Jahrgang 
1865
Seite
166
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ihm gemacht, deſſen Sohn als churcöllniſcher Rath verſtarb und eine zahlreiche Nachkommenſchaft hinterließ, welche noch jetzund im Erzſtift floriret!

Und wie hat die Dame dem ſchwarzen Reiter gedankt? fragte Fräulein Juliane, mehr um ihre Keckheit zu zeigen, als daß ihr etwas daran gelegen geweſen, einé Antwort zu erhalten.

Meine liebe Frau Urgroßmutter mag den Dank in der Eil' vergeſſen haben, meinte die Greiſin,ſie hat niemals etwas davon erzählt, ſondern nur geſagt, daß der ſchwarze Reiter ein ausbündig ſchönes Mannsbild geweſen von zarter weißer Hautfarbe, mit großen dunkelblauen Augen und mit langen blonden Locken, ſo an der einen Seite kürzer geſchnitten geweſen als an der andern!

Und die drei Töchter? Haben ſie auch vergeſſen, einem ſo ſchönen Manne zu danken? fragte Fräulein Ludovike mit einer Verwunderung, welche ihr allerliebſt ſtand.

Wie hätten ihm die Töchter danken können, verſetzte Juliane kühn,da es die Frau Mutter vergaß?

Wie würdet Ihr ihm gedankt haben, Kind? fragte die Greiſin plötzlich und ihre Stimme nahm einen ſtärkeren Klang an,ich meine Euch, Ludovike?

Nun, Großtante, erwiderte das Fräulein, verwundert, ſich ſo direct angeſprochen zu hören,ich würde dem Herrn die Hand gegeben und ihm ſchön Dank geſagt haben!

Pah! rief das alte Fräulein beinahe verächtlich,und Ihr, Juliane, wie hättet Ihr gedankt?

Großtante, rief das Fräulein, welches der alten Verwandtin durchaus durch ſeine Kühnheit gefallen wollte,ich hätte dem ſchwarzen Reiter einen Kuß gegeben, bei Sanct Caſtor, ich hätte ihn geküßt!

Haſenfuß, wo hätteſt Du die Courage dazu hergenommen? meinte das alte Fräulein,und Ihr, Siemering? fragte ſie dann das dritte Fräulein, welches in tiefe Gedanken verſunken ſchien, ſich aber ſofort zuſammennahm und ernſtlich antwortete:Ich hätte ihn gefragt, ob er mich zum Weibe haben wolle?

Das iſt meine Art! ſagte die Alte mit ſichtlicher Befriedigung und nahm langſam und feierlich eine Priſe aus der goldenen Doſe. Etwas erſtaunt ſahen die beiden ältern Schweſtern ihre jüngſte an.

Er war ein Ketzer! rief die Großtante herüber.

Es iſt ſchon mehr als Eine aus dem Hauſe Reneſſe in der Ehe mit einem Ketzer glücklich geworden! lautete Siemerings kurze Antwort.

Der Mann war der Dame völlig fremd! forſchte die Alte liſtig weiter; offenbar hatte ſie einen Zweck mit dieſen Fragen.

Einen Mann, welcher ſo zart unglückliche Frauen in ſeinen Schutz nimmt, den braucht man nicht weiter zu kennen, entgegnete Siemering eifrig,ich ſehe ihn vor mir, dieſen ſchwarzen Ritters⸗ mann, ich ſehe ihn oben an der Buſchecke in der Ley, wie er mit ſeinen leuchtenden blauen Augen nieder blickt nach den geretteten Damen im Thal, die ſo albern waren, ihm nicht einmal zu danken, ſeine langen Locken fliegen im Morgenwind, jetzt hebt er das Piſtol, Blitz und Knall, ſein letzter Gruß für die Undankbaren und er tritt in das Gebüſch zurück!

Mädchen, Du ſchwärmſt! bemerkte die Greiſin wohlgefällig.

Oh! ich bin böſe auf dieſe Frau von Reneſſe und ihre einfäl⸗ tigen Töchter, rief Siemering lebhaft,ich wette, ſie haben nicht einmal gewußt, wer ihr Ritter und ihr Retter war, ſie haben nicht nach ſeinem Namen gefragt?

Das haben ſie denn doch gethan! meinte die Großtante ruhig.

Wie hieß er? wer war er? riefen die drei Schweſtern wie aus einem Munde.

Es war, verſetzte die Greiſin langſam,der Kron Schweden wohlbeſtallter Obriſter über ein Regiment zu Roß, Wilhelm Auguſt von Waldow, ein Märkiſcher von Adel.

Ein leiſer Ausruf höchſter Verwunderung entfloh den Lippen der drei Fräuleins.Auguſt Wilhelm von Waldow, wiederholten ſie, aber Jede ſprach den Namen mit einer andern Betonung; Siemerings Antlitz und Nacken waren von einer tiefen Röthe wie übergoſſen, aber die Augen funkelten ſtolz nud hell.

Was haben dieſe Närrinnen? fragte die Greiſin unwillig; ſie wurde ſtets unwillig, wenn ſie nicht gleich wußte, woran ſie war.

Das iſt merkwürdig! ließ ſich Juliane ernſthaft vernehmen.

Sehr merkwürdig! betheuerte Ludovike mit einem halben Lächeln. Siemering nickte, ſah aber ungemein ſtolz und freudig dazu aus.

Euch, wenn Ihr nichts weiter zu ſagen wißt!

