Jahrgang 
1865
Seite
157
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Da ſagte das Weib:Ja, Du redeſt

Schweig ſtill und mache mich

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2 yr**. Der Glücksſchmied. Ein Märchen für die Weihnachtsfeiertage von Victor v. Strauß. gen wird empfangen werden.

recht; und muß mir darum über ſeinen Abſchied das Herz nicht weher thun, als über die beiden andern? 12

n einem Dorfe lebte ein Grobſchmied mit ſeiner Frau und mit drei Söhnen, die er zu ſeinem Handwerk aufgezogen hatte. Die beiden älte⸗ ſten waren anſtellig, aufgeweckt und fleißig und bereits eben ſo geſchickte Schmiede, als ihr Vater. Der jüngſte Sohn hatte auch wohl guten Willen, gleich tüchtig mit Hammer und Zange umgehen zu lernen, aber es hatte ihm niemals gelingen wollen. Er griff alles verkehrt an, verſank oft, wenn er in das rothe Feuer blickte, ganze Zeiten lang in Verſonnen⸗

heit und Träumerei und verſäumte darüber die Arbeit, und wenn er dann mit um ſo haſtigerem Eifer das Verſäumte nachholen wollte, zer⸗ ſchlug er oft, ohne es zu beabſichtigen, bei ſeiner gewaltigen Armeskraft die beſten halbfertigen Arbeiten ſammt Amboß und Schmiedegeräth. Darüber empfing er manche ſcharfe Züchtigung von ſeinem Vater, die er aber geduldig hinnahm, auch wenn ſie einmal unverdient war, was bei dem harten und heftigen Sinne des alten Grobſchmieds nicht ſelten vorkam. Die Mutter aber hatte dieſen Sohn insgeheim lieber, als die beiden andern, denn es erbarmte ihr, daß er bei ſo ſchönem Ausſehen und ſo großer Stärke ſo ungeſchickt und thöricht und dabei ſo geduldig und gutwillig war.

Eines Tages rief der alte Schmied ſeine drei Söhne zuſammen und ſprach zu ihnen:Ihr ſeid nun alt genug und habt lange genug bei mir gelernt, um Euch jetzt in der Welt verſuchen zu können. Hier hat jeder von Euch einen Gulden und ein Meſſer, von altem Haus⸗ eiſen geſchmiedet, und ein Felleiſen, darein ihr eure Kleidung packen könnt. Damit geht auf die Wanderſchaft, ſuchet euch gute und be⸗ rühmte Meiſter, lernet noch weiter und verdienet Euch was. Nach drei Jahren ſollt Ihr wiederkommen, und wer von Euch durch Ge⸗ ſchicklichkeit und Fleiß in unſerm Handwerk dann am meiſten erwor⸗ ben hat, dem will ich meine Schmiede geben; wer aber nichts dadurch verdient hat, für den ſoll die Haſel eine Frucht getragen haben, die ihm nicht ſüß ſchmecken wird.

Da das die drei Söhne hörten, nahm jeder ſeinen Gulden, ſein Meſſer und ſein Felleiſen, ging und packte ſeine Kleidungsſtücke. Die Mutter aber, die dabei geſtanden, fing an zu weinen und trocknete ſich die Augen mit der Schürze. Das ſah der alte Schmied, ſchalt und ſagte:Du thörichtes Weib, ich weiß wohl, warum Du weinſt! Es iſt nicht um unſre beiden älteſten Söhne, die es verdienen, ſondern um den, der es nicht verdient. Aber jene werden wohl durch die Welt kommen und mit gutem Erwerbniß zurückkehren, während der

große ungeſchickte Faule ſich wird durchbetteln müſſen und mit Schlä⸗

I. 12.

nicht zornig! antwortete der Mann.Weiß ich es nicht, daß Du den unnützen einfältigen Burſchen lieber haſt, als die beiden andern zu⸗ ſammengenommen? Aber ſo ſind die Weiber!

Damit ging er grimmig an ſeine Schmiedearbeit. Die Mutter aber begab ſich zu ihrem jüngſten Sohn und half ihm einpacken, denn ſie meinte, er würde es allein nicht recht machen. Beide weinten viel gegen einander, und wiewohl eins das andere zu tröſten ſuchte, ſo ward doch keins getröſtet.

