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Novellen er in der geſetzgebenden Verſammlung ſprach, konnte man auf einen energiſchen Charakter Saint⸗Arnaud's ſchließen.
„Wenn Du einen kleinen Zahn haſt,“ ſagt ein ara⸗ biſches Sprichwort,„ſo bewahre in ihm das Gift der Schlange. Denn ob der Tod durch Gift oder durch Ge⸗ walt herbeigeführt wird, der Tod bleibt der Tod, da es nur einen einzigen gibt.“ Dieſes arabiſche Sprichwort wurde der Wahlſpruch des General Canrobert. Uner⸗ wartet und kräftig ſchlagen, ſich vervielfältigen, indem man überall iſt; immer die beſten militäriſchen Poſitionen wählen, die das Land dominiren, und ſo die empörten Volksſtämme wieder unter das franzöſiſche Joch bringen; durch Energie und Thätigkeit die Truppenanzahl verſtärken: das war die Kriegsregel des General Canrobert.
Canrobert zeichnet ſich durch ſeine außerordentliche Geiſtesgegenwart in den gefahrvollſten Augenblicken aus. Folgende Thatſache wird dies beweiſen. Im Jahre 1848 marſchirte er als Oberſt der Zuaven zur Belagerung von Zatcha. Die Cholera wüthete in ſeiner Colonne und forderte während des Marſches zahlreiche Opfer. Die Truppen konnten nur mit großer Mühe ihren Marſch fort⸗ ſetzen, und die Laſtthiere waren mit Sterbenden überladen. In dem Augenblicke, wo eine ſchwierige Wegſtelle zu paſ⸗ ſiren iſt, erhält Canrobert die Meldung, daß der Feind ſich nähere, um ihn anzugreifen. Es war um jeden Preis nothwendig, den Kampf zu vermeiden, da keine Transport⸗ mittel für die Verwundeten verwendbar waren. Der Oberſt trifft ſeine Dispoſitionen zum Gefechte, geht hierauf ganz allein mit der größten Unerſchrockenheit bis auf die größte Nähe an den feindlichen Nomadenſtamm heran und ruft ihm zu:„Ihr Araber, Euch thue ich zu wiſſen, daß ich die Peſt mitführe; wenn Ihr mich mit meinen Truppen nicht paſſiren laſſen wollet, ſo werde ich die Peſt auf Euch werfen!“
Die Araber, die bereits ſeit mehreren Tagen der fran⸗ zöſiſchen Colonne gefolgt waren und überall die friſchen
Zeitung.
Spuren der für die Verſtorbenen gemachten Gräber gefun⸗ den hatten, wurden durch dieſe Worte in Schrecken geſetzt, wagten nicht anzugreifen und ließen die Colonne Canrobert's ungehindert weiter ziehen. Bei der Belagerung von Zatcha ſagte der General Canrobert zu ſeinen Zuaven:„Wir müſſen unbedingt jene Mauern erſteigen, und wenn das Signal zum Rückzuge gegeben wird, dann, Zuaven, erinnert Euch wohl, daß dieſes Signal Euch Nichts angeht.“
Es würde zu weit führen, aller jener berühmten Thaten zu gedenken, o die Franzoſen in Afrika ausgeführt haben. Es i.„Pon genug erzählt worden, um zu be⸗ weiſen, daß de. Krieg in Algerien für Frankreich eine militäriſche Paläſtra war, wo die Schwachen ſtark, die Tüchtigen noch beſſer und aus den Tapferen die Tapferſten wurden; es war ein Sammelplatz vortrefflicher Officiere, achtbarer Soldaten und junger, kühner und intelligenter Generale.
