Neuntes Kapitel.
Menſchenmord ſoll nicht ſein! Gebot Gottes.
Die Erzählung.
Während der tapfere Maſſareo eine der Tartanen vernich⸗ tete, ſegelte die andere, geſchickt aus dem Kanale von La Torre entkommen, trotz des Levante glücklich ihre Bahn.
Nichts Reizenderes konnte es auf der Welt geben, als die kleine Cajüte, in welcher zwei Genoſſen an der Tafel ſaßen. Eine ungeheure Kriſtallkugel, an der Decke befeſtigt, verbreitete ein helles, reines Licht, welches ſeine Strahlen über einen rei⸗ chen türkiſchen Stoff von Lapis Lazuli ergoß, auf dem man rothgeſtickte Vögel erblickte, mit ausgebreiteten, vergoldeten Flü⸗ geln, welche zwiſchen den verſilberten Krallen große Schlangen mit funkelndgrünen Schuppen hielten; ein Divan mit braunem Atlas überzogen lief an den Wänden der Cajüte hin, welche ein längliches Viereck bildete.
In der Mitte der Cajüte, vor dem Divan, befand ſich eine Tafel, die mit auserleſenem Geſchmack beſetzt war; aber ſtatt auf Füßen zu ruhen, wurde ſie durch vier geſchmackvolle Bronze⸗ ketten feſtgehalten. Der Tintilla von Rota, der Feres und der Pakarete glänzten in koſtbar geſchliffenen Kriſtallflaſchen, deren tauſend Facetten wechſelnde Lichtſtrahlen von ſich warfen, wie die Farben des Regenbogens, und die Trauben von San⸗Lucar mit ihren ſammtartigen Beeren von dunkelblauer Farbe, die ſchwarzen Feigen von Medina, die Granaten von Sevilla, die Hrangen von Altrava, erhoben ſich in Phramiden aus leicht und elegant gearbeiteten Fruchtkörben, wie man ſie in Smyrna ſieht; das Tafelzeug von blendender Weiße war, nach orienta⸗ liſcher Mode, reich in Gold und Seide geſtickt.
Einfache Flaſchen von dunkelm Glaſe mit langem Halſe, und drahtüberzogenem und vergoldetem Kork, kurz, Flaſchen, welche ſogleich an Frankreich und die Champagne erinnerten, ſtachen ſonderbar gegen den außerdem ganz vrientaliſchen Lurus der Cajüte ab. Und es war auch Champagner; denn zwei lange Cylindergläſer auf ſchlankem Stiel wurden eben glorreich angefüllt, und das roſige, ſprudelnde, ziſchende Naß quoll mit dem weißen Schaume bald über den Rand des Glaſes hervor⸗


