Jahrgang 
1865
Seite
198
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glänzten roth wie die Blumen, und ſtolz vor den Alten erhub ſeine Augen, wer dem Winterwinde am längſten trotzte. Wieder hinein dann huſchte in die Hütten die nackte Horde, und wieder lag ich vor der düſtern Glut und ſtarrte und ſtaunte hinein in das Wunder.

Lange währte der Winter, länger der Sommer. Da ſtanden geöffnet die Hütten alle. Männer und Weiber mit dampfenden Pfeifen gingen von dannen und kehrten wieder. Wohin ſie gingen? Ich fragte ſie nicht, denn nie verließ uns die Mahamadri. Oft auch ſaßen vor ihren Hütten die braunen Männer und ſchnitzten mit Meſſern Spindeln und Rocken, Becher und Schüſſeln und andres Geräth; und ſie trugen's von dannen. Wer wußte, wohin? Oft ſaßen ſie auch, hier einer, da einer, einſam und ernſt unter den Eichen mit dampfenden Pfeifen, vor ſich hinausſtarrend ſtundenlang. Was ſie ſchauten und ſannen, wer will es ſagen? Die aber gegangen, brachten in Bündeln langfaſrigen Hanfwerg, den ſpannen auf Spin⸗ deln Weiber und Mädchen, und aus den Fäden webten ſie Leinen auf Balken und Stäben, zerſchnitten's mit Meſſern und nähten mit Nadeln Kleider den Großen. Auch nicht im Sommer erloſchen die Feuer, und in den Keſſeln kochten die Weiber, und ich hungerte niemals bei der Mahamadri. Aber nicht bei Tage lag in den Hütten die nackte Horde der Buben und Mädchen, wenn grün der Wald war und warm der Wind. Hinaus in den Wald ging', wohin wir wollten. Da hielt uns keiner und wehrte uns keiner, und wir liefen und ſchauten, forſchten und ſuchten, und wußten nicht, was. Niemals verirrten wir uns in dem Walde. Wir wußten die Wege. Zu weit lief keiner. Denn von den Alten war uns geſagt: Da hinten, da ferne ſchreiten die Wölfe und wilde Geſpenſter und weiße Menſchen, die fangen die Kinder und freſſen ſie auf. Aber noch in der Nähe, nicht fern zu erlaufen, ſprudelte und rauſchte über glattes Geſtein der glitzernde Waldbach. Da ſchöpften die Weiber täglich ihr Waſſer in Keſſeln und Krügen. Da war eine Stelle, wo er ziſchend und ſchäumend von den Steinen herabſchoß, und dunkel war's drunten und keiner durfte die Tiefe meſſen. Dahin am liebſten lief ich allein und lag im Graſe und lauſchte den Wellen, ſtarrte hinein und ſtarrte ohn Ende und ſah Geheimniſſe und hörte Wunder. Aber weiter hinab, wo er ſeichter fortfloß und die Weiber wuſchen, da war die Stelle, wo die nackte Horde der Buben und Mädchen, wenn auch im Walde die Sonne brannte und heiß der Wind war, in den plätſchernden Wellen die Glieder kühlte.

Ernſt war unſer Volk, einſilbig und ſtill, oft tagelang ſtumm war die Mahamadri. Aber Abende kamen, da brachten die Männer hervor die Geigen, Clarinen und Hackbrett, und es wanden die Melodien ſich wirbelnd, berauſchend, um alle Hörer. Und Männer und Weiber durchfuhr ihr Zauber, hub ſie und bog ſie, einte und ſchied ſie, und ſie ſtampften den Boden und flogen aufwärts im taumelnden Tanze zwiſchen den Hütten auf grünem Raſen. Und uns nackte Horde, Buben und Mädchen, faßte derſelbe wirbelnde Zauber. Uns fliehend, umſchlingend, ſtampfend und hüpfend mußten

wir tanzen, bis mit den wilden wirbelnden Tönen, wenn ſie ver⸗

ſtummten, der Zauber wich. Nächtelang drauf und viele Nächte hört' ich im Traum Geigen, Clarinen, Hörner und Hackbrett, aber in andern ſeltſamen Weiſen wunderſam wechſelnd. Und mit den Tönen ſchwamm ich und flog ich wogend und ſteigend zwiſchen den Zweigen der alten Eichen und über den Wald in die Sternennacht aufwärts, bis ich erwachte. Wachend am Tage, einſam im Walde, wer wird es glauben? geſchah mir daſſelbe, und dann lag ich athmend unter den Eichen.

Wie lange könnt' ich erzählen und ſchreiben von jenen Tagen der nackten Kindheit, wo die Augenblicke, und jeder von ihnen, weit waren wie der Himmel und tief wie die Nacht? Ich will bei ihnen nicht länger weilen. Was weiß ich mehr?

Einmal in der Hütte, es war im Winter, erhub ich die Augen von dem rothen Feuer zu der Mahamadri und ſprach: Mahamadri, ſag, woher ſind wir? Da ſah die Alte mir lange in die Augen und nickte und murmelte, ſtand dann auf und holte aus dem Winkel den Silberbecher und goß darein aus der Kürbisflaſche und hieß mich trinken. Da nahm ich und trank und heftig brannte der Slivovitz mir in Mund und Halſe. Und ſie nahm den Becher, füllte ihn wieder und trank ihn ſelber und ſtellte ihn hin. Lange dann ſah ſie mir in die Augen, ich fühlt es wie Zauber über mich kommen. Dann hub ſie an:Weißen Menſchen, die in Häuſern wohnen, gehört

