl, daß ein großer Theil ſeiner Macht verloren gehen würde, ſobald fremde Geſandte in Peking zugelaſſen würden, die direct mit dem Kaiſer verhandeln könnten, und deshalb wider⸗ ſttzen ſie ſich ſo entſchieden allen Anforderungen dieſer Art und benutzen zugleich jede Gelegenheit, um den Haß des Kaiſers gegen diee Ausläͤnder zu verſtärken. Es läßt ſich daher jetzt noch keines⸗ negs mit Gewißheit ſagen, was die Engländer in dem begonnenen Kriege in China erreichen werden. C.
Der Charakter der Perſer.
In der Aprilnummer des Quarterly Review für 1857 findet ſich ein anziehendes Gemälde von Perſien, dem wir folgende Be⸗ ſchreibung des perſiſchen Charakters entnehmen.
„Die Perſer ſind nicht unpaſſend die Franzoſen des Oſtens
eenannt worden. Ihre eleganten Manieren, ihr Witz, ihr Leicht⸗ nn. ihr allgemeiner Skepticismus, ihr Geſchmack, ihre Vorliebe für öffentlichen Glanz, ihre Gaſtfreundſchaft und ihre Kochkunſt geben ihnen einen Anſpruch auf dieſen Titel, wenn man ſie mit den mehr mohammedaniſchen Nationen vergleicht, von denen ſie um⸗ geben ſind. Ein perſiſcher Gentleman iſt natürlich höflich und ab⸗ geſchliffen. Es würde ſchwierig ſein, die Graſie ſeines Benehmens und ſeiner höflichen Anrede zu übertreffen. Mit der Literatur ſeines Vaterlandes iſt er genau bekannt und ſeine Unterhaltungen und Briefe werden mit paſſenden Citationen aus den Dichtern ſeiner Nation verſchönert. Scheinbar wird er großmüthig und uneigennützig ſein. Sein Haus und deſſen Inhalt iſt das Ihrige. Er iſt Ihr Diener und Ihr theuerſter Freund. Er zeigt gegen den Europäer nie die ſtolze Herablaſſung, welche ſelbſt der am beſten erzogene Türke ſelten verbergen kann. Doch Gewohnheit und eine lange ſchlechte Regierung, der Mangel an Vertrauen rings um ihn her, die Gefahr der Verrätherei, das beſtändige Bei⸗ ſpiel von Betrug und Falſchheit vor ſeinen Augen haben einen Charakter verdorben, der manche edle Eigenſchaft hat, und hat ihn gemein, verrätheriſch, betrügeriſch und grauſam gemacht. Einige dieſer Laſter, beſonders ein Mangel an Wahrhaftigkeit, die ähnlichen Urſachen beigeſchrieben werden müſſen, haben ſcc ſelbſt auf dem Lande ausgebreitet, obwohl die Landleute in Perſien
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