Jahrgang 
01-26 (1857)
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ALBIM.

Friedrich Dörr.

Chriſtabend.

Weit auf ſprangen die Flügel der Thür, und mit lautem Gejauchze

Eilten die Kinder hinein. Doch gehemmt war plötlich die Eile:

Sprachlos ſtaunten die Kinder empor zu dem ſtrahlenden Chriſtbaum,

Der in der mittleren Stub aufragte vom Boden zur Decke.

Rings mit Lichtern geziert, buntfarbigen, helles Geflimmers,

Breiteten weit hin aus ſich der Krone geregelte Zweige,

Welche mit Früchten behangen und auserleſenem Backwerk.

Doch wer könnte beſchreiben den Reichthum, alle die Gaben,

Welche der freundliche Baum herniederbot mit den Armen!

Feigen, Roſinen und Pflaumen in Meng und ſaftige Trauben,

Grün abwechſelnd mit blauen, und roſenwangige Aepfel,

Birnen der zarteſten Art, und Tüten mit Nüſſen gefüllet,

Andere voll Krachmandeln und bunt umwickeltem Zucker.

Aber daneben an Fäden befeſtiget, ſchaukelte lockend

Schönverziertes Gebäck aus Marzipan und aus Blattteig,

Bunt und golden bemalt und geformt zu verſchiednen Figuren:

Hier ein Reiter zu Roß, dort wieder ein tanzendes Pärchen,

Hier ein Baum und dabei zwei Liebende: alles zum eſſen!

Aber es glänzten zumeiſt im Widerſcheine der Kerzen

Dort an den Spitzen der Zweige die goldumklebeten Eier,

Stolz auf Glanz und geründete Form, doch nichtiges Inhalts,

Welche bewegt von der Hitze ſich ſchaukelten. Aber daneben

Himmelsleiter von buntem Papier und farbige Bänder.

Alſo ſtand einladend der ſtaunenerregende Chriſtbaum.

Hell durch das dunkele Grün aufſchimmerten heiter die Kerzen.

Sprachlos ſtanden die Kinder. Verſtummt war das laute Ge⸗ jauchze.

War es der Zauberpalaſt, von welchem das Märchen erzählte,

Oder Schlaraffenland, das geprieſene, welches den guten,

Artigen Menſchen beſtimmt, wie Mama die Kinder gelehret?

Ja, wer kann das ſagen? Wie leblos ſtarrten die Kleinen

Still mit gefalteten Händen den Baum an. Solcher Beſcherung

Hatten ſie nicht ſich verſehn. Mit beſeligt ſtrahlendem Auge

Standen die Eltern dabei und ſchauten der Kinder Verwund'rung.

Leiſe begegneten ſich die Hände der glücklichen Gatten,

Und ſtumm küßte der Vater mit Innigkeit die Gemahlin.

Endlich faßte Luischen ein Herz und athmete: Guſtav! Doch der Gerufene wandte ſich um und verſetzte: Luiſe!

Jetzt trat aber der Vater herzu und umfaßte die Kleinen,

Drückte ſie warm an die Bruüͤſt, und ergreifend die zierlichen Händchen,

Zog er zur Mutter das Paar, und empor auf dem Arme ſie hebend,

Preßte den Ruf aus der wogenden Bruſt der ſelige Vater:

Mutter! Das iſt Dein Glück! Nimm hin! Ich kann's nicht ertragen.

Aber die Glückliche nahm aus dem Arm ihm die blühenden Kinder,

Zog ſie feſt an das Herz und küſte den Kleinen das Antliz,

Die liebkoſend und ſchmeichelnd ſich ſchmiegeten, ſüße Mama! ei!

Riefen, indeß mit den Händchen ſie ſtreichelten Mütterchens Wangen.

Aber inzwiſchen ſchauten die älteren Kinder und Arnold

Stumm und gerührt auf die Eltern, die glücklichen. Eben ſo hatten Früher die Eltern ſie ſelber geherzt voll ſeliger Wehmuth.

Und es ergoß wie ein Strom ſich dahin der Jugend Erinn'rung.

Chriſtabend. Feſtidyll von Friedrich Dörr.

