Begebenheiten eines Weltmannes. 33
Zornmuth ihres Gemahles zu beſchwichtigen und ihn zu bere⸗ den, daß er ſtolz und voll ſchweigender Verachtung an jenem Unwürdigen vorüberſchritte, welcher mit ſeiner Frevlerhand das Heiligthum ihres Ehebundes anzutaſten gewagt hatte.
Porring der gewiſſenhafte Calculator jedoch hörte und ſah nicht, das Blut ſtieg ihm zu Kopfe und deshalb verſchwen⸗ dete Magdalena ihre Beredtſamkeit vergeblich an ihn. Ca⸗ ſanova wich ihnen nicht aus, er ſtand vor ihnen und heftete einen freien offenen Blick auf das Geſicht des unglücklichen Hahnreis. Eben wollte er vorüberſchreiten, als jener, ohne ſich von ſeiner Frau fortziehen zu laſſen, ſtillſtand und ein ſto⸗ ckendes „Halt“ aus ſeiner gepreßten Bruſt hervorſtammelte.
„Was wollen Sie?“ fragte der Andre ruhig, indem er that als ſähe er die Frau gar nicht, die doch deutlich genug neben ihrem Manne ſtand.
„Was ich will, Verwegener?“ ſtammelte der Mann athem⸗ los vor Wuth; „das fragen Sie noch? Haben Sie nicht mein tugendhaftes Weib verführen wollen? Sind Sie nicht auf die ſchmachvollſte Weiſe, wie Sie es verdienten, zurechtgewieſen wor⸗ den und deshalb ausgezogen, weil Sie den Anblick der gekränk⸗ ten Unſchuld und die Hoheit ſolcher Tugend nicht hatten ertragen können? Ich werde Sie zu finden wiſſen, mein Herr,
ja ja, das werde ich, verlaſſen Sie ſich darauf, denn ich habe Caſanova 1V. 3


