20 Der große Reichstag zu Augsburg
goͤnnen. Der Papſt entgegnete endlich:„So will ich dieſe
Ehrenbezeugung annehmen, doch nicht fuͤr mich, ſondern fur den, deſſen Vicar ich bin“. Der Kaiſer hielt den Buͤ⸗ gel, Andreas Doria den Zaum des paͤpſtlichen Pferdes. Als aber der Kaiſer, nachdem der Papſt aufgeſtiegen war,
den andern Zuͤgel ergriff, um das Pferd einige Schritte zu fuhren, gab Clemens dies durchaus nicht zu, und der Her⸗ zog von Urbino empfing den Zuͤgel aus des Kaiſers Hand und fuͤhrte mit Doria das Pferd ſechs Schritte. Dem Kaiſer hielt der Großkanzler und Großkommandeur Don Francisco de Lovos den Buͤgel und der Herzog Aleſſandro
Medici den Zaum.
* Die Straßen, durch welche der Zug ging, waren mit praͤchtigen Tapeten behangen, alle Fenſter mit ſchoͤnen Frauen beſetzt. Jubelgeſchrei erſchallte uͤberall, und der Papſt ertheilte dann und wann den Segen. Der kaiſer⸗ liche Herold im Zuge warf Goldſtuͤcke