4²
nicht, der Aermel war über dem Ellenbogen zu eng; da löste er kühn mein Halstuch, entbloͤßte mir die Schulter, betrachtete ſie genau und ſtieß einen ſo durchvringenden Jubelſchrei aus, daß ich erſchrocken aufſprang.
„„Er iſi's! Er iſt's! Ich wußte wohl, daß ich ihn irgendwo finden werde!“ rief er, indem er mich mit wil⸗ der Herzlichkeit in die Arme ſchloß.
„„Aber wen meint Ihr denn gefunden zu haben?“ frug ich natürlicherweiſe, ſobald meine Verwunderung und ſein Ungeſtüm mich zu Worte kommen ließen.
„„Wen? Ei wen anders, als Paul, meinen Paul, mein Kind, meinen Sohn, meinen Pflegling, Alles, was aber gewiß den einzigen und wahrhaften Pau
„„Ihr mein Vater?“ erwiederte ich, eher befremdet, als erfreut. „Und wie wißt Ihr
„„Euer Vater, das grade nicht, aber ich habe doch mehr mit Euch ausgeſtanden, als mancher Vater mit ſei⸗ nem Sohn: ich bin mit Euch gereist aus der Tiefe von Flandern bis hier nach Deutſchland, in vieſe ſelbe Gegend. Es iſt ſehr gut möglich, daß Ihr dieß nicht mehr wißt, aber ich kann Euch verſichern, es iſt läſtig für einen Kriegsmann, einem Säugling aufzuwarten, einen Kinde, welches vor Durſt ſchreit und für das er nur ene eiſen⸗ gepanzerte Bruſt hat, und dann noch die Angſt, Ir möch⸗ tet Euch ſelbſt verrathen, und Eure Mutter und Freunde könnten ich will gar nicht von der Vorſicht ſpre⸗ chen, die ich nöthig hatte, euer zartes Leibchen niht mit meinen ſchweren Eiſenhandſchuhen zu drücken. Und wie ich Euch erkannte, mein Bürſchchen? Meint Ihr denn, ich hätte das heilige Zeichen auf Eurer Schulter vergeſ⸗ ſen, welches hinein gedrückt wurde, um wenigſtens einen Theil des Fluches abzuwehren, der nothwendig auf Euch ruhen mußte.“
„Ich trug in der That an der bezeichneten Stlle eine Narbe, welche die Form eines Kreuzes hatte.“


