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hin laſſet uns gehen.“„Dazu müßten wir mehr gelernt haben, als wir verſtehen,“ verſetzte der älteſte.„Auch ſollen die vornehmen Kriegs⸗ leute nicht immer gute Zahler ſein.“—„Ein geſcheidter Schmied muß alles lernen können,“ erwiderte der zweite,„und wenn die kühnen Rit⸗ ter auch nicht immer zahlen können, ſo zahlen ſie doch deſto mehr, wenn ſie es können. Ich gehe dorthin zur Rechten.“—„Nun,“ ſagte der älteſte,„ſo gehe ich zur Linken. Denn die Reitersleute ſind gewiß nach einer guten reichen Stadt geritten, warum zögen ſie ſonſt ſo weit? und dort findet ein fleißiger Schmiedegeſell immer guten Ver⸗ dienſt und redliche Zahlung.“
So wurden die beiden älteren Brüder eins, ſich von einander zu trennen, und fragten dann den jüngſten, mit wem von ihnen er ziehen wolle. Dieſer aber blickte des Weges hinaus, der immer gerade fort in den Wald lief, und da er mit ſeinem ſcharfen Auge in der Ferne wieder die fröhlichen Waldthiere auf der Straße ſpielen ſah, ſo ging ihm das Herz auf und dünkte ihn, es ſei nicht allein ein viel luſtiger Leben, mit dem freien Wild im friſchen grünen Walde ſich zu ergötzen, als tagelang in der heißen, rußigen Schmiede zu hämmern, ſondern es müſſe ſicherlich auch weit hinter der Wildniß noch etwas gar Sonderliches und Herrliches zu finden ſein, das beſſer ſei als alle Ritterſchlöſſer zur Rechten und alle reichen Städte zur Linken. Darüber ſah er in Gedanken und Träumerei vor ſich hin⸗ aus und antwortete nicht, ſo daß ihn die Brüder nochmals fragen mußten. Dann aber wies er mit ſeinem Stocke gerade aus und ſagte:„Dahinten, dahinüber, da muß es ſein, was ich immer in meinen Gedanken geſucht und nicht gefunden habe. Gott gebe Dir, Bruder, Glück bei den reichen Bürgern, und Dir, mein Bruder, Glück, wenn Du den Rittern ihre Waffen ſchmiedeſt. Ich aber gehe dorthin.“— Nun verſuchten beide Brüder zwar, ihn von ſolchen thörichten Ge— danken abzubringen, ſtellten ihm auch vor, daß er in dem wilden Walde weder Arbeit noch Verdienſt finden, vielmehr jämmerlich ver⸗ hungern und verderben werde, und erinnerten ihn an des Vaters Drohung; er aber blieb ſteif und feſt bei ſeinem Vorſatz, ſo daß ſie ihn endlich in Frieden ließen.
Da ſagte der zweite Bruder:„Weil ſich hier denn drei Brüder ſcheiden ſollen, ſo laſſet uns noch einmal zuſammen eſſen und trin⸗ ken, und dann unſre drei Meſſer von altem Hauseiſen in den Stamm dieſes Lindenbaumes ſtoßen, ein jeder das ſeine gegen den Weg, den
er gehen will. Wer von uns nach drei Jahren wieder hierher kommt, der ſoll daran ſehen, wie es um ſeine Brüder ſteht. Denn
weß Meſſer verroſtet und mit Blut beronnen ſein wird, der wird umgekommen und todt ſein; fehlet ſein Meſſer im Baume, ſo hat er es herausgezogen und iſt glücklich wieder daheim; ſteckt es aber noch blank im Baume, ſo iſt er zwar noch in der Fremde, aber es geht ihm gut. Denn alſo geſchieht's mit neuen Meſſern von altem Haus⸗ eiſen, wenn man ſie mit ſolchem Spruch in einen Baum ſtößt, und kann ſie niemand herausziehen, als wer ſie eingeſtoßen hat.“
Dieſen Rath lobten die Brüder, ſetzten ſich nieder, aßen was ſie hatten, tranken dazu aus einer Quelle, die nächſt dem Lindenbaum hervorſprudelte, ſtießen dann ihre Meſſer jeder mit ſeinem Spruch in den Baum, ſchüttelten einander die Hände und ſchieden, der älteſte zur Linken, der zweite zur Rechten und der jüngſte ging gerade aus.
