Jahrgang 
1865
Seite
711
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reden. Nun ertönt aber auf einmal Schlittengeſchell auf dem Hofe, vor dem Verwaltershauſe hält ein Schlitten, Hunde bellen. Die Spinnräder ſchnurren heftiger, die Mädchen ſehen einander an und geben ſich Winke, einige werden roth. Sie wiſſen, wer der Ankömm⸗ ling iſt und was das zu bedeuten hat. Es iſt nemlich der ſtattliche Fiſcher Waſſili, welcher als Brautwerber kömmt für ſeinen Vetter Kusma, den Kutſcher. Denn es iſt ja die fröhliche Zeit nach Neujahr vor den Faſten, wo es von Brautwerbern wimmelt, nachdem in den heiligen Nächten nach dem Weihnachtsfeſte die zuſammengehörigen Herzen durch allerlei Orakel ihrer Sache gewiß geworden ſind. Der hohe Beſuch bei den Mädchen läßt ſich aber nicht ſtören, und die be⸗ gleitende Aufſeherin muß fortwährend über Wohlverhalten einzelner ſehr genaue Auskunft geben. Nach einer Viertelſtunde aber fragt die Herrin ganz gleichmüthig, wer wohl drüben angekommen ſei. Waſſili Andreitſch iſt's, Mütterchen, ſagt die Aufſeherin mit be⸗ deutſamem Blick,er wird wohl auch zu Dir wollen.Nun, ſo ſchicke nur hinüber, Tatiana Platonowna, und laß ihm ſagen, er werde mich hier treffen. Gut, in kurzem hört man den männ⸗ lichen Schritt Waſſilis im Vorhauſe. Hier hält er an, ſchnauzt ſich ſehr hörbar und kratzt dann mit dem Baſtſchuh auf dem Boden. Dann öffnet er die Thür, tritt herein mit vom Froſt gerötheten

Geſicht, in ſeinem langen Kaftan mit buntem Gürtel, bekreuzt und

verneigt ſich vor dem heiligen Bilde in der Ecke und verbeugt ſich dann tief vor ſeiner gnädigen Frau.Guten Tag, Waſſili Andrejew! ſagt ſie.Gegrüßt ſei Eure Herrlichkeit, Katharina Petrowna, ſagt er.

Bei dem nun folgenden Zwiegeſpräch muß man zwiſchen den Zeilen leſen; jede, auch die ſcheinbar gleichgültige Rede hat eine tiefere Beziehung. Zu Freiern wählt man wohl überall gern gewandte und der Rede kundige Diplomaten; die gnädige Frau iſt aber dem Fiſcher wohl gewachſen. Sie wußte längſt von der Sache und hatte darüber mit dem Verwalter berathen. Die Miene des ſonſt immer heitern und jovialen Waſſili, welcher vom Verwalter herüberkam, zeigte von dort her einen kleinen Schatten, welcher nicht verſchwand, als die edle Dame anhob:

Es ſind wohl auf dem Wege viele Uchabüi(ausgefahrene Stellen, wo der Schlitten ſtößt)? Der Wind geht Euch entgegen, Waſſili!

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Das Wetter und das Geſchäft fragen nicht nach einander, Eure Herrlichkeit.

Ein gewöhnliches Frauenzimmer wäre in die Falle gegangen und hätte gefragt: was für ein Geſchäft? Allein die Herrin war klug und fragte blos:Wie geht es der Akulina Dmitriewna und den Kinderchen?

Der Fiſcher gibt nun eifrig Auskunft über Weib und Kind, und über ſeine ganze Verwandtſchaft dazu, blos um auf ſeinen Schütz⸗ ling zu kommen, der draußen bei den Pferden ſteht und friert. Alle⸗ Mädchen begreifen das und der jüngſten eine ſogar wird röther als alle andern; nur die Gebieterin ſcheint an dem Vetter Kusma, dem Kutſcher, kein Intereſſe zu nehmen.

Du willſt wohl nach der Wolga fahren und Fiſche holen, Waſſili?

Nein, gnädige Frau, brach Waſſili aus,nach Fiſchen fahr ich nicht; ich ſuche eine Kuh für einen Stall!

