Teil eines Werkes 
1. Band (1873)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

235

der H. kehrte nach der Schweiz, nach Zürich zurück. Der erſte Gang, den mein Freund Alexander Roth hier machte, war zu mir.

„Sie war doch unſchuldig,“ ſagte er. Es waren ſeine erſten Worte, lange auch ſeine einzigen.

Später erzählte er mir das Andere, ſpäter, als ſo Vieles von der Amneſtie geſprochen und geſchrieben wurde. Er ſegnete dieſe Amneſtie. „Die Arme konnte in meinen Armen ſterben!“

Und wenn dieſe Amneſtie früher gekommen wäre? Nur wenige Jahre, nur ein einziges Jahr früher? Sie hätte in ſeinen Armen leben können, als glück⸗ liche, als liebende und geliebte Gattin. Aber Gott, der Herr der Herren, prüft auch die Herzen der Könige und lenkt die Schickſale der Menſchen, und er allein weiß, was das Beſte iſt.

Mein armer Freund iſt vor wenigen Monaten geſtorben. Die Kraft auch ſeines Lebens war ſchon lange gebrochen. Wir begraben auch nach der Amneſtie noch deutſche Herzen hier in der fremden, aber freien Erde.

.