Jahrg.
— Dich Lernerl“ — warf eigenen rdachte. erehren, Freunde
nd zum Albrecht et hatte heinwein ch keinen er lehnte
nen Be⸗ klingen n Hauſe iſt mich, ttin ge⸗ Veilheim und Du Kammen⸗ echt, da at und ſtanden troffen m erſten wie ſie vor mel⸗ heutige
de leiſe häͤltniſſe obſchon
Lerners
ſchlägigen rern be⸗ 9 von
denge
Capitain ſellſcaft gen kann. am wild, zprüfung
NRr. 13.]
ſmioft ein glücklicher geworden iſt.
Reden geſpannt lauſchte und dann die Geſichtszüge des Sprechenden ſtets mit dem ihm eigenthümlichen ſtechenden Blicke verfolgte, Albrecht ſchwieg auf dieſe Worte eine ge⸗ raume Zeit und ſah in eine dunkle Ecke des Zimmers. Wer jedoch den Ausdruck ſeiner Mienen hätte beobachten können, der würde in denſelben eine plötzliche gewaltſame Veränderung, einen deutlichen Kampf der heftigſten Em⸗ pfindungen und ein ſo ſchmerzliches Zucken der Lippen wahr⸗ genommen haben, daß er darüber nicht in Zweifel ſein konnte, wie der junge Mann von der ihm gemachten Mit⸗ theilung im innerſten Weſen erſchüttert wurde.
Endlich ſagte Albrecht mit leiſer Stimme, ohne jedoch ſeine heftige Erregung auffallend zu verrathen:
„In Weilheim haben ſie mir allerdings nicht verhehlt, daß Deine Frau ſich nicht ganz glücklich fühle und biswei⸗ len an hypochondriſchen Einfällen leide, ſo wenig ſie Veran⸗ laſſung habe, mit Deinem muſterhaften Verhalten unzu⸗ frieden zu ſein. Allein daß es dahin kommen würde, davon ahnten ſie nichts. Im Gegentheile hofften ſie, daß die Jahre noch manches ausgleichen und hinwegräumen würden, was jetzt zwiſchen Euch liege, um ſo mehr, da Deine Frau im Uebrigen ein wahrer Engel ſei, wie ſie— ſagten. Sprich, Werner, aber verzeihe mir die Frage: Iſt etwas Neues vorgefallen, was dieſen traurigen Ent⸗ ſchluß in Deiner Gattin hervorgerufen hat?“
„Nein,“ antwortete der Gefragte ſehr ernſt,„es iſt nichts vorgefallen. Aber meine Reiſe hat den unmittelbaren Anſtoß dazu gegeben; vielleicht wäre es ſonſt nie dahin gekommen.“
Und er erzählte dem Verwandten ausführlich, wie Helene ihr ganzes Verhältniß auffaſſe und was ſie eigent⸗ lich zu dieſem Schritte, den er nun ſelbſt für geboten er— achte, treibe. Dieſer hörte mit der größten Theilnahme zu, warf dann und wann eine beſcheidene Frage dazwiſchen und bemerkte endlich, nachdem er Alles, was mittheilbar, erfahren und dann lange für ſich nachgeſonnen hatte, mit
Dritte folge.
201
einem ſo herzlichen, faſt wehmüthigen Ausdrucke des Tons, wie ihn Werner noch nie von ihm vernommen:
„Ja, ja, mein Freund, das Frauenherz iſt eine wun⸗ derbare Welt für ſich, es hat ſeine eigenen Geſetze und Wege, über die wir ſo oft nicht urtheilen können. Iſt es krank, ſo kann ſicher die Heilung nicht durch unſer Zuthun erfolgen, die muß von Innen kommen. Aber— fügte er gleichgültiger hinzu— ich kenne ja Deine Frau von früher her, ich habe ſie öfters getroffen, ehe ich wieder in die Pro⸗ vinz kam. Erlaube nur auf jeden Fall, daß ich ſie mor⸗ gen ſehe.“
Werner nickte beiſtimmend, fragte dann aber, wie von einem plötzlichen Einfalle getroffen, mit einem ſcharfen Seitenblicke auf ſeinen Gaſt:
„Ich weiß es, daß Du ſie gekannt haſt, Ihr müßt Euch ja vielfach in den Geſellſchaften begegnet ſein. Aber iſt Dir auch Etwas von ihrem früheren Verhältniſſe, dem unſeligen, an deſſen Folgen ſie noch leidet, bekannt? Ich bitte Dich, Albrecht, ſage mir die Währheit, meine Frau hat darüber, ſo ſehr ich in ſie gedrängt habe, fortwährend hartnäckig geſchwiegen. Und dennoch möchte ich den Nichts⸗ würdigen kennen, der ihr und— mein Geſchick auf dem Gewiſſen hat!“
Albrecht zitterte faſt unmerklich, als ſich das Gefühl ſeines Gaſtfreundes zum erſten Male ſo heftig kund gab. Aber, ſo nahe ihn vielleicht die letzten Worte berühren mochten, gerieth er doch keineswegs außer Faſſung, ſondern antwortete ruhig ausweichend:
