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hatte, zu halten, welche denn auch ſo gut ausfiel, daß ſeine ganze Zuhörerſchaft um ihn her auf eine Weiſe ſchluchzte, welche jeden Redner der alten wie der Neu⸗ zeit hätte zufrieden ſtellen können.
Sie kniceten zuſammen nieder und der gute Mann betete— denn es giebt ſo heftige und ſtürmiſche Gefühle, daß ſie nur dadurch beſchwichtigt werden können, daß man ſie in den Schooß der allmächtigen Liebe ausſchüttet.— Dann erhob ſich die Familie, welche ſich ſo merkwürdig zuſammen gefünden hatte, mit einem heiligen Vertrauen auf Den, der ſie nach ſolchen Gefahren und Trübſalen und auf ſo unerforſchlichen Wegen zuſammengeführt hatte.
Das Notizbuch eines Miſſionairs unter den canadiſchen Flüchtlingen ent⸗ hält Thatſachen, welche ſeltſamer ſind als irgend eine Dichtung. Wie kann es
anders ſein, wenn in zinem Lande ein Syſtem herrſcht, welches Familien umher⸗
wirft und ihre Mitglieder zerſtreut, wie der Wind das Herbſtlaub? Dieſe Küſten
der Zuflucht vereinigen oft, gleich denen des ewigen Lebens, Herzen, die einander
Jahre lang als verlvren betrauert haben, in froher Gemeinſchaft wieder. Un⸗ ausſprechlich rührend iſt die Innigkeit, mit der jeder neue Ankömmling unter
ihnen aufgenommen wird, wenn èr vielleicht Nachrichten von Mutter, Schweſter,
Weib oder Kind, die noch im Schatten der Sklaverei den Augen verborgen ſind, mitbringt.
Hier werden Heldenthaten vollbracht, welche größer ſind als die, von de⸗ nen wir in Romanen leſen, wenn der Flüchtling der Tortur und ſelbſt dem
Tode trotzend, freiwillig zu den Gefahren und Schrecken jenes dunklen Landes
zurückkehrt, um ſeine Schweſter oder Mutter oder Gattin außzuſuchen
Ein Miſſionair hat uns von einem jungen Manneerzäbhlt, welcher zweimal wieder eingefangen wurde und der nach erlittener ſchmachvoller Züchtigung aber⸗ mals glücklich entkam. In einem Briefe, der uns vorgeleſen worden iſt, theilt er ſeinen Freunden mit, daß er zum dritten Male zurückkehren wolle, um ſeine Schweſter wenn möglich endlich zu befreien. Iſt dieſer junge Mann ein Held oder ein Verbrecher? Wer würde für ſeine Schweſter nicht das Nämliche thun? Wer kann ihn tadeln?
Aber wir kehren zu unſern Freunden zurück, die wir verlaſſen haben, wäh⸗ rend ſie ſich die Augen trockneten und ſich von einer zu großen und plötzlichen Freude erbolten. Sie ſitzen jetzt um den Tiſch und werden geſprächig, nur daß Caſſy, welche die kleine Eliza auf ihrem Schvoße hat, von Zeit zu Zeit das kleine Mädchen auf eine ſie in Erſtaunen ſetzende Weiſe an ſich drückt und ſich hart⸗ näckig weigert, ſich den Mund in dem Maße, wie die Kleine es wünſcht, mit Kuchen ſtopfen zu laſſen, indem ſie zur Verwunderung des Kindes behauptet,
daß ſie etwas Beſſeres als Kuchen genoſſen habe und nicht ſo ſehr nach ihm
verlange.
In der That iſt im Laufe von zwei bis drei Tagen mit Caſſy eine ſolche Veränderung vorgegangen, daß unſere Leſer ſie kaum wieder erfennen würden. Der verzweifelte, verſtörte Ausdruck ihres Geſichts war dem eines ſanften Ver⸗ trauens gewichen. Sie ſchien gleichſam an den Buſen der Familie zu ſinfen und die Kleinen als etwas, worauf ihr Herz lange gewartet, in daſſelbe zu ſchließen. In der That war es, als ob ſich ihre Liebe eher der kleinen Eliza als ihrer eig⸗ nen Tochter zuwende, denn ſie war das genaue Bild des Kindes, das ſie verlo⸗ ren hatte. Die Kleine bildete ein blumiges Band zwiſchen Mutter und Tochter, durch welches Bekanntſchaft und Zuneigung entſtand. Eliza's durch das beſtän⸗ dige Leſen der heiligen Schrift geregelte, ruhige conſequente Frömmigkeit, machte dieſe zu einer paſſenden Führerin für den müden und verſtörten Geiſt ihrer
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