Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Ost und West : 1. Theil (1865)
Entstehung
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des alten Stolzes doch fuhr ſie wieder in dem früheren Tone fort, es iſt jetzt keine Zeit mehr, um mit Ihnen zu rechten und zu ſchmollen; laſſen Sie uns ohne einen Schatten von einander ſcheiden, damit, wenn wir nicht mehr mit einander reden, ſondern nur an einander denken oder uns ſchreiben werden, unſere Gedanken hell und klar mit einander verkehren können.

Sie hielt ihm bei dieſen herzlichen Worten ihre kleine Hand hin und ſah ihn mit einer ſo innigen Freundlichkeit an, daß plötzlich all die alten Erinnerungen in ihm leben⸗ dig wurden und er dieſe ſo verlockende Hand mit ſtür⸗ miſcher Eile ergriff.

Rechnen Sie auf mich in allen Lagen des Lebens, Sie werden nie einen treueren Freund beſitzen!

Und Sie keine treuere Freundin! ſagte ſie mit leiſem Erröthen und niedergeſchlagenen Augen. Dann ſich faſt gewaltſam zur Heiterkeit zwingend, fuhr ſie, gegen Wal⸗ ther's Mutter gewendet, fort: Sie haben unſer Ver⸗ ſprechen gehört und wenn man auch allgemein annimmt, daß eine wirkliche Freundſchaft nur unter Männern be⸗ ſtehen könne, zwiſchen einer Frau und einem Manne aber niemals möglich ſei wir beide werden den Beweis des Gegentheils liefern nicht wahr? fuhr ſie fort, ihm tief und lange in die Augen ſchauend, während die ſeinigen ſich eben ſo in die ihrigen verſenkten. Dann, als ſie