„Einiges iſt mir allerdings bekannt, was Du nicht weißt, Werner. Du ſollſt es auch ehrlich von mir erfah⸗ ren, wenn es an der Zeit iſt. Aber zuvor muß ich Deine Gattin geſprochen und mir die Erlaubniß erbeten haben, ihr Geheimniß zu verrathen. Was Dir die eigene Frau verſchwiegen, darf ich nicht preisgeben. Darum muß ich ſie morgen ſprechen!“
Werner fühlte ſich durch dieſe Worte in eine neue un⸗
Befreiten zum Nachtheil, ganzen Ländern zum Ruin gereicht bat. Ein Beiſpiel ſolcher übereilter Verbeſſerung gibt die Inſel Isle de France, auf der die Engländer nach der Eroberung von 1810 die Sclaven freikauften, welche Befreiung beſtehen blieb, als das Land 1815 den Franzoſen reſtituirt wurde. Sigismund Wallace“) ſchil⸗ dert uns den ſeitherigen Zuſtand der Inſel:
„Selbſt ſeit der Emancipation der Sclaven iſt das Racen⸗ verhältniß um nichts anders geworden. Dieſelben Vorurtheile zwiſchen den Bewohnern, verſchieden an Farbe, beſtehen noch, ſogar
*
in geſelligen Beziehungen und im täglichen Verkehr. Der Abkömm⸗ ling europäiſcher Eltern gedenkt noch immer der Zeit, wo er den Neger kaufen, verkaufen und über ihn überhaupt verfügen konnte, Die Emancipation hat, wie man
wie es ſeiner Laune gutdünkte. faſt behaupten könnte, die frühere Verachtung in bittern Haß ver⸗ wandelt. Das frühere Laſtthier in der Geſtalt eines braunen Menſchen, an dem man ein dingliches Recht hatte, iſt nun dem frühern Herrn und Meiſter in voller Hinſicht gleichgeſtellt. Das Schwarzen ein Mittel geworden, Wohlſtand, ja ſogar Reichthümer zu erlangen, während der Weiße verarmt. Die Söhne der geweſenen
Sclaven haben ſich in Schulen Kenntniſſe erworben und erbalten * Aemtter und Stellen, welche früher nur von europäiſchen Spröß⸗
lingen bekleidet wurden. Wohin der Weiße den Fuß ſetzt, was er „ unternimmt, da begegnet er dem Neger, der ſein Nebenbuhler und nwoft gewor„Der Letztere weiß, daß er gehaßt wird, und zahlt mit gleicher Münze. ———— ℳ*) Licht⸗ und Schattenbilder aus Aſien, Afrika und Europa. Von Sigismund Wallace. Erſter Band. Leipzig, Hermann Coſtenoble. 1857.
ſonſt zum Vortheil des Meiſters ausgeübte Gewerbe iſt für den
Ihrer Farbe nach ſtebt ſich dieſe Bevölkerung feindlich gegen⸗ über. Eine Abſtufung bilden die Mulatten, welche ſich ſelbſt über die Neger ſtellen, aber gleich denſelben von den Weißen im Umgange gemieden werden. Auf dieſe Weiſe hat die Emancipation noch nicht Zeit gehabt, Gutes zu wirken, und außerdem ſind aus der beabſichtigten Woblthat, aus der Philanthropie Englands, zwei andere Uebel gefloſſen, welche gleich groß und nachtheilig für die ſämmtliche Bevölkerung der Inſel ſind. Dem Pflanzer wurden ſeine Arbeiter geraubt, und der größte Theil der bisher fleißigen und ruhigen Arbeiter wurde demoraliſirt. Das Letztere fand aber nicht allein bei den Sclaven, ſondern auch bei den Herren ſtatt. Großbritannien zahlte eine bedeutende Entſchädigungsſumme in goldener Münze für die freigeſprochenen Sclaven. Die Pflanzer hatten niemals ſo viel baares Geld geſehen noch beſeſſen und glaubten in ihrer kindiſchen Einfalt, daß ein ſolcher Schatz uner⸗ ſchöpflich wäre. Anſtatt daß ſie die Entſchädigungsſummen hätten anwenden ſollen zur Abzahlung von Schulden, zur Verbeſſerung ihres Eigenthums und zur Bezahlung der von Oſtindien, den ma⸗ latiſchen Inſeln u. ſ. w. eingeführten freien Arbeiter, vergeudeten ſie dieſelben in zügelloſer Verſchwendung.
Luxusartikel jeglicher Art wurden von England und Frank⸗ reich eingeführt und mit den empfangenen Guineen zu übermäßigen Preiſen bezablt. Leckerbiſſen aus allen Zonen, Silbergeräth, feines Porzellan und die koſtbarſten Weine zierten den Tiſch des noch immer gaſtfreien Pflanzers. Pferde und Wagen wurden angeſchafft. Niemand wollte mehr zu Fuße gehen. Die ſchönſten pariſer Toi⸗
letten und köſtliches Geſchmeide ſchmückten die Damen auf Bällen
und in Geſellſchaften. Champagner floß; hohes Spiel ruinirte
Manchen. Die frühere patriarchaliſche Sitteneinfachheit verſchwand,


