———— Ich hatte von meinem Admiral einen Ur⸗ laub für mehrere Monate erhalten, und beſuchte zu meiner Un⸗ terhaltung alle Häfen des Canales von la Mancha, welche in unſerem letzten Kriege mit den Engländern eine ſo große Menge unerſchrockener Corſaren geliefert haben.
Ich war damals noch ſehr jung, und da ich noch keinen Corſaren geſehen hatte, hätte ich Alles in der Welt gegeben, einen zu erblicken, aber einen wahren, ein ächtes Muſterbild, den Fluch und die Pfeife im Munde, in Ermangelung des Ta⸗ baks Pulver rauchend, mit blutigem Blick, und den Körper mit einem Netz von Wunden überzogen, deren Narben ſo tief wä⸗ ren, daß man den Finger hineinlegen könnte.
Da ich an einem meiner Aufenthaltsorte der Küſte ganz unbefangen dieſen Wunſch gegen einen Freund meiner Familie ausſprach, einen ſehr liebenswürdigen und geiſtreichen Mann, an den ich empfohlen war, ſagte er:„Nun gut, morgen Mittag ſollen Sie mit einem Corſaren zuſammen eſſen.“
„Einem Corſaren?“ ſagte ich.
„Einem wahren Corſaren,“ entgegnete er;„einem Corſa⸗ ren, wie es nur wenige giebt, und der allein mehr Priſen ge⸗ macht hat, als alle ſeine Brüder von Dünkirchen bis St. Malo.“
Ich ſchlief die Nacht nicht, und der Tag kam mir entſetzlich lang vor, obgleich ich den Verſuch gemacht hatte, den Manfred von Byron zu leſen, um mich auf die feierliche Zuſammenkunft vorzubereiten.


