114
„Leopold, ſtirb nicht! Stirb nicht!“
„Fliehe, damit ſie Dich nicht als Brudermörder ergreifen.“
Franz eilte in das nächſte Haus.
„Hülfe! Draußen liegt ein Verwundeter, ein Ster⸗ bender!“
Dann floh er weiter.
Man hörte nie wieder von ihm.
Leopold hatte einen Schuß in die rechte Hüfte be⸗ kommen. Sie war ihm zerſchmettert.
Er wurde geheilt, aber er blieb gelähmt fürs ganzes Leben.
Als er der ängſtlichen Hülfe nicht mehr bedurfte, verſchwand auch er, und man vernahm auch von ihm nichts mehr.
Beide Brüder hatten unter einem andern bürger⸗ lichen Namen in Honnef gelebt.
So waren die Erbgrafen Leopold und Franz von Werdenburg ſeit fünfundvierzig Jahren verſchwunden geweſen und ihre Familie hatte ſie längſt für todt ge⸗ halten, und Niemand, der von ihnen gehört hatte, zwei⸗ felte, daß ſie in irgend einer Weiſe zu Grunde ge⸗ gangen ſeien.