Großtante! rief jetzt Siemering und brach in ein lautes Lachen aus,hat der ſchwarze Ritter damals gewußt, daß jeue Damen, denen er ſo ritterlichen Beiſtand geleiſtet, vom Hauſe Reneſſe waren?

Was ſoll die Frage?

Beantwortet ſie immerhin, es ſoll Euer Schade nicht ſein! drängte Siemering und die drei Fräuleins lachten lauter wie zuvor.

Was haben die Gänſe? rief die Greiſin und wollte ſchweigen, endlich aber entſchloß ſie ſich doch zur Antwort und ſprach:Es ſei, wißt, der ſchwarze Reiter hat nimmer gewußt, wer die Damen waren, die liebe Frau Urgroßmutter hat in der Eil' vergeſſen gehabt, ihm ihren Namen zu ſagen und er iſt zu cavaliermäßig geweſen, um danach zu fragen!

Das ſieht ihm ähnlich! das iſt ſeine Art! rief Siemering und klatſchte fröhlich in die Hände.

Werdet Ihr endlich reden, Ihr dreidrähtigen Thörinnen! zürnte die Großtante und war doch nicht im Stande, der Heiterkeit der Mädchen gegenüber ihren Zorn aufrecht zu erhalten.

Großtante, nahm jetzt Siemering, ſich faſſend, das Wort, beantwortet uns noch eine Frage, es wird Euer Schade nicht ſein, denn ich will Euch dann eine Geſchichte erzählen, ſo merkwürdig, wie Ihr noch keine erlebt oder erfahren habt!

Das wäre! rief das alte Fräulein erſtaunt, aber ſichtlich ſehr neugierig,Du ſollſt Deinen Willen haben, Siemering, thue Deine Frage!

Hat die Frau von Reneſſe danach niemals wieder etwas ver⸗ nommen von dem ſchwarzen Reiter? fragte das Fräulein.

Hm! verſetzte die Alte,wie man's nehmen will; etliche Jahre nach dem Vorfall beim ſchwarzen Bildchen ſind die Reneſſes mal wieder bei den Weißenſteinen in Lorch zu Beſuch geweſen und wie ſie nach der zerfallenen Feldkirche gegangen, da iſt die Frau von Reneſſe auf dem Kirchhofe plötzlich vor einem Leichenſteine ſtehen geblieben und hat einen lauten Schrei gethan; dann hat ſie ihre beiden Töchter gerufen, die älteſte war ſchon an den von Pommers⸗ felden in Franken verheirathet, und alle drei haben mit höchſter Ver⸗ wundrung geleſen, was auf dem Stein ſtund; die Inſchrift aber lautete: Hier ruht in Gott der ſehr edle und mächtige Herr Auguſt Wilhelm von Waldow, der Kron Schweden wohlbeſtallter Obriſter über ein Regiment zu Roß, dem iſt eine fröhliche Auferſtehung ſicher, denn er kämpfte den guten Kampf des Glaubens und ſtarb ſich ge⸗ tröſtend des Verdienſtes Jeſu Chriſti am 12. Januarii anno 1634. Als die Frau von Reneſſe ſolches geleſen, da hat ſie alsbald mit denen Gevettern vom Weißenſtein einen Pactum abgeſchloſſen, daß die für den Leichenſtein des Ritters Sorge tragen ſollten in alle Zeit für ein Stück Geld, was ſie auf die Domkellerei angewieſen. Und alſo iſts denn auch geſchehen, wenigſtens war der Leichenſtein des ſchwarzen Ritters noch wohl erhalten, als ich das letzte Mal in Lorch geweſen, was freilich nun auch ſchon geraume Zeit her, ich weiß aber, daß wenigſtens zu Eures Großvaters Zeiten noch das Geld aus der Domkellerei ſtets ordentlich an die Weißenſteine iſt entrichtet worden; ich hielt Euren Großvater dazu an, wie ich ihn überhaupt gelehret habe, den Willen der Vorfahren heilig zu achten. Jetzt freilich, wer weiß? die alten Weißenſteine in Lorch ſind abgeſtorben und vielleicht iſt auch der Leichenſtein des ſchwarzen Ritters in Verfall gekommen!

Er ſteht noch aufrecht, verſicherte Siemering, dann ſetzte ſie nach kurzem Beſinnen hinzu,es iſt alles in Ordnung, Großtante, und nun ſollt Ihr auch die wunderbare Geſchichte erfahren!

Der Jugend iſt alles ein Wunder! verſetzte die Alte trocken und nahm eine Priſe.

Ihr werdet ſchon ſehen, meinte Siemering, welche ihrer Sache völlig ſicher ſchien und erzählte:Es iſt jetzund eine Woche darüber. r Dienſ.. vnd daräber, richtig, am Dienſtag vor acht Tagen, da waren wir zum Mittageſſen bei der Baſe Cordula im Metternicher Hofe; wir wollten eben zu Tiſche gehen, als der alte Großburg von der Niedermatt kam und den neuen churſächſiſchen Herrn Geſandten, den General von Waldow, der Tante aufführte. Nun, Großtante, das iſt ein ſchöner großer Mann mit herrlichen blauen Augen, welche wie Sterne leuchten, ſein Antlitz iſt gar zart und weiß und er trägt weder Puder noch Perrücke, ſondern hat lange blonde Locken, ganz wie der ſchwarze Reiter am Bildchen!

Drei Gänuſe auf ein Mal! ſagte die Großtante grob;ſchert

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