Teil eines Werkes 
4. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

199

früher zurück, als dies ſonſt der Fall war; er durfte ja nicht auf ſich warten laſſen.

Nachdem man Thee getrunken und eine Zeit lang ge⸗ plaudert hatte, begann man mit dem Leſen des Tafſo, wie es am geſtrigen Tage verabredet war. Der Graf las den Herzog mit ſo klarem und richtigem Verſtändniffe, daß ſich ein Jeder überzeugte, er kenne dieſes Meiſterwerk des gro⸗ ßen Dichters vollkommen. Die Dichtung übte bald ihren bewältigenden Einfluß auf die Leſenden aus, welche ſich, wie dies immer mehr oder weniger der Fall iſt, ſelbſt als handelnde Perſonen in derſelben vorkamen. Je weiter man las, je mehr ſchwand die Befangenheit und je mehr identificirte ſich ein Jeder mit der von ihm dargeſtellten Perſon. Nur Walther wurde aus demſelben Grunde be⸗ fangener; er wähnte, Taſſo's eine glühende und vermeſſene Leidenſchaft athmenden Worte wirklich an Hedwig zu rich⸗ ten und lauſchte dann ihrer Entgegnung mit einer Span⸗ nung, als ob ſie die Antwort auf die geheimen Fragen ſei⸗ nes Herzens ausſpräche. Je weiter man las, je mehr ſtei⸗ gerte ſich die Erregung ſeines Innern und die Leidenſchaft⸗ lichkeit ſeiner Stimme, während Hedwig, ſichtlich befangen, die Worte der Prinzeſſin weniger zu betonen ſchien. Sie bebte ſichtlich zuſammen, als er am Schluſſe des vierten Actes, während er ſie mit leuchtenden Augen anſah, Taſſo's Rede mit einer Leidenſchaft ſchloß, welche jedem Darſteller auf dem Theater zum Ruhme gereicht haben würde: