Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 3. Abtheilung, Der Zorn (1848) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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ich hätte doch in meinem Normalzuſtand kaum mit Vor⸗ theil gegen einen Einzigen von dieſen drei Banditen kämpfen

können.

In einem ſolchen Augenblick übermäßiger Heftigkeit geſchah es auch, daß ich einem grauſamen Tod den vor⸗ nehmen Herrn, auf deſſen Unterſtützung ich einſt für Dich gezählt, zu entreißen vermochte.

In der moraliſchen Ordnung flößten mir die Feig⸗ heit, die Treuloſigkeit, die Unrevlichkeit denſelben Zorn, vieſelbe Entrüſtung ein, dieſer Zorn trieb mich aber bei⸗ nahe immer zur Gewaltthat gegen diejenigen an, welche ich feig, treulos oder unredlich fand.

Ach! mein Kind, indem ich dieſes unerbittliche Stu⸗ dium über mich ſelbſt verfolgte, erkannte ich auch, daß mein Zorn nicht immer eniſchuldbare Urſachen gehabt hatte! ein rechtmäßiger Widerſpruch veranlaßte mich eben⸗ falls zu ſtürmiſchem Aufbrauſen. Der Tod Deiner Mutter iſt ein furchtbares Beiſpiel hievon.

Kurz, mein Kind, nach dieſen langen und ſchmerz⸗ lichen Beobachtungen über mich ſelbſt faßte ich mich alſo zuſammen:

Der Zorn iſt bei mir eine Leidenſchaft von ſolcher Energie, daß ſeine Anfälle meine moraliſche und körper⸗ liche Stärke ſtets verzehnfacht haben.

Das Aufbrauſen des Blutes, das Ungeſtüm des Characters bis zu ihrer letzten Macht geſteigert, mit einem Wort der Zorn iſt alſo eine Kraft.

Wenn dieſe Kraft durch edle Beweggründe in Thä⸗

tigkeit geſetzt wurde, ſo trieb ſie mich zu Handlungen an, auf die ich ſtolz ſein könnte. Der Zorn war mein Ruin, mein Untergang, meine Verzweiflung; er hat meine Frau getödtet, der Zorn, ſagte ich zu mir ſelbſtmuß mein Heil und das meiner Tochter ſein ..

Dieſe Worte müſſen Dir ſeltſam ſcheinen, mein Kind, höre mich alſo:

In meiner Stellung als Beamter ſchadete mir