Ich bekenne, daß die Bauern das Recht hatten, mich zu ergreifen und auszuliefern, wenn ihnen das nicht gefiel, was ich ihnen ſagte. Sie waren frei es zu thun. — Ich war zu ihnen gekommen, und nicht ſie zu mir. — Und wenn die Regierung — wenn ſie mich nach Sibirien ver⸗ ſchickt — ich werde nicht murren — wenngleich ich mich nicht ſchuldig bekennen werde. Sie thut wiederum das Ihre; denn ſie vertheidigt ſich. — Genügt Ihnen das?“
Sipjägin ſchlug die Hände über dem Kopf zuſammen.
„Genug! Was ſind das für Worte?! — Ich frage nicht — und es iſt nicht an uns zu urtheilen, wie die Regierung handeln wird; — ich möchte wiſſen, ob Sie fühien — ob Du fühlſt, Sergei (Sipjägin hatte ſich ent⸗ ſchloſſen eine Seite des Herzens zu berühren) — wie un⸗ vernünftig, wie wahnſinnig Dein Unternehmen war — und ob Du bereit biſt, Deine Reue mit der That zu be⸗ weiſen — ob ich mich verbürgen, — bis auf einen gewiſſen Punkt wenigſtens für Dich verbürgen kann, Sergei!“
Markelow zog ſeine dichten Brauen zuſammen. — „Ich ehe geſprochen. . . und will das Geſagte nicht wieder⸗
olen.“
„Aber die Reue? Wo bleibt denn die Reue?“
Jetzt fuhr Markelow auf.
„Ach, — ſo laſſen Sie mich doch zufrieden mit Ihrer „Reue!“ — Sie wollen in die Tiefe meiner Seele dringen — überlaſſen Sie das wenigſtens — mir ſelbſt.“
Sipjägin zuckte die Achſeln.
„So biſt Du immer: Du willſt die Stimme der Ver⸗ nunft nicht hören. Es wird Dir die Möglichkeit geboten, Dich in einer ſtillen, edlen Weiſe loszumachen. .
„Stille und edle Weiſe . wiederholte Markelow finſter. „Wir kennen dieſe Worte! Sie werden immer zu denen geſprochen, denen man eine Niederträchtigkeit zumuthet. Das iſt die Bedeutung dieſer Worte!“
„Wir haben Mitleid mit Dir,“ — fuhr Sipjägin fort Markelow in's Gewiſſen zu reden — „und Sie haſſen uns!“ „Ein ſchönes Mitleid! Nach Sibirien, auf die Ga⸗ leeren — ſchicken Sie uns — das iſt Ihr Mitleid mit uns! Ach, laſſen Sie mich, laſſen Sie mich doch um Gotteswillen in Ruhe!“
Markelow ſenkte den Kopf.
Markelow's Seele war ſehr verwirrt — wie ruhig er auch äußerlich erſcheinen mochte. Am meiſten wurmte und nagte an ihm, daß ihn — der Jeremei aus Golopljotzk


