Jahrgang 
1865
Seite
474
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heimlich.

an

Gut, Sie ſollen weiter von mir hören. Die Dame erhob ſich. Die Herzogin neugierig zu erfahren wer die Alte ſei, begleitete ſie aus dem Zimmer, um ihr einen Diener nachzuſenden. Wie groß war aber ihr Erſtaunen, als ſie ihre ſämmtlichen Doneſſtiken, männliche ſowohl als weibliche im tiefſten Schlafe liegend und laut ſchnarchend fand. Die alte Dame wies lächelnd auf die Schläfer und rauſchte zum Hauſe hinaus. Kaum war ſie vor der Thür, als die Gebannten erwachten. Sie hatten nicht das Geringſte vernommen. An der Flatterhaftigkeit der Frau von Monaco ſcheiterte das Experi⸗ ment. Sie hatte in kaum acht Tagen Lauzun vergeſſen, und die Alte fand ſchwerlich ein ſo treuliebendes Herz, als ſie es brauchte, aber ihre Prophezeiung traf ein. Lauzuns Fluchtverſuch ward ent⸗ deckt, ſein Diener gehängt, ein Gensdarme erſchoſſen, er ſelbſt in die Kellergewölbe geſperrt. Ich dächte wohl, man hätte ihn retten können, wäre die geheime Kraft der Alten genützt worden.

Die Geſellſchaft ward nachdenkend. Beſenval hatte mit größter Ruhe geſprochen.Und Sie haben die Dame gekannt? fragte Paul.Gewiß. Viele meinten es ſei die berüchtigte Marion de[Orme, die unter Richelieu eine ſo bedeutende Rolle ſpielte und von der behauptet wird, ſie ſei eine Art ewiger Jude. Nun, fragte die Königin,iſt Ihnen denn außer jener Zeit die räthſelhafte Frau nicht wieder vor Augen gekommen?Doch, Ma⸗ jeſtät.Und wo? fragte der König.

Hier, Majeſtät, ſagte Beſenval plötzlich aufſtehend. Unwill⸗ kührlich ſprangen alle empor.

Hier?In dieſem Zimmer. Es war im Jahre 1739, als ich die Ehre hatte, einem der nächtlichen Soupers Sr. Majeſtät Lud⸗ wigs XV beiwohnen zu dürfen. Als man ſpeiſen wollte, gab der Monarch ein Zeichen und aus der Vertiefung ſtieg die wohlbeſetzte Tafel empor. Sehen Sie, hier war es. Er deutete auf den Fuß⸗ boden und man ſah genau die Fugen einer Verſenkung. Es war die Maſchinerie zu jenem berüchtigten Tiſche, den Loriot erfunden hatte und der aus der Tiefe heraufſtieg, wenn König Ludwig XV mit ſeiner nächtlichen Geſellſchaft ohne Zeugen ſpeiſen wollte. Die Kö⸗ nigin ward verlegen und blickte den Großfürſten verſtohlen an.Hier alſo ſahen Sie die Dame wieder?Ja, Herr Graf. Sie ſtieg mit dem Tiſche zugleich herauf und rief: Wehe! Niemand wagte ſie an⸗ zutaſten und ſie verließ das Gemach durch jene Thüre dort. Als wir zur Beſinnung kamen, wußte keiner der Anweſenden, wo ſie ge⸗ blieben. Alle Nachforſchungen waren vergeblich. Wahrſcheinlich hatte ſie die Dienerſchaft eingeſchläfert.

Beſenvals Erzählung machte den Aufenthalt im Eßſaale un⸗ Die Blicke der Geſellſchaft hafteten fortwährend auf der Verſenkung, durch welche der Tiſch heraufgeſtiegen war.

