Herrn, aber ich bitte Dich, geduldig zu ſein, und vielleicht wird noch etwas—“
„Geduldig!“ unterbrach er ſie,„bin ich nicht geduldig geweſen? habe ich ein Wort geſagt, als er kam und mich ohne allen Grund von dem Orte riß, wo Alle gegen mich freundlich waren? Ich habe ihm meinen Lohn bis auf den letzten Cent gegeben und Alle ſagen, daß ich gut gearbeitet habe.“
„Nun, es iſt entſetzlich!“ ſagte Eliza,„aber Du weißt, er iſt doch Dein Herr.“
„Mein Herr! und wer hat ihn zu meinem Herrn gemacht? Das iſt es, woran ich denke— welches Recht hat er auf mich? Ich bin eben ſo gut ein Menſch wie er; ich bin ein tüchtigerer Menſch wie er; ich verſtehe von den Ge⸗ ſchäften mehr wie er; ich kann beſſer leſen wie er; ich ſchreibe eine beſſere Hand und habe es Alles ſelbſt gelernt, ohne ihm etwas zu verdanken— ich habe es trotz der Hinderniſſe gelernt, die er mir in den Weg legte; und nun möchte ich wiſſen, welches Recht er dazu hat, mich zu einem Karxengaul zu machen?— mich von Dingen wegzutehmen, die ich thue und die ich beſſer thun kann wie er, und mich zu Arbeiten zu verwenden, die jedes Pferd zu verrichten im Stande iſt. Ich verſuche es zu thun; er ſagt, daß er mich beſcheiden machen und demu⸗ thigen wolle, und er ſtellt mich abſichtlich an die ſchwerſten Arbeiten, an die niedrigſten und ſchmutzigſten Arbeiten.“
„O George, George! Du ſetzeſt mich in Schrecken. Ich habe Dich nie ſo ſprechen hören; ich fürchte, daß Du etwas Entſetzliches thun wirſt! ich wundere mich nicht mehr über Deine Gefühle, aber achweei vorſichtig— bitte, bitte!— um meinetwillen, um Harry's willen!“
„Ich bin vorſichtig, ich bin geduldig geweſen, aber es wird immer ſchlim⸗ mer und ſchlimmer. Fleiſch und Blut können es nicht mehr ertragen. Er be⸗ nutzt jede Gelegenheit, die er finden kann, um mich zu beleidigen und zu quälen; ich hatte gedacht, daß wenn ich meine Arbeit gut verrichtet und mich ruhig ver⸗ halten habe, ich ein wenig Zeit behalten würde, um außer den Arbeitsſtunden zu leſen und zu lernen, aber, je mehr er ſirht, daß ich thun kann, deſto mehr ladet er mir auf. Er ſpricht, daß er, wenn ich auch nichts ſage, doch ſehen könne, daß ich einen Teufel in mir habe, und er gedenkt ihn zum Ausbruche zu bringen und er wird bald einmal auf eine Weiſe, die ihm nicht gefällt, zum Ausbruche kommen, oder ich müßte mich ſehr irren.“
„D Himmel, was ſollen wir thun?“ ſagte Eliza wehmüthig.
„Erſt geſtern,“ fuhr George fort,„als ich Steine auf den Wagen lud, ſtand der junge Mr. Tom dabei und klatſchte ſo nahe bei dem Pferde mit der Peitſche, daß das Geſchöpf unruhig wurde. Ich bat ihn ſo freundlich als ich konnte, daß er aufhören möge, aber er that es darauf gerade recht arg. Ich bat ihn von Neuem und dann wendete er ſich gegen mich und begann mich zu ſchla⸗ gen. Ich hielt ihm die Hand und darauf ſchrie er und ſtieß mit den Beinen um ſich und lief zu ſeinem Vater und ſagte, daß ich ihn prügle. Dieſer kam wüthend herbei und ſagte, daß er mir lehren wolle, wer mein Herr ſei, und band mich an einen Baum und ſchnitt Ruthen für den jungen Herrn ab und ſagte ihm
daß er mich ſchlagen möge, bis er müde ſei, und er that es wirklich. Er ſolt
ſchon noch einmal daran denken!“
Und die Stirn des jungen Mannes runzelte ſich und ſeine Augen glühten in einem Ausdrucke, welcher ſeine junge Frau zum Erzittern brachte.
„Wer hat jenen Mann zu meinem Herrn gemacht? das iſt es, was ich
wiſſen möchte,“ ſagte er.
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