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Ein deutſches Familienblatt mit Illuſtrationen. Erſcheint wöchentlich und iſt durch alle Buchhandlungen und Poſtämter vierteljährlich für 15 Sgr. zu beziehen. Kann im Wege des Buchhandels auch in Monatsheften bezogen werden.
1865.
Ausgegeben im Junnar 1865. Der Juhrgang läuſt vom October 1864 bis dahin 1865.
NM 15.
Mittheilungen aus den Acten, betreffend den Zigeuner Tuvia Panti aus Angarn.
Herausgegeben von Victor von Strauß. (Fortſetzung.)
(Die Handſchrift des Zigeuners.)
Keine Geige, keine Pfeife, keine Freiheit! Nicht Wald noch Berg, nicht Heide noch Baum! Vier dicke Mauern umher, und die Thür verſchloſſen und das Fenſter vergittert! Und von dem allen kein Ende abzuſehen! Lange Weile bis zum Schwindeln!
So verſuch' ich noch einmal lange verlernte Künſte und ſchreibe. Es iſt die Hauptkunſt der unfreien Stadt⸗ und Hausmenſchen, paßt daher für mich, da ich auch unfrei bin. Seit ich wieder Zigeuner und freier Bräutigam von Erd und Himmel, Froſt und Hitze, Regen und Wind geworden bin, hab' ich nicht geſchrieben. Es ſieht ſteif aus. Die Hand will noch nicht wieder. Sie iſt nur des kühnen oder zarten Bogenſtrichs gewohnt. Sie wird's wieder lernen.
Und was ſoll ich ſchreiben? Mein Leben, meine Erinnerungen will ich aufſchreiben und will's mit mir nehmen, wenn ich wieder hinaus komme. Naht einmal die Stunde, da ſie mir die Augen zudrücken und mich langſtrecken und in der Erde zuſchütten, ſo will ich's dem unter meinen braunen Geſellen geben, der mir der liebſte iſt, und ihm ſagen, wem er's bringen ſoll. Man wird's ihm mit dem funkelnden Golde lohnen, das die armen Burſche ſo ſehr lieben, als ich es verwünſche und verachte.
Und was ſind meine älteſten Erinnerungen? Ein dichter Eich⸗ wald, ohn' Ende nach allen Seiten. Ungeheure Stämme mit rauher Rinde, und droben ein dichtes Zickzackgewirr von Zweigen und Aeſten mit wehenden rauſchenden Blättern ohne Zahl, durch die am Tage
mit hellen Blitzen die Sonne drang und die Kinderaugen blendete.
Drunten dichter, weicher, grüner Raſen mit allerlei wunderſamen Kräutern, und Eicheln, Eichelnäpfe, Pilze und tauſend Merkwürdig⸗ keiten. Und unter den Bäumen, ziemlich im Kreiſe, etwa zwanzig Hütten, aus geſpaltenem Eichenholze, das aufrecht in Hufeiſenform in die Erde gerammt war, Aſtholz darüber gelegt, gedeckt mit Raſen⸗ ſtücken. kleideten Leute; und wir kleinen nackten Kinder, fünfzehn bis zwanzig an Zahl, ſchliefen auch da und liefen aus und ein, und wie wir, ſo
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In den Hütten ſchliefen und kochten die großen weißge⸗
auch die ſtöckiſch grunzenden, aber reinlichen Schweine und die weißen Wolfshunde, faſt ſo groß wie die Schweine. In der Mitte jeder Hütte hing von der Decke herab ein runder Keſſel, und darunter ward das Feuer angemacht, ſo wunderbar, ſo geheimnißvoll lebendig, ſo grimmig beim Berühren, ſo wohlig wärmend durch ſeine Nähe. O eine Gottheit! Ich habe davor gelegen, wenn der weiße Winter im Walde wetterte, und wenn die braune zerknitterte Alte, die ich Mahamadri nannte, alle Ritzen der Hütte mit Erde und Moos ver⸗ ſtopft und mit allerlei Waldzeug den Eingang ſo eng gemacht wie das Loch eines Dachſes, und dann auch dies noch mit Holz und Waldmoos und Lumpen verrammte. Und dann ſaß ſie gekauert lange, lange, und ſog begierig den Rauch ihrer Pfeife und regte ſich nicht, als um bisweilen auf das ſinkende Feuer ein Holzſtück zu legen, und ſprach kein Wort. Rauch wallte über uns, und mir gegenüber lag das grunzende Schwein und der weiße Wolfshund. Wenn abgeſperrt draußen dann brauſend und raſend der Sturm durch den Wald fuhr, und die Aeſte krachten, die Raben ſchrien, die Wölfe heulten, dann lag ich am Feuer, vor Wohligkeit ſchauernd, und beſtarrte und beſtaunte es, wie die Flammen züngelten und wogten und tanzten, und am Holze fraßen bis ſie es durchglühten, und wie die Glut, an ſich ſelber erſterbend, es in Aſche wandelte. Dahinein konnt' ich ohn Ende ſtarren, und mit offenen Augen in Geheimniſſe und Wunder ſchaute der nackte Zigeunerbube. Ihr klugen Weißen, die ihr alles beſchwätzet, durchſucht und erkläret, ihr ahnt ſie nicht mehr!— Da lag ich lange. Wenn aber draußen Buben und Mädchen jauchzend aufſchrien, da erhub ſich die Alte, die Mahamadri, und öffnete den
Ausgang, und hinaus fuhr der Wolfshund, und hinaus fuhr ich, und
heraus fuhr das Schwein, und heraus kroch die Alte. Wie blendete draußen alles die Augen! Weiß war der Boden. Schnee überdeckte Hütten und Erde. Hell ſchien der Himmel durch das blätterloſe Gegitter der Aeſte, und breit und grell funkelte die Sonne. Und alle wir Kinder, Buben und Mädchen, bis zu den zehnjährigen, nackt wie wir geboren, vor Kälte ſtarrend, tanzten und wälzten im kniſtern⸗ den Schnee uns, bis unſre Leiber, Beine und Arme brannten und