Eines Abends erzählte ein Araber unter dem Zelte des Kaid Mohammed, vom Stamme der Harars, in Ge⸗ genwart von Franzoſen und Arabern eine Kriegsgeſchichte, in welcher brave Soldaten durch die ſchlechte Führung ihres Commandanten geſchlagen worden waren. Der Erzähler ſchloß dieſe Geſchichte mit folgender Moral:„Es iſt beſſer, ein Trupp Hirſche wird von einem Löwen commandirt, als ein Trupp Löwen von einem Hirſche. Was Euch betrifft,n fügte er hinzu, indem er ſich gegen die Franzoſen wendete, „ſo werden in ſpäteren Zeiten die Väter ihren Kindern die Geſchichte Eurer Thaten in Algerien erzählen, ſie werden ſagen: der Sieg folgte ihren Schritten, denn Löwentruppen wurden von Löwen geführt.“
darzulegen, wird nachgewieſen, daß vom Januar bis März 1856 im Ganzen nur 9,152 Köpfe anlangten, gegen 15,677 in derſelben Zeit des Jahres 1855.
Mannigfaltiges.
Der berühmte Redner Erskine beſuchte eines Morgens den eigenſinnigen Advocaten Valſour, der wegen ſeines geſchraubten Stils und hochgelahrter Ausdrücke unter den Juriſten zum Sprichworte geworden war. Er lag auf dem Sopha mit ver⸗ bundenem Fuß.„Was iſt Ihnen begegnet?“ fragte Erskine.— „Luſtwandelnd in meines Bruders Garten,“ apoſtrophirte Val⸗ ſour,„wollte ich ein Thor, ein verſchloſſenes, umgehen, ſprang über die dornige Hecke blühenden Schleh’s, in den Graben, den tiefen, worin der Silberquell rauſchet, breche die Glieder des Beins und ſchauerlich lieg' ich nun da.“—„Nun danken Sie dem
Himmel,“ entgegnete Erskine,„daß die Hecke nicht ſo erhaben
war, wie Ihre Worte und der Graben nicht ſo tief, wie deren Sinn, Sie hätten ſonſt gewiß den Hals, den ſtarren, gebrochen.“
Der bekannte Theolog Chriſtian Scrivo Strafpredigt über verſchiedene zu ſeiner Zeit und ſagte unter Anderem:„Man höre doch an, m und Feiertagen in den Schenken und Krügen dahe und überfüllet man ſich mit dem und jenem Getr man immer mehr ſaufen könne, macht man dey mauer und zündet dem Teufel ein Rauchwerk Das fürſtl. Braunſchweigiſche Conſiſtorium z2
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noch im Jahre 1723 ein Decret an die ſämmtlichen Superinten⸗ denten, die Pfarrer zu warnen, ſich vor allem überflüſſigen und einem Geiſtlichen überhaupt unanſtändigen Tabakrauchen zu hüten.— Der alte Theolog und Kanzler Jäger zu Tübingen predigte noch in den erſten Jahren des achtzehnten Jahrhunderts: „Sie ſaufen, ſie freſſen, ſie rauchen ſogar Tabak.“
Der berühmte franzöſiſche Marſchall von Ranzau, Gouverneur von Dünkirchen, welcher den 4. September 1650 ſtarb, hatte in den damaligen Kriegen ſo viele Wunden erhalten, daß er bei ſeinem Tode nur ein Auge, ein Ohr, einen Arm und ein Bein beſaß.
Als Fontenelle im hohen Alter das Geſicht und Gehör verloren hatte, ſagte er einſt:„Ich ſchicke bei bevorſtehenden Reiſen immer meine nöthigſten Sachen voraus.“
Ludwig XIII. ſpielte an einem Cour⸗Abende Whiſt. Einer der Mitſpieler bemerkte höflichſt, daß Se. Majeſtät nicht zweck⸗ mäßig invitirt hätten. Der Monarch, dieſes nicht zugeſtehend, ereiferte ſich für ſeine Meinung. Die umſtehenden Hofleute ſchwiegen ehrfurchtsvoll. Nun trat der Fürſt Talleyrand in den Saal, der König rief ihm zu:„Fürſt, Sie ſollen entſcheiden, wer Recht oder Unrecht hat.“—„Sie erlauben mir zu ſagen: Sie haben Unrecht.“„Mein Himmel,“ erwiderte der König, „Sie entſcheiden, ohne etwas von der Sache zu wiſſen.“ Der Fürſt entgegnete:„Hätten Ew. Majeſtät Recht gehabt, ſo würden
die Cavaliere nicht geſchwiegen haben.“
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