Teil eines Werkes 
5. bis 8. Bändchen (1850)
Entstehung
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bergen: wie wachſam ſie ſind, wenn ſie am Ungekünſtel⸗ ſten und Zutraulichſten zu ſein ſcheinen; wie oft das offene Lächeln, das ſie ſo leicht zur Schau tragen, eine Falle iſt, um zu ſchmeicheln, oder auszuweichen, oder zu ent⸗ waffnen — dabei meine ich, wohlverſtanden, nicht bloße Koketten, ſondern unſere häuslichen Modelle, und Muſter weiblicher Tugend. Wer hat nicht ſchon geſehen, wie ein Weib die Dummheit eines Gatten geſchickt verbarg, oder den Zorn deſſelben beſänftigte? Wir laſſen uns dieſe lie⸗ benswürdige Sklaverei gefallen, und loben darüber ein Weib: wir nennen dieſe hübſche Verrätherei — Wahrheit. Eine gute Hausfrau iſt nothwendig eine Lüge; und Cor⸗ neliens Gatte wurde wie Potiphar, getäuſcht — nur in anderer Weiſe.

Durch dieſe zahlloſen Aufmerſamkeiten fand der ere⸗ mitirte Wüſtling Rawdon Crawley ſich in einen außer⸗ ordentlich glücklichen und unterwürfigen Ehemann umge⸗ wandelt. Die Genoſſen ſeiner früheren Tage ſahen ihn nicht mehr. Sie fragten einige Male nach ihm in ſeinen Clubs, ohne ihn aber ſehr zu vermiſſen: in jenen Buden auf dem Jahrmarkte des Lebens vermißt man einander nur ſelten. Seine ganz von der Welt abgeſchiedene, aber ſtets lächelnde und luſtige Frau, ſeine kleine bequeme Wohnung, ſeine kleinen intimen Mahle, und die zu Hauſe zugebrachten Abende hatten für ihn all' den Zauber der Neuheit und Heimlichkeit. Die Heirath war bis jetzt noch nicht öffentlich erklärt, vder von der Morning⸗Poſt berichtet worden. Alle ſeine Gläubiger wären in Maſſe auf ihn eingeſtürmt, wenn ihnen bekannt geweſen wäre, daß er ein vermögensloſes Frauenzimmer geheirathet. „Meine Verwandten wenigſtens werden mich nicht in den Bann thun,“ ſagte Becky mit einem ziemlich bittern Lachen; und ehe ſie die ihr zukommende Stellung in der Geſell⸗ ſchaft anſprach, wollte ſie in aller Ruhe warten, bis die alte Dame ſich wieder mit ihnen ausgeſoͤhnt haben würde.

So lebte ſie in Brompton, und ſah inzwiſchen Nie⸗