die Erde, ſeitdem ſie geworden. Unfrei ſind ſie, und das mißfiel dem Sternenmanne, der ſie gemacht. Denn er kann gut ſein und er kann bös ſein, der alles gezaubert, der Sternenmann. Und Leute wollt er nach ſeinem Sinne, freie und tapfere. Weit, weithin, wo die Sonne aufgeht, da ſteht ein Berg, hoch bis zum Himmel. Mit einem Blitze ſpaltete den der Sternenmann, und heraus kamen die braunen Sinde, frei und tapfer. Das waren wir. Und mächtig wurde das Sindevolk, Könige hatt' es und große Fürſten, und ritt auf Roſſen und ſchlug die Weißen und hatte die Fülle, ſo lange es frei im Freien lebte, unterm Himmel ſchlief und die Welt durchſtreifte. Und ſie zogen weiter, herrlich und fröhlich. Und die Sinde kamen zu einer Stadt, weit und prächtig; und ihnen entgegen zogen die Männer, viel hundert mal hundert, kühn und gewaffnet, und alle erſchlug ſie das Sindevolk. Und hinein in die Stadt mit hellem Jauchzen wollten ſie reiten, da ſchrie eine Alte, eine Mahamadri: Nicht hin in die Stadt, Ihr Sindeleute! Sonſt kommt über Euch der böſe Zauber. Und ſie verlachten die Mahamadri, ritten hinein, und die Männer nahmen die weißen Weiber und wohnten mit ihnen in den hohen Häuſern. Da ward er zornig, der Sternenmann, und warf mit Blitzen und verbrannte die Stadt, und nahm aus den Herzen der braunen Sinde Luſt und Tapferkeit beide hinweg und hieß ſie wandern weiter und weiter, ſcheu und geſcheucht. Weißt Du nun, Panti, woher wir ſind? So ſprach ſie zu mir und ſagte kein Wort mehr und ſah mich an, bis ich ſchwindelnd umſank und die Sinne ſchwanden.

Was weiß ich mehr? Ein Sommertag war es, da ritten auf Roſſen drei fremde Männer mit weißen Geſichtern zwiſchen die Hütten. Seltſam waren die Drei gekleidet, eng, dunkel und bunt war ihre Kleidung, hoch ihre Hüte und ihrer jeder trug eine Flinte. Und zu dem einen kamen alle Männer und die Weiber alle und küßten den Zipfel ſeines grünen Rocks. Und mit dem Alten, mit unſerm Richter, redete er hart in fremder Sprache, redete lange und ritt von dannen, während ſich alle demüthig neigten. Und der Richter ſprach in der Sindeſprache:So müſſen wir morgen die Hütten brechen und den Wald verlaſſen und weiter ziehen nach dem großen Fluſſe und wieder bauen. Gefällt ſind draußen die Eichen ſchon. Da weinten die Weiber, die Männer grollten, neugierig wurden wir nackte Horde, und es murmelte und nickte die Mahamadri. Und alle die Mütter riefen zu ſich die nackten Kinder, Buben und Mädchen, und nahmen weinend ſie in die Arme. Mich rief keine. Da fragt' ich am Abend die runzlichte Alte:Mahamadri, warum habe ich keine Mutter? Da blickte die Alte mir lange grimmig in beide Augen und ſprach:Erſchoſſen wie ein Wolf im Walde wurde Dein Vater; da ſtarb Deine Mutter. Der Stamm iſt Dein Vater, der Stamm Deine Mutter. Da ſagte ich nichts mehr und weinte und ſchlief.

Tages darauf ſanken alle die Hütten, und Männer und Weiber, ſchwer bepackt mit Keſſeln und Hausrath und kleinen Kindern, zogen von dannen, und mit ihnen liefen die grunzenden Schweine und die weißen Wolfshunde und wir nackte Horde und die Mahamadri. Weit durch den Wald waren wir gewandert auf weichem Raſen und wan⸗ derten jetzt auf breiter Straße. Da ſahen wir Roſſe, zu vieren ge⸗ ſpannt, und ein bunter Wagen, von ihnen gezogen, rollte daher, hoch wie eine Hütte. Und da wir nahten, ſtanden die Roſſe, und ein weißer Alter mit Haaren wie Schnee blickte aus dem Wagen, hub an zu reden in fremder Sprache, und Antwort gab ihm der Richter, der 8 ie ſpprachen lg dendd iefen zu ſich die Mahamadri, und Männer und Weiber hörten den Richter, ſprachen und nickten. Und zu mir kam die runzlichte Alte, nahm mich bei der Hand und flüſterte leiſe:Panti, Dich haben die weißen Geſichter von dem Stamme gekauft für blinkendes Silber. Jetzt ſahre mit ihnen, und wenn es Nacht wird und Du kannſt entlaufen, komm wieder zu uns! Da hob der Richter mich hinein in den Wagen. Da ſaß der Weißkopf, ſein Weib 8 dhun ein bnins Knd hüllte ſogleich mich die weiße Alte und Dofo. er Syr 32 58(D:.. eriſen die en geonee, d der eher dhe

6 4 des ganzen Stamms. Ver⸗ wundert und ſtumm ſtarrt ich es an.Lebwohl, lebwohl, Tuvia Panti! Tieſen ſie alle, Männer und Weiber, Buben und Mädchen des braunen Volkes, und mit mir rollte der Wagen davon.

Ja, das ſchrieb ich nieder, als wäre die Feder der Geigenbogen und meine Erinnerung die klingende Saite. Traummelodien meiner nackten Kindheit. Sie war vorüber.

muß alles vorüberſchwinden? Nun aber ſpiele aus anderem Ton⸗ M⸗

Ich hörte wieder die Warum

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