Diplomatiſcher Knalleffect. Zarter und ſinniger konnte das Anliegen nicht an den Tag gebracht werden. Die vorher ſchon röth⸗ lichen Mädchengeſichter erglühten jetzt, und die arme Ewdokia zeigte eine noch nicht dageweſene Nüance von Purpur. Die Augen gingen ihr über. Beim Stall denkt man nebenbei an den Kutſcher, und die Kuh bezeichnet ſymboliſch, aber klar, die Lebensgefährtin des civiliſir⸗ ten Menſchen, der einen Hausſtand gründen will.

Es iſt keine Kuh, Waſſili Andrejew, lächelte die Fürſtin. Es iſt noch ein Kälbchen, das ſoll dieſen Sommer noch auf die Weide gehen und nicht in einen Stall kommen.

Nun wußte man, woran man war. Die Conferenz ward auf⸗ gehoben, weitere Punkte wurden nicht beſprochen.

Aber ein Jahr ſpäter war der Berichterſtatter doch auf der Hochzeit Kusmas und Ewdokias. Und die Brautjungern ſangen in ſchneidendem Discant ein ſelbſtgemachtes Lied von der rothen Kuh und vom grünen Gras, und wie des Doctors Kutſcher nach der Kuh geſehen habe, und der Doctor nach den grünen Kräutern. Und noch ein Jahr ſpäter bekam mein Kusma einen ſilbernen Rubel vom Fürſten, weil er einen Buben bekommen hatte.

Am Jamilientiſche

Ein Gang durch die Werkſtätten des Daheim.

Aus dem Tagebuche des Redacteurs. Es iſt ſieben Uhr Morgens. Vor einem mit Papieren und Büchern bedeckten Tiſche ſitzt der Redacteur und lieſt Fahnen. Das ſind, meine liebe Leſerin, keine ſchwarzweiße, noch weniger ſchwarzrothgoldene Kriegs⸗ und Siegeszeichen, ſondern ſchlichte lange Papierſtreifen, mit dem erſten Abzuge des geſetzten Manuſcripts be⸗ deckt. Seit einer Stunde hat er ſich ſchon mit ſo manchem rebelliſchen Buchſtaben oder Worte herumgequält auch manche Satzbildung hat noch ſeine nachhelfende Hand erfordert weißſchwarz-⸗roth(oder auch blau, je nach der Tinte, die gerade gebraucht iſt) liegen die Fahnen vor ihm. Da klopft es.

Herein! Ei guten Morgen, Herr Grimmer!

Guten Morgen, Herr Doctor, ſagt der Angeredete, der niemand an⸗ ders, als unſer höchſtehrenwerther metteur en pages(man könnte das Seitenumbrecher verdeutſchen) iſt.Hier bringe ich Ihnen Nr. 46, der erſte Bogen iſt fertig umbrochen, aber den zweiten Bogen habe ich nicht fertig machen können.

Was gibt's denn damit wieder?

Ja ſehen Sie, wenn derTabak ſo weit hinein ſoll, wie Sie be ſtimmt haben, und dazu der ganze Schluß der Baſtille, ſo iſt kein Platz mehr für das Menagerieſchiff und den Briefkaſten.

Der muß aber hinein er wartet ſchon ſeit zwei Nummern auf Aufnahme.

Dann müſſen Sie aus der Baſtille etwas ſtreichen. Ueberhaupt, wenn das Blatt aus den Akten der Baſtille in den Text kommen ſoll, weiß ich nicht, wie ich das erſte Bild in die Mitte bringen ſoll.

Dann ſetzen Sie das Aktenſtück unten hin als Anmerkung. Das wird ebenſo gut ausſehen. Wie viel muß dann noch geſtrichen werden?

Noch etwa 56 Zeilen.

Armer Hiltl! Aber das Opfer muß gebracht werden. Leſer liebt die vielen Fortſetzungen nicht überdem kann man um 56 len keine Fortſetzung machen, und aus dem erſten 1 gens läßt ſich auch nichts mehr auf die nächſte Nummer verſchieben, ohne den Sinn zu ſtören....