Die Königin bemühte ſich, durch heitre Scherze die Unterhal⸗ tung wieder in Gang zu bringen.Eigentlich, lachte ſie,iſt es recht zu bedauern, daß die geheimnißvolle Kraft nicht erblich gemacht werden kann. Man könnte ſich viele langweilige Menſchen dadurch entfernt halten oder ihnen ein Vergnügen bereiten. Meinen Sie nicht, Beſenval?Und wer ſagt Ew. Majeſtät ſo gewiß, daß dieſe Kraft ſich nicht vererbt habe? fragte dieſer dagegen.Sie halten es für möglich?Wenn einem Weſen ſolche Macht innewohnte, weshalb ſoll ein zweites nicht damit begabt werden können? Ich halte es für möglich. Wer ſteht Ihnen gut dafür, daß die Frau Caumont de Brion nicht in der nächſten Minute durch jene Thüre ins Zimmer tritt! Betroffen ſah alles nach der bezeichneten Stelle. Beſenval lachte.Es wird nicht ſein, beſchwichtigte er.Aber es gibt doch wohl Menſchen, denen keine Pforte widerſteht.

Ja, die Cartouches, rief der König. Man lachte.An andere Geiſter werden die Herrn Voltairianer unſrer Zeit doch wohl nicht glauben.Nein, Sire, warf Graf Adhemar leicht hin. Der Myſticismus liegt in der heutigen Luft.Vielleicht iſt es eine Gewitterſchwüle, ſeufzte der König.

Man ſprach noch viel über das angeregte Thema. Als aber die Uhren Mitternacht ſchlugen, rollten die letzten Wagen der Gäſte durch die Alleen von Trianon. Das war Hausregel. Um 12 Uhr Nachts war es ſtill im Schlößchen, wenn nicht beſondere Feſte die Geladenen länger beiſammen hielten, oder der König mitten in einer Partie Billard begriffen war.

Die majeſtätiſche Stille der Nacht, die Wärme, das volle Mondlicht, deſſen Strahlen durch die Zweige des prachtvollen Gartens fielen und phantaſtiſche Schatten auf den Erdboden zeichneten die

Aufregung der Geſellſchaft dies alles bewog die Königin der Prinzeſſin von Lamballe zuzuflüſtern:Kommen Sie, Louiſe! die Nacht iſt wunderſchön. Machen wir noch einen Gang durch den Park. Die Bertin mußte Shawls herbeibringen, die Damen drückten die Hüte auf ihre Locken und ſtiegen die Treppe hinab, welche vom Schloſſe in den ſogenannten franzöſiſchen Garten führte. Sie athmete hoch auf.Wie reizend iſt dieſe Nacht, ſagte die Prinzeſſin ſich an einer kleinen Quelle niederlaſſend, die aus der Urne eines marmornen Flußgottes hervorſprudelte und im Mondlichte wie aus tauſenden von Funken zuſammengeſetzt ſchien.Die Hitze im Salon war erſtickend, ſeufzte Maria Antoinette ſich ebenfalls ſetzend. Stieg mir das Blut zu Kopfe, als Beſenval ſeine wunderliche Geſchichte erzählte, oder war es das Feuer der Unterhaltung genug ich ſehnte den Augenblick herbei, wo ich ins Freie konnte. Sie reichte der Prinzeſſin den Arm, beide Damen verſchwanden in der Cypreſſenallee, welche auch hin und wieder durch langäſtige Weimuthsfichten beſtanden war. Sie gingen bis zu der engliſchen Anlage, hier überſchritten ſie eine kleine Brücke, ihre zarten, ſchlanken Geſtalten glichen den Lichtelfen, die der Mondſchein zum Tanze lockt. Sie lehnten über das Geländer und die Königin warf kleine Steinchen in die Flut und erfreute ſich an den blitzenden Ringen, die immer weiter und weiter ſich ausdehnten, bis ſie zuletzt in nichts verſchwam⸗ men. Waſſermücken tanzten wie kleine Sprühfunken auf der Fläche, Nachtfalter ſchwirrten und aus der Ferne ließ ſich, vermiſcht mit dem Zirpen der Grillen, der leiſe Klang einer Zither vernehmen. Die Königin ſchwelgte in dem Genuſſe dieſer ſtillen Reize der Natur. Die Nachtpromenaden waren ihre Leidenſchaft. Ihnen verdankte ſie manche boshafte Nachrede; viele Gerüchte ſuchten in dieſer Lieb⸗ haberei einen Stützpunkt zu finden. Nachdem die Damen eine Zeit⸗ lang das ſtille Mondſcheinbild betrachtet hatten, lenkten ſie ihre Schritte zur Grotte. Dieſer Platz war mit Cascaden, Statuetten und Pflanzen geſchmückt, hohe Tropfſteinfelſen bildeten eine künſtlich geformte Höhle.

