Teil eines Werkes 
2. Band (1844)
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einem gewöhnlichen Spitzbuben begangen, von welchem ich nicht auf der Stelle Kenntniß erhielt. Wäre nun ein Indier gekommen und hätte mir geſagt, daß eine Bande von Meuchlern, bei welchen das Mordgeſchäft erblich ſey, im Dorf Kendelie, höchſtens ſechshundert Schritt vvn meinem Gerichtshof, hauſe, daß die herr⸗ lichen Gebüſche des Dorfes Mendeſur, eine Tagre ſe von meinem Wohnſitz, einer der entſetzlichſten Schau⸗ plätze von Mordanſchlägen in ganz Indien ſey, daß im Schatten derſelben zahlreiche Banden von Brüdern des guten Werks jährlich aus Induſtan und Dekan zuſam⸗ menkämen, wie zu einem hohen Feſte, um dann ihrem gräßlichen Berufe auf allen dort ſich kreuzenden Stra⸗ ßen nachzugehen, — wenn ein Indier mir das geſagt hätte, ſo würd' ich ihn für einen Thoren gehalten ha⸗ ben, der ſich mit Ammenmährchen in Schrecken jagen läßt. Und doch war es vollkommen wahr. Jedes Jahr wurden Hunderte von Reiſenden in den Gebüſchen von Mendeſur verſcharrt. Ein ganzer Stamm von Mördern wohnte vor meiner Thür, während ich die oberſte Amts⸗ perſon in der Provinz war, und erſtreckte ſeine Verhee⸗ rungen bis zu den Städten Punah und Haiderabad. Nie werd' ich vergeſſen, wie einer der Hauptleute die⸗ ſer Würger, der zum Verräther an ihnen ward, auf der Stelle, wo mein Zelt ſtand, um mich zu überzengen, dreizehn Leichen ausgraben ließ, und ſich erbot, noch eine Unzahl aus dem Boden ringsumher hervorſcharren zu laſſen.“ „Dieſe wenigen Worte des Oberſten Sleeman werden Ihnen einen Begriff von dieſer furchtbaren Geſellſchaft geben, die ihre Geſetze, ihre Pflichten und ihre Gewohn⸗ heiten hat, unabhängig von allen göttlichen und menſch⸗ lichen Geſetzen. Ihre Hingebung für einander geht bis 3 zum Heldenmuth. Sie gehorchen blindlings ihren Oberen, welche ſich die Repräſentanten ihrer finſteren Gottheit nennen. Sie betrachten Jeden, der nicht zu ihnen gehört, als ihren Feind, und ergänzen ſich allerwärts durch eine entſetzliche Proſelytenmacherei. Dieſe Apoſtel einer Mord⸗ religion predigten im Dunkeln ihre ſcheußlichen Lehren und ſpannten über Indien ein unendliches Netz aus.“

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