Das nicht ganz leichte Werk der Streichung iſt geſchehen; Herr Grimmer

Der geehrte Zei⸗

wenn es in der wohlgemeinten Länge ſeines urſprünglichen Zuſtandes ver⸗ bleiben ſollte. Erwägungen anderer Art kommen hinzu.

In Nr. 49 kommt alſo das unterirdiſche Berlin? ſagt der College zum Redacteur.

Ja, ſo war es ja beſtimmt, und wir haben es überdem angekündigt. Aber einmal iſt doch Berlin ſchon ſehr vielfach berückſichtigt worden in Nr. 47 kommt ja die Berliner Thierarzneiſchule dagegen ſind andere Gegenſtände ziemlich in Vergeſſenheit gerathen. Von denBildern aus dem Alterthum ſind wir bei Nr. I. ſtehen geblieben, da gehört nothwen⸗ digerweiſe Nr. II. hinzu.

Gut, ſo nehmen wir das hinein.

Dieſes Zwiegeſpräch hat im Redactionsbureau ſtattgefunden, wohin der Redacteur im Laufe des Vormittags ſich begeben. Eine Menge Briefe, Päckchen und Packete erwarten ihn dort.

Der Leſer meint, es müſſe eine recht intereſſante Beſchäftigung ſein, das alles zu eröffnen. Werfen Sie mit mir einen Blick auf dieſe Arbeit.

Da gibt es Briefe mit allerhand komiſchen Geſuchen. Ein Berliner Autor wünſcht von dem Redacteur eine Bevollmächtigung zur Abfaſſung von Theaterberichten fürs Daheim, auf welche hin er dann von der Direktion ein Freibillet erhalten würde. Verſchiedene Unterſtützungsbedürftige wünſchen für unſer Blatt Ueberſetzungen von Romanen zu liefern, ſenden ſogar Pro⸗ ben ein, mit deren einer wir ein halbes Jahr unſer Blatt überreichlich ver⸗ ſorgen könnten.

Jemand anders verlangt in einem langen Aufſatze mit der feierlichen Ueberſchrift:Was iſt Wahrheit?(wir citiren wörtlich)daß ſtets dafür geſorgt werde, erkennen zu konnen, welcher Aufſatz in das Gebiet der Wahrheitundwelcher in das der Dichtung gehöre? Dem geehrten Einſender dieſer gewiß aus beſter Abſicht geſchehenen Bitte hier bei⸗

läufig zur Nachricht, daß der AufſatzIm Adlerhorſt durchaus auf That⸗

Artikel des zweiten Bo⸗

empfiehlt ſich, um das noch ſchwierigere der Correctur im Satze zu beſorgen.

Gott ſei Dank! ruft der Redacteur,wieder eine Nummer fertig.

Iſt ſie wirklich fertig? Wir werden es gleich nachher ſeben.. Nun werden Manuſecripte für die nächſte Nummer zugerüſtet viele

erfordern den ergänzenden, feilenden oder ausmerzenden Rothſtift des Re⸗

dacteurs gar manches Manuſcript würde für immer zurückbleiben müſſen,

V

ſachen beruht. Eine ehrſame Nähterin aus dem Canton Solothurn beehrt uns mit folgendem Schreiben: Tit. Redaction!

Anmit zeig ich Ihnen an, daß Sie die ZeitſchriftDaheim mir nicht mehr ſenden ſollen, anſonſt ich es zu jeder Zeit ſicher reviſieren werde. Ich denke, Sie werden gehorchen. Doch muß ich meine Befriedigung aus⸗ ſprechen; würde ich nicht verreiſen, würde ich nie zu dieſem Entſchluß ge⸗ kommen ſein. Wenn ich es dann wieder verlange, werde ich ſchreiben. Schicken Sie es, bevor ich dann wieder ſchreibe nur gar nicht. Gruß!

Jungfr. R., Näherin. N. S. Wenn Sie mir ſchreiben könnten, wo derjenige iſt, bei dem ich ſolches abonnirt habe, würde es mich ſehr freuen.