verlaſſen haben, und wenn es Dir dort gefallen hat, ge⸗ neigte Leſerin, wenn Du eine Freundin biſt von Berg und Thal, von raſch dahineilenden Bächen, von maleriſchen Schluchten, wild ſtarrenden Felſen, tiefdunkeln, ſchweigſa⸗ men Seen— überhaupt von demjenigen, was unſere Seele im Gebirge ſo mächtig ergreift und unſer Herz ſchnel⸗ ler und erregter ſchlagen läßt,— dann wird es Dir dort, wohin ich Dich jetzt führe, wenig gefallen, und Du wirſt den Wunſch haben, dieſe Gegend ſo bald als möglich wie⸗ der zu verlaſſen.
Ich kann dieſen Wunſch jedoch leider nicht erfüllen, Du mußt im Gegentheil auch hier eine Zeit lang verwei⸗ len, wenn Du mir überhaupt bis zum Schluſſe dieſer Er⸗ zählung folgen willſt. Vielleicht ändert ſich auch Manches in Deinen Anſichten und Gefühlen, denn die Natur hat überall ihre Schönheiten, und ſelbſt eine reizloſe Gegend gewinnt, wenn wir erſt heimiſch darin geworden ſind.
Dieſe, wohin ich Dich jetzt führe, liegt in Oberſchle⸗ ſien, nahe an der öſterreichiſchen Gränze. Es iſt gerade ein klarer, warmer Sommerabend, und das ſcheidende Licht der untergehenden Sonne läßt die Vorberge der Karpathen, die Beskiden mit ihren maleriſchen Linien, wenn auch noch in ziemlich weiter Ferne, doch in purpurner Färbung er⸗ ſcheinen— Du fiehſt, es gibt auch hier Berge— wenn auch nicht in der Nähe, aber ſie ſind doch ſichtbar und ſen⸗