Vetter vom Wald indeſſen, der ſchelmiſche, hatte mit Umſicht

Anderes klar durchſchaut. Er trat in die hinterſte Laube,

Welche die Thür umgab, durch welche beim paſſenden Zeitpunkt

Sollt eintreten der Sohn zum Entzücken der biederen Eltern.

Aber der Vetter gedachte mit Recht ſelbſt eigener Jugend,

Wie voreilig er ſtets und unbeſonnen gehandelt.

Und ſo berechnete jetzt der Pfiffige: Hört der Verſteckte

Jetzt die Stimme der Eltern, ſo kommt er mir ohne Beſinnen

Plötzlich hervor, verdirbt mir den Spaß und erſchrecket die Eltern.

Setz ich mich drum vor die Thür in den Lehnſtuhl, daß er mit

nichten

Sauſ ins Gemach hinein! Und zu Barbara ſprach er gewendet:

Bleib' Du draußen, mein Kind, ſonſt machſt Du mit Deinem Ge⸗ 11 ſchwätze

Aufmerkſam mir die Eltern, die jetzt mich gar nicht bemerken.

Barbara folgte dem Wort. Kaum hatte ſich aber der Vetter Niedergeſetzt in den Stuhl, als von Innen der feurige Jüngling Naſch an den Thürgriff faßte, mit Macht, doch hielt ihn der Kluge. Still! Gut Ding will Weile, ſo flüſterte leiſe der Vetter; Immer gemach! und er lehnte mit Macht ſich gegen die Thür an.

Jetzt trat wieder der Vater gefaßt zur glücklichen Mutter, Nahm aus dem Arm ihr die Kleinen und ſprach uit Wärme zur attin: So, jetzt haſt Du genug! Nun wollen wir aber doch näher Sehen, was eigentlich uns beſcheret das gütige Chriſtkind. Mutter, Du nimm Luischen und führe ſie, denn wie geblendet Haben die Lichter das Kind, und ſie kann den eigenen Namen Niemals finden heraus, ſelbſt wenn ſie ſchon leſen gelernet. Alſo ſcherzte der Vater und führt an der Rechten den Knaben, Welcher ſich ängſtlich faſt und befangen die Wunder beſchaute, In die geräumige Laube, die goldengemalet die Inſchrift Ueber dem Eingang trug: Für den guten und artigen Guſtav!

Aber der Knabe vernahm kaum noch die Worte des Vaters:

Was darinnen, iſt Dein! Da hüpfte mit lautem Gejauchze

Er an dem Vater empor, und als dieſer ſich bückte zum Kuſſe, Strich liebkoſend der Frohe dem guten Papa mit der kleinen Hand die gebotene Wang' und rief mit kindlicher Freude:

Vater, Du biſt ſo gut! Das Pferd, das ich neulich in Schleswig Sah vor des Kaufmanns Thür und das mir gefiel ſo beſonders, Haſt Du gekauft? Hab' Dank, herzinnigen Dank, mein Papachen! O, wie prächtig Du biſt, mein Pferd! Ja, Vater, das will ich Fritz benennen, ſo wie den Lieblingsſchimmel der Vetter

Heißt. Auch darf ich ja wohl es täglich füttern mit Hafer?

Und welch' ſaubres Geſchirr und dazu die niedliche Peitſche! Wenn Du nur gut ſein willſt, mein Fritz, erhältſt Du auch niemals Schläge von meiner Hand! So redete theils zu dem Vater, Theils zu dem Pferde gewandt, der entzückt aufjauchzende Guſtav. Dann vom Vater ermahnt, betrachtete, immer noch redend

Eifrig und laut, neugierig das Kind die andern Geſchenke, Seinen befiederten Helm und den glänzenden, pappernen Harniſch, Noahskaſten und Bilder und jubelte immer aufs neue.

Hinter dem Vater ſtanden die Jungfraun, aber die Mutter Trat zu den Beiden hinan und ſprach: So gehet und ſuchet, Ob auch Euer gedachte das Chriſtkind, was ich doch hoffe! Dann ergriff ſie den Arm des Gemahls und bedeutete leiſe Ihn, in die Laube zu ſchaunder artigen, guten Luiſe.

Halle, Verlag von Eduard Anton. 1856.

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