60
ſich immer mehr, und er freute ſich, daß die näher rückende Abreiſe des Grafen ſeine geſchäftliche Thätigkeit in ver⸗ doppelter Weiſe in Anſpruch nahm. Er zählte auch die Tage und die Stunden, bis Margot's Antwort eintreffen würde, aber es war ihm ein troſtvoller Gedanke, daß dies erſt nach der Abreiſe des Grafen und Hedwig's geſchehen könne.
Je näher dieſer Tag rückte, je mehr ſchienen ſich die Anſichten und Gefühle Hedwig's hinſichtlich Walther's zu ſeinen Gunſten zu verändern. War es der bevorſtehende Abſchied oder die Erkenntniß, daß er vielleicht gerade ihr ein großes Opfer gebracht habe? Sie machte ſich das ſelbſt nicht klar, aber ſie fühlte das Bedürfniß einer Ver⸗ ſtändigung mit ihm, ſchon das Launenhafte ihres Cha⸗ rakters trieb ſie dazu.
Aber er wich ihr jetzt aus, hielt ſich ſchweigſam und gemeſſen, wenn ſie mit ihm zuſammentraf. Beide ſchie⸗ nen die Rollen vertauſcht zu haben. Am Abende vor der Abreiſe war ſie lange Zeit bei ſeiner Mutter geweſen; ſie hatte ihren Beſuch abſichtlich verzögert, aber er kam ſehr ſpät nach Hauſe, viel ſpäter als gewöhnlich, und ſeine Mutter ſagte ihm dann, daß ſie hier geweſen, um Abſchied zu nehmen.
Es wird morgen dazu immer noch Zeit ſein, wenn ſie einſteigt, erwiederte er; aber auch ſeine Stimmung


