Teil eines Werkes 
5. Band (1844)
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er verſprochen habe, ohne Gewalt, bloß durch geſchickte Hand⸗ habung der Triebfedern von Leidenſchaften zu leiſten: der Geſellſchaft Jeſu den Beſitz des Vermögens der Familie Rennepont zu ſichern.

Dieſer Beſitz ſollte eine doppelte unabſehbare Wichtigkeit haben. Denn Rodin beabſichtigte, ſich aus ſeinem Orden, deſſen Oberſter in ſeiner Hand war, ein Mittel zum Empor⸗ ſteigen und ein Mittel der Einſchüchterung zu machen.

Nachdem ſeine erſte Ueberraſchung — gewiſſermaßen eine Beſcheidenheit des Ehrgeizes, ein bei ausgezeichneten Menſchen nicht ſeltenes Mißtrauen in ſich ſelber — nachdem dieſe erſte Ueberraſchung vorüber war, machte ſich Rodin dieſelbe bei kälterer Ueberlegung faſt zum Vorwurf. Bald aber gab er wunderlich genug wieder einem der kindiſchen ſinnloſen Ein⸗ fülle nach, welche dem Menſchen oft kommen, wenn er ſich ganz allein und verborgen weiß oder wähnt. Er hatte ſich wieder niedergeſetzt. Plötzlich ſtand er wieder auf, nahm den Brief, der ihm eine ſo angenehme Ueberraſchung bereitet

hatte, und hielt ihn vor den Kupferſtich, als ſollte das Bild

des jungen Hirten darin leſen. Dann ſchüttelte er ſtolz den Kopf, ſchoß ſeinen Schlangenblick auf das Bild und murmelte zwiſchen den Zähnen, indem er ſeinen ſchmierigen Finger auf die Abzeichen der päpſtlichen Würde legte: „SHm? Bruder? Und auch ich — vielleicht . . .!“

Nach dieſer lächerlichen Anrede kehrte Rodin an ſeinen Platz zurück. Als ob die glückliche Nachricht ſeine Eßluſt geſteigert hätte, biß er mit einer Art freudiger Wuth in ſein hartes Brod und in ſeinen Rettig, indem er die Augen auf den vor ihm ausgebreiteten Brief heftete und, dieſen noch⸗ mals durchleſend, die Melodie einer alten Litanei dazu ſummte.

Es war etwas Sonderbares und Entſetzendes in dieſem Ge⸗ genſatz unendlichen ſchon faſt durch den Erfolg gerechtfertigten Ehrgeizes, der in dieſer elenden Höhle ſo zu ſagen eingeſchloſ⸗ ſen war.

Der Pater Aigrigny war, wenn auch kein großer Mann, doch ein Mann von unbeſtreitbarer Fähigkeit, ein Herr von

hoher Geburt, ſtolz und den höchſten Kreiſen der Geſellſchaft

angehörig. Er würde nie den Gedanken gewagt haben, nach