Teil eines Werkes 
9. bis 13. Bändchen (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

277

hielt die Bücher in der Hand, und der mit Gold verzierte der fieben hübſchen Bändchen fiel der alten Dame auf.

„Was haſt Du da?“ ſagte ſie.

„Einige Bücher für Georgy,“ erwiederte Amalie erröthend — „ich — ich habe ſie ihm auf Weihnachten verſprochen.“

„Bücher!“ rief die alte Dame unwillig. „Bücher, wenn es im ganzen Hauſe an Brod fehlt! Bücher, wenn ich, um Dich und Deinen Sohn mit Leckerbiſſen zu ver⸗ ſorgen, und Deinen guten alten Vater vor dem Gefäng⸗ niſſe zu bewahren, alle Schmuckſachen, die ich hatte, ſelbſt den oſtindiſchen Shawl von meinem Rücken weg, ja ſogar die filbernen Loffel verkauft habe, damit die Leute, denen wir Etwas ſchuldig ſind, uns nicht inſultiren, und damit Herr Clapp, wozu er gewiß berechtigt iſt, da er kein harter Wirth, und ein höflicher Mann, und ſelbſt Familien⸗ vater iſt, ſeinen Hauszins bekommen möchte. Ach, Amalie! Du brichſt mir noch das Herz mit Deinen Büchern, und Deinem Jungen, den Du ins Unglück ſtürzeſt, obgleich Du Dich von ihm nicht trennen magſt. O, Amalie, möge Gott Dir ein gehorſameres Kind ſchenken, als die, ſo ich

gehabt habe. Da iſt Jos, der ſeinen Vater im Alter

verläßt: und da iſt George, der verſorgt und reich ſein konnte, und, wie ein Lord, mit einer goldenen Uhr und Kette um den Hals in die Schule geht — während mein lieber, lieber alter Mann nicht einen Sh—, Shilling hat.“

Hyſteriſche Schluchzer und Thränen beſchloſſen Mrs. Sedley's Rede — ſie wurde in jedem Zimmer des kleinen Häuschens gehört, und es entging auch nicht ein Wort den anderen weiblichen Bewohnern deſſelben.

„Ach, Mutter, Mutter!“ rief die arme Amalie. „Sie haben mir Nichts geſagt — ich — ich hatte ihm die Bücher verſprochen. Ich — ich habe dieſen Morgen bloß meinen Shawl verkauft. Da haben Sie das Geld — nehmen Sie Alles!“