Am andern Morgen nahmen alle drei Brüder ihre Felleiſen auf den Rücken, gaben dem Vater und der Mutter die Hand zum Abſchied und wanderten, während der Vater ihnen nachrief:Vergeßt nicht, was ich Euch verſprochen! und während die Mutter weinte und im Herzen für ihren Jüngſten betete, auf dem Wege zwiſchen den grünen Kornfeldern in die weite Welt hinaus.

In damaligen Zeiten ſtanden noch keine Wegweiſer an den Straßen, auch wohnten noch wenige Leute im Lande, und weil die Brüder niemandem begegneten, den ſie nach dem nächſten Orte hätten fragen können, ſo folgten ſie immer demſelben Wege, der ſie aber nach einiger Zeit in einen großen, dichten Wald führte, der immer wilder und düſterer wurde und gar kein Ende zu nehmen ſchien. Einige Male ſetzten ſie ſich neben der Straße ins Moos nieder und ſtillten den Hunger von dem, was ihnen die Mutter mitgegeben, und tranken dazu aus dem klaren Waldbächlein. Dann ſtanden ſie wie⸗ der auf und verfolgten ihren Weg, der ſie in immer wildere Gegen⸗ den brachte. Dabei war es ſonderlich, daß das wilde Waldgethier, das beim Eintritt in den Wald ſcheu vor ihnen geflohen war, je tiefer ſie hineingeriethen, immer dreiſter ward. Bald blickte da und dort ein Reh mit braunen klugen Augen, ein Hirſch mit zackigem Geweih, ein borſtiger Eber neugierig aus den Büſchen und zog den Kopf nur langſam zurück, wenn ſie vorüberkamen. Weiterhin traten die Thiere mit ganzem Leibe heraus, näherten ſich vertraulich den drei Wandergeſellen, betrachteten, beſchnuffelten ſie und trabten wohl auch eine Strecke neben ihnen her. Der jüngſte Bruder hatte darau ſeine Freude, begann mit den Hirſchen und Ebern zu ſpielen und lachte über ſie, wollte auch nicht, daß die andern, die ſich gern ein Stück Wild erlegt und gebraten hätten, den harmloſen Thieren ein Leid zufügen ſollten.Wenn wir klug wären, ſagte der älteſte,ſo ſollten wir von dieſen Hirſchen und Rehen ſo viele tödten, als wir erlangen können, ihnen die Häute abziehen und dieſe in der nächſten Stadt verkaufen; das würde uns einen guten Groſchen Geld abwer⸗ fen. Der zweite aber ſprach:Lieben Brüder! Ihr ſolltet doch auf⸗ merken und innewerden, daß dieſe Vertraulichkeit der wilden Thiere gar ein bedenkliches Zeichen für uns iſt, denn wir können daraus abnehmen, daß ſo tief in dieſen Wald noch niemals Menſchen gekom⸗ men ſind, die doch gewiß das Wild ſchon gejagt und ſcheu gemacht hätten, und iſt wohl kein Zweifel, je weiter wir vorwärts gehen, deſto tiefer gerathen wir in die menſchenleere Wildniß wo wir am Ende elendiglich umkommen können. Daher iſt mein Rath, daß wir nicht weiter dieſe Straße verfolgen, ſondern den erſten gangbaren Weg, der zur Rechten oder Linken von ihr abführt, einſchlagen, ob wir auf demſelben wieder hinkommen, wo Menſchen wohnen. Denn zurück nach Haus dürfen wir ja nicht wieder, ehe nicht die drei Jahre vor⸗ über ſind; der Vater würde ſonſt ſehr zornig werden. Auch müſſen wir's noch zu etwas bringen in der Welt.

Während er noch ſo ſprach, kamen ſie an einen großen dicken Lindenbaum, der mitten auf einem Kreuzwege ſtand. Da wichen auch die Thiere vor ihnen in den Wald zurück, und es fanden ſich Spuren von Roßhufen auf dem Querwege, die von der Rechten zur Linken gekommen waren. Der zweite Bruder betrachtete die Spuren genau, wo ſie ſich in den thonichten Boden abgedrückt hatten, und ſagte dann:Nun merket auf, was ich Euch ſagen will! Das ſind Hufſpuren von Schlachtroſſen, die erſt alle friſch beſchlagen ſind und

nicht viel über eine Tagereiſe unterwegs geweſen ſein können. Wo die herkommen, da müſſen auch tapfere Ritter ſein, und bei denen muüſſen ſich geſchickte Waffenſchmiede finden und hoch kommen. Da⸗