Noch ein Zug von dem Aberglauben Ali Pa⸗ ſchas war das blinde Vertrauen, welches er in einen Siegelring ſetzte, wie alle Orientalen deren haben. Der Stein dieſes Siegelringes, ein Carneol, war in zwei Stuͤcke gebrochen und in Silber gefaßt, und der Ring war ebenfalls von Silber. Die Ge⸗
ſchichte dieſes Ringes ſcheint mir merkwuͤrdig ge⸗
nug, ich will ſie daher ſo erzählen, wie ich ſie von wohl unterrichteten Perſonen vernommen habe.
Zu der Zeit, als Ali noch ein armer Juͤngling, ungefaähr 15 Jahr alt war, bat ein afrikaniſcher Derwiſch aus dem Koͤnigreich Marokko um Gaſt⸗ freundſchaft in dem Hauſe ſeiner Mutter, welche ſich damals in einer Lage befand, die an gaͤnzlichen Mangel grenzte. Man weiß, daß die Gaſtfreund⸗ ſchaft im Orient eine Tugend iſt; Khamco, die Mutter Ali's, war in Verzweiflung daruͤber, daß ſie wegen ihrer Armuth kein Fleiſch fuͤr ihren Gaſt hatte; ſie glaubte, dieſer verſtände die albaneſiſche Sprache nicht, in der ſie zu ihrem Sohne redete. Es war kein Geld im Hauſe, und Ali faßte den Entſchluß, ſein einziges gutes Kleid zu verkaufen, um den Gaſt, den Gott dem Hauſe geſendet hatte, beſſer bewirthen zu koͤnnen. Der Derwiſch wurde krank, und Ali, der kein Geld zu borgen fand, ver⸗ kaufte allmaͤlig mehrere Geraͤthſchaften, um die Koſten zu decken, welche die vermehrten Ausgaben verurſachten. Nach ungefaͤhr einem Monat war
der Fremde hergeſtellt, und im Augenblick ſeiner


