Frunblic ſpielten die erſten Sonnenſtrahlen eines milden Herbſttages durch die reich verhaͤngten Fen⸗ ſter, und weckten die ſchöne, allgemein gefeierte und hochgeehrte Gräfin Thorilde von Adlerſtein. Es war der Morgen ihres achtundzwanzigſten Geburts⸗ tages, und zugleich der Morgen eines hoͤchſt bedeu⸗
tenden Lebenstages. Ernſt und wehmuthig ſinnend,
hob ſie das große, dunkle Auge gen Himmel; da ertoͤnten in dem angrenzenden Zimmer ſanfte Har⸗ fen⸗ und Lautentone, und mit ihnen von ſußer Ruͤhrung gedaͤmpfte Stimmen, die die Wuͤnſche der Liebe, des Dankes und der Ehrfurcht für Thoril⸗ dens Gluͤck und Leben zum Thron der Gottheit hin⸗ aufſandten. Eine ſelige Empfindung durchdrang ihr Herz; Friede, Himmelsftiede, umfing ſie; vertrauend warf ſie einen Blick auf die Vergangenheit, ſie ver⸗ burgte ihr die Zukunft. Was konnte die fuͤrchten, deren ganzes Leben Liebe, Treue und Gute war?


