— 219 —
nicht verrathen wollte, wie elend er ſie gemacht hatte.
Alle ihre Pariſer Freunde nahmen ſie mit Ent⸗ zucken auf; allein der Schmerz hatte ſich ihrer Seele ſo bemaͤchtigt, daß ſie nur mechaniſch zu reden und ſich zu bewegen vermochte, und durchaus unfähig war, noch irgend einen Eindruck, der nicht Schmerz war, in ſich aufzunehmen. Am Abend dieſes Tages fuhr ſie in die Baſtille, um Herrn von Maiſonrouge zu beſuchen. Sie fand ihn krank, allein ſtatt das edelſte, treueſte Herz troͤſtend zu ermuthigen, ſprach ſie ihm ohne alle Ruͤckſicht auf ihn aus, wie grenzen⸗ los ungluͤcktich ſie war, und vertieth ihm den ganzen ungeheuern Schmerz, von dem ſie ſich regungslos wie eiſern eingeklemmt fuͤhlte. Sein eigenes Un⸗ gluͤck hatte den edeln Mann gebeugt; das ihrige war der Sturm, der ihn umwarf.
Sie brachte die Nacht, die dieſem Tage folgte, in furchtbarem Kampfe hin; es duͤnkte ſie, als werde ſie nicht bis zu der Erſcheinung des Ritters leben koͤnnen. Bald war ſie entſchloſſen, ſich mit ruhiger Wuͤrde von ihm zu trennen, aber dann ſiegte wieder das dem Herzen ſo unausloſchlich tief eingedruͤckte Beduͤrfniß des Gluͤckes; ſie wollt⸗ ihm
10 *


