Jahrgang 
1865
Seite
477
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Ein deutſches Familienblatt mit Illuſtrationen.

Erſcheint wöchentlich und iſt durch alle Buchhandlungen und Poſtämter vierteljährlich für 15 Sgr. zu beziehen.

1865.

Ausgegeben im Mni 1865. Ber Jahrgang läuft vom October 1863 bis dahin 1865.

Kann im Wege des Buchhandels auch in Monatsheften bezogen werden.

N⁴ö 33.

Die Mordnacht von Haidelliſt.

Aus der Geſchichte einer ausgeſtorbenen Familie mitgetheilt von George Heſekiel.

I. Haidelliſt und Monorgueil. Ueber die Berge, über die Bäume, Schwebt des Mondes goldner Flimmer, Durch den Wald ſenkt ſich der Schimmer, Drin erwachen zarte Träume. Geiſter ſchweifen ſacht Durch die grüne Nacht Im Walde. Ludwig Tieck.

In einem ſtillen Winkel des alten Landes Churmark Branden⸗ burg, den auch Fontanes Fuß noch nicht betreten, den der poetiſche Wandersmann von Neu⸗Ruppin der Welt noch nicht geſchildert mit ſeiner in dieſem Bereich unübertroffenen Meiſterſchaft, liegt ein altes Schloß, ein ziemlich umfangreicher Backſteinbau, den wir Haus Haidelliſt nennen wollen. Das Schloß heißt in Wirklichkeit etwas anders, aber wir haben Gründe, den wahren Namen zu verſchweigen, denn iſt auch jene ſtolze Sippe, welche ein halb Jahrtauſend hin⸗ durch in jenen braunen Mauern hauſte und gleichen Namen mit ihnen trug, im Mannsſtamme ausgegangen und erloſchen im Lande, ſo leben doch noch zwei edle Frauen, die das Wappen der alten Herren von Haidelliſt neben den Schilden ihrer Gemahle führen, wenn ſie auch den Namen ihrer Väter mit andern nicht minder achtungswerthen vertauſcht haben vor dem Altar.

Wer Haus Haidelliſt geſehen hat, der hat auch ein ſchönes und üächtes Stück der Mark Brandenburg geſehen, denn gerade in ihre ſtillen und ſtillſten Winkel hinein flüchtet die Mark gern, was ſie an Beſonderheit und Eigenthümlichkeit beſitzt. Das aber iſt ein ächt brandenburgiſcher Zug; in andern Ländern ſpringt uns das Charak⸗ teriſtiſche, das Beſondere, von ſelbſt in die Augen, hier müſſen wir's oft mühſam genug ſuchen und können froh ſein, wenn wir's überhaupt nur finden es iſt da, aber man muß es zu finden wiſſen. Wer nun das alte Haus Haidelliſt mit dem vollen Reiz ſeiner eigenthümlichen Schönheit auf ſich wirken laſſen will, wer den Anblick einer märkiſchen Landſchaft in ihrem ganzen Zauber haben möchte, der muß auf jenen Hügel treten, dort, wo die drei jungen Eichen um die kleine Sandſteinpyramide ſtehen, und zwar

an einem heißen Sommertage, wenn's drüben im Dorfe Mittag läutet, oder in einer Herbſtnacht, wenn der Sturm aus Nordweſt über das Luch ſauſt.

Als wir zum erſten Male Haus Haidelliſt ſahen, da ſtand die glühende Sonne ſcheitelrecht, da blickten wir von den drei Eichen aus hinein in das eigenthümliche Thal, oder beſſer in die flache Ein buchtung, in deren Mitte der alte Backſteinbau liegt, und alles war reich vergoldet darin. Vergoldet war der dunkle Rahmen, den die alten mächtigen Kiefern der Haide ringsum bildeten, goldgerändert waren die Blätterkronen der Erlen und Birken in dem Luch zur Linken des Schloſſes, goldig blitzten die einzelnen kleinen Waſſer⸗ ſpiegel und wie mit Goldſand beſtreut erſchienen die tiefausgefahrenen Gleiſe des Sandweges, der von dem ſchmalen Knüppeldamm im weiten Bogen herumführt zum Schloß, deſſen Fenſter uns blendend entgegenflimmerten. Dazu lag eine tiefe Stille auf der Landſchaft;

man ſah keinen Menſchen, kein Vieh, hoch drüber aber wiegte ſich,

ein Raubvogel einſam auf breiter Schwinge, er ſchien ſtille zu ſtehen in der Luft über der verzauberten Haide. Da füllte ſich unſere Seele mit dem würzigen Duft der Kiefern und mit der Stille der märkiſchen Landſchaft und der braunrothe Backſteinbau von Haus Haidelliſt wurde uns für alle Zeit in der Erinnerung ein Wahr⸗ zeichen jeuer ſtillen, einfachen und doch ſo tief ergreifenden Schönheit dieſes Landes.

Und als wir Haus Haidelliſt zum andern Male ſahen, da ſtund der Mond bleich und ſtill über dem Luch, unter ihm her aber fuhr der Herbſtſturm in einzelnen Stößen herein, pfiff ſchrillend über die Blößen und heulte um die braunen Giebel des Schloſſes; er warf ſich auf die Waſſer, daß die Wellen auffuhren und klatſchend an das Röhricht ſchlugen; dort drüben aber aus der Schmiede leuchtete der rothe Glaſt weit in das Dunkel hinein und einzelne Hammer⸗ ſchläge ſchmetterten durch das hohle Brauſen des Windes ans Ohr. Matt, wie das Silber glänzt an Trauerſchilden und Särgen, glänzte der Mondenflimmer an den Thürmen und Giebeln, den Erkern und Fenſtern von Haidelliſt; überall ein faſt geſpenſtig Regen und Be⸗ wegen, ein Tönen und Stöhnen ringsum.