Jahrgang 
1865
Seite
149
Einzelbild herunterladen

allerlei ig des ür das Gerſte, -uſt zu durch Pfund er bis n aus⸗ Zucker zſteuer

ptracte andern Fieber⸗ Lurzel, Brauer en oder kungen länger andern

es mit 4s Bier er oder nblätter rechnuß. Bitter, zählten ne, die igt.

ner.

zuſtände en kann. de, auch icke ein⸗ ynlichen ne farm, enn die deutſche Aber ſo Fenſter, nit einer tsgefühl echen der noch viel Redens⸗ rn Ward ſich alle Aber ein er Lehrer aben und tterrichts derſelbe

f

, 19 EN

Ein deutſches Familienblatt mit Illuſtrationen. Erſcheint wöchentlich und iſt durch alle Buchhandlungen und Poſtämter vierteljährlich für 15 Sgr. zu beziehen. Kann im Wege des Buchhandels auch in Monatsheften bezogen werden.

1865.

Ausgegeben im Detember 186¹3. Der Jahrgang läuft vom October 186 3 bis dahin 1865.

6. 12.

Fräulein Zuliane Ludovike.

Aus vergangenen Tagen von George Heſekiel.

Schon ſeit vielen Jahren verließ das hochwohlgeborene, ehr⸗ ſame und tugendbelobte Fräulein Juliane Ludovike von Reneſſe die Wohnung nicht mehr, welche vor länger als vierzig Jahren der ver⸗ ewigte Freiherr von Breidbach⸗Bürresheim ihr, als ſeiner vielge⸗ liebten Couſine, im Bürresheimer Hofe zu Coblenz überwieſen hatte. Die Erben des Freiherrn hatten die ſteinalte Verwandte, welche die Zahl ihrer Jahre ſorgfältig verhehlte, im Beſitz dieſer Wohnung be ſtätigt und auch Sorge getragen, daß ſie in dem Genuß derſelben niemals behelligt wurde. Uebrigens fehlte es dem Fräulein Ludo⸗ vike niemals an Geſellſchaft, denn die edlen Sippen derer von Breid⸗ bach⸗Bürresheim und Reneſſe waren ſehr zahlreich auf und ab am Rheinſtrom und die alte Dame übte eine ganz merkwürdige An⸗ ziehungskraft aus, namentlich auch auf jüngere Leute. Schwerlich kam ein mit ihr irgendwie Verſippter nach Coblenz, ohne ſofort der Tante Juliane Ludovike ſeinen Beſuch abzuſtatten.

Auf welchen Umſtänden die Anziehungskraft, welche dieſes Fräulein von Reneſſe auf andere übte, eigentlich beruhte, war nicht leicht zu ſagen, denn die alte Dame war weder beſonders geiſtreich, noch auch beſonders wohlwollend, und der irdiſchen Reichthümer be⸗ ſaß ſie ſo wenige, daß ihre Beſucher unmöglich in den Verdacht einer unſaubern Erbſpeculation gerathen konnten. Fräulein Juliane Ludovike war auch keineswegs rückſichtsvoll gegen ihre Beſucher und huldigte in ihren ziemlich häufig wiederkehrenden, wenn auch meiſt nicht lange andauernden Perioden von übler Laune einer echt rhein⸗ ländiſchen Derbheit im Ausdruck, von der man ſich in der Familie die ergötzlichſten Anecdoten mittheilte. Sollte ſie doch einſt einem hohen Würdenträger der Trierſchen Kirche, dem Weihbiſchof von Orsbecken, der ebenfalls auch mit ihr verſippt war, kurz und gut ge⸗ ſagt haben:Scher' Er ſich, Vetter, ich kann Seine Fratze nicht leiden, Er hat ſich Sein Wappen ins Geſicht geſetzt! Wer das redende Wappen der Orsbecken kennt, der wird die coloſſale Auf⸗ richtigkeit der alten Dame bewundern. Der Weihbiſchof ſoll übrigens Humor genug gehabt haben, um am lauteſten über dieſen zornigen Ausfall zu lachen.

Solcher und ähnlicher Geſchichten erzählte man ſich eine Menge in der Familie und in den näher befreundeten Kreiſen.

Vielleicht lag gerade in ihnen die Anziehungskraft, welche die alte Dame übte? In der That, ſie ſprach nichts Beſonderes, aber alles, was ſie ſagte, ſagte ſie auf eine beſondere Weiſe; dieſe be⸗ ſondere Weiſe war indeſſen nicht einmal ausſchließliches Eigenthum des Fräuleins, ſie ſprach nur eben in der Weiſe einer längſt vergangenen Zeit und der Contraſt, welchen dieſe mit dem herrſchenden Ton des Tages bildete, war das eigentlich Feſſelnde ihrer Unterhaltung. bei muß denn allerdings auch bemerkt werden, daß die alte Jungfrau in ihrem langen Leben viel erfahren und noch mehr geleſen hatte, daß ſie viel wußte und gern davon ſprach, wenn ſie gute Laune hatte. In jener Zeit aber, von der wir reden, in der Mitte der zweiten Hälfte des abge⸗ wichenen Jahrhunderts, war es in den deutſchen Familien ein beinahe noch unangetaſtetes Vorrecht des Alters, zu reden und zu erzählen. Die Iugend führte noch ſo wenig das große Wort, daß es auch ſchon erwachſene Kinder nicht leicht wagten, in Gegenwart ihrer Aeltern oder ſonſtiger Reſpectsperſonen ungefragt zu ſprechen. Es wurde da⸗ mals viel weniger geſchwatzt und disputirt, wie heutzutage, und die geſellſchaftliche Unterhaltung beſtand hauptſächlich darin, daß die Alten erzählten, die Jungen aber zuhörten. Die Kunſt des Hörens, und es iſt wirklich eine Kunſt, ſcheint uns ganz verloren gegangen zu ſein, damals aber wurde ſie eifrig geübt, indem man den Kindern ſchon frühe einprägte, daß man zwei Ohren und einen Mund habe, um mehr zu hören als zu reden.

Nun, Fräulein Juliane Ludovike wußte zu reden und ihre Zeit⸗ genoſſen wußten zu hören, darum war ſie faſt keinen Tag ohne Be⸗ ſuch im Bürresheimer Hof.

Heute hat die alte Dame ihren gewöhnlichen Donnerſtags⸗ Beſuch; drei Großnichten, Enkelinnen ihres jüngſten Bruders, des churtrierſchen Obriſten und Kammerherrn Clemens Wenzel Lothar von Reneſſe, bei welchem Herrn ſie einſt Mutterſtelle vertreten hat, wie ſie bei jeder paſſenden oder auch nicht paſſenden Gelegenheit an⸗ zumerken liebt.

Es iſt ein hohes, räumliches Gemach, in welchem wir die Geſell⸗ ſchaft finden; die Wände ſind mit braunen Ledertapeten bekleidet, deren eingepreßte Goldarabesken faſt ganz erblindet ſind; in dem Kamine, deſſen Mantel das Breidbachſche Familienwappen, den

Da⸗