Der jüngſte Bruder war noch nicht lange gegangen, als die Waldthiere ſich wieder zu ihm thaten, um ihn her ſpielten und ſpran⸗ gen und ihm voraustanzten. So fing er auch wieder an, mit ihnen zu ſpielen, jagte ſich mit ihnen und hatte ſonderlich ſeine Luſt an einem alten Zottelbären, der ihm immer vorauslief und ihn weiter lockte, und das währte viele Stunden, bis der Abend kam und der Mond aufging, und der junge Schmiedegeſell ward hungrig und müde. Da blieb er endlich ſtehn und wußte nicht, was er thun ſollte; denn was er zu eſſen mitgenommen in Taſchen und Felleiſen, das war alles aufgezehrt, und es war nicht einmal ein Quell in der Nähe, daraus er hätte ſeinen Durſt löſchen können. Zum Glück fand er nahebei einen Brombeerſtrauch voll ſaftiger reifer Brombeeren, auf die der Mond hell herunterſchien. Davon fing er an mit großer Begierde zu eſſen. Wie das der alte Zottelbär ſah, lief er ſchnell davon in den Wald, kam aber ſchon nach wenigen Augenblicken mit einer gro⸗ ßen Honigſcheibe wieder, die er im Manle trug und vor dem jungen Schmied aufs Moos legte. Der nahm ſie auf, ſtrich dem alten Zottelbären dankbar den rauhen Kopf und aß dann den ſüßen Honig, bis er ſich ganz ſatt und erquickt fühlte. Hierauf wollte er ſich zum Schlafen niederlegen. Das aber ſchien der Bär nicht leiden zu wol⸗
len, denn überall, wo er ſich hinzuſtrecken ſuchte, kollerte der Bär ſich vor ihm hin. Endlich ſagte der Schmied verdrießlich:„Wenn Du mir neben Dir keinen Platz gönnen willſt, ſo leg' ich mich oben auf Dich!“ und ſchritt, wie der Bär vor ihm lag, mit dem einen Beine über ihn hin, ſo daß er rittlings auf ſeinem Rücken ſaß. Das ſchien der Bär gewollt zu haben, denn nun ſprang er mit luſtigem Brum⸗ men auf und rannte mit ſeinem Reiter des Weges weiter durch die Wildniß mit einer Schnelligkeit, daß dem jungen Schmied Hören und Sehen verging. Anfangs klammerte er ſich mit den Händen feſt an die dichten Zottelhaare, als ſie aber eine Strecke ſo fortgerannt waren, dachte er abzuſpringen. Da hörte er hinter ſich ein wildes Geheul, und als er den Kopf wandte, ſah er in ſeinem Rücken ganze Haufen Wölfe und anderes reißendes Gethier, die ihn mit offenen Rachen und glühenden Augen verfolgten. Da dachte er: Lieber will ich mich auf meinen Zottelbären verlaſſen; ſetzte ſich nun erſt recht feſt und trieb den Bären ſelbſt zum Laufen an. Das war aber nicht nöthig; der alte Bär lief wie ein Rennpferd, weil er aber nicht immer des offenen Weges Acht hatte und oftmals unter den Baum⸗ zweigen und an den Dornbüſchen herſtreifte, ſo wurden dem jungen Schmiedegeſellen Geſicht, Hände und Kleidung zerriſſen, ſein Fell⸗ eiſen blieb an einem Schwarzdorn hängen und ging verloren, und er ſelbſt hielt ſich mit Noth auf ſeinem Sitz. So ging's im reißenden Lauf bei Mondſchein durch den finſtern Wald, immer die wüthenden heulenden Raubthiere hinterdrein, und die wilde Jagd währte die ganze Nacht hindurch. Endlich verging dem jungen Schmied vor der tollen Hetze die Beſinnung. Er ſchloß die Augen, bog ſich vorn⸗ über und ſah und hörte nicht mehr. Der alte Zottelbär aber rannte mit ihm noch manche Strecke bis der lichte Morgen heraufkam, und als die Sonne aufging, blieben die grimmigen Wölfe zurück, der Wald wurde lichter und hörte endlich vor einer ſchönen grünen Wieſe ganz auf. Hier ſchüttelte der Bür den jungen Schmied von ſeinem Rücken herunter ins Gras und lief in den Wald zurück.
Der junge Geſell lag lange Zeit auf dem Raſen und ſchlief; als er aber endlich mitten am Tage aufwachte und ſich aufrichtete, ſah er zu ſeiner Freude jenſeit der grünen Wieſe ein großes reiches Schloß von lauter weißem Marmelſtein ſtehen, das hatte viele hohe Thürme und Dächer und glitzernde Fenſter, und unten durch den einen Thurm führte ein offenes Thor hinein. Da ging er über die Wieſe zu dem Schloß und trat in das Thor und kam in einen gro⸗


