Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
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ches ſie viele Tage und Nächte beſchäftigte. Oft erröthete ſie, obgleich ſie ganz allein war, denn ſie hatte einen Satz, einen Ausdruck gedacht, den ſie ſo nicht ſchreiben durfte, und als dann endlich der kurze Brief geſchrieben und ab⸗ geſandt war, machte ſie ſich die bitterſten Vorwürfe, daß derſelbe ſo kurz, ſo förmlich ſo theilnahmlos geweſen. Aber er mußte dies keineswegs empfunden haben, denn ſeine Antwort war viel länger und machte ſie unendlich glücklich, obgleich wir wiſſen, daß er mit ähnlichen Gedan⸗ ken zu kämpfen hatte.

Sie hatte ſeine Briefe an Wehrings ebenfalls mit hinaufgenommen, und da man nicht weiter darnach fragte, verwahrte ſie dieſelben mit den ihrigen. Ihre glücklichſten Stunden waren diejenigen, wo ſie das rothe Band, wel⸗ ches ſie um den ſaubern Umſchlag derſelben gewunden hatte, löſen konnte, um den werthvollen Inhalt wieder und wieder zu betrachten. Außer den Briefen, die ſie längſt auswendig wußte, lagen darin einige vertrocknete Blumen, auch ein welker Strauß von Waldblumen, den er ihr einſt auf einem Spaziergange gepflückt hatte jedes einzelne dieſer an ſich ſo werthloſen Dinge hatte ſeine Erinnerun⸗ gen, denen ſie ſich hingeben, welche ſie ſich vergegenwärti⸗ gen konnte. Wie machte ſie das ſo glücklich, wenn auch oft ein tiefer Seufzer die Sehnſucht ihres Herzens bekun⸗ dete! Dann las ſie wieder die Briefe und fand jedes Mal noch etwas darin, was ihr bisher entgangen war. Erſt