Setzen wir uns hier einen Augenblick, ſagte Maria Antoi⸗ nette.Das Geplätſcher des Waſſers hört ſich gar zu reizend an. Es iſt ein wenig dunkel und kühl, wendete die Prinzeſſin ein. Die Grotte iſt ſchöner am Tage. Ich habe ein Gefühl der Unbe⸗ haglichkeit und leichte Schauer überkommen mich.Närrchen, lachte die Königin,ſollten Sie etwa die alte Dame Beſenvals in der Nähe wittern?

Nicht doch, theure Antoinette, aberAber pah. Gut, wenn Sie nicht in die Grotte gehen wollen, ſo ſetzen wir uns vor dieſelbe, dorthin an den Rand des Bowling⸗green neben eine meiner ſchönen Poſtamentfiguren von Bouchardon. Sie gingen auf die Statue zu. Plötzlich blieben beide ſtehen.Was war das? fragte die Königin.Bemerkten Sie es auch, Antoinette?Der Schatten der Figur bewegte ſich lebhaft.Still, laſſen Sie uns ruhig betrachten. Wir ſind wohl aufgeregt. Der alberne Beſenval mit ſeinen Märchen.Nein ſehen Sie da es bewegt ſich wieder, der Schatten wird länger.

Während die Damen ängſtlich, geſpannt auf die Stelle blickend, furchtſam nicht weiter zu ſchreiten wagten, trat hinter dem Poſta⸗ mente eine dunkle Geſtalt hervor. Sie war von hohem Wuchſe, hatte eine ſchwarze Kapuze über den Kopf gezogen, mit langen ge⸗ ſpenſtiſchen Schritten näherte ſie ſich den Damen, welche feſt zu⸗ ſammenrückten. Das Mondlicht verlängerte die Dimenſionen, die Abgelegenheit des Ortes, das unerklärliche Gebahren des nächtlichen Wanderes machten einen furchterweckenden Eindruck auf die Prin⸗ zeſſin.Es iſt ein Geſpenſt aus den Zeiten des alten Hofes. Laſſen Sie uns beten! flüſterte ſie.

Immer näher kam die Geſtalt.Es iſt Einer, dem kein Riegel widerſteht, Antoinette. Ein furchtbares Weſen. Die Geſtalt ſtand ſtille. Ein leiſes Räuspern ertönte.Ah, ſagte die Königin. Hören Sie? es iſt ein Menſch.Ich bin Königin von Frank⸗ reich, haben Sie keine Furcht. Wer ſind Sie, daß Sie es wagen, nächtlicher Weile die Gärten der Königin zu durchſchleichen? rief Maria Antoinette einen Schritt vortretend.Majeſtät, rief die Geſtalt leiſe.Antwort! Menſch. wollen Sie rauben? ſchonen Sie meine Blumen, hier habe ich kein Geld. Kommen Sie morgen Nacht hieher, dort unter der Statue ſollen Sie eine volle Börſe fin⸗ den. Aber kaum hatte die Königin dieſe Worte geſprochen, ſo that die Geſtalt einen gewaltigen Sprung. Laut auf ſchrien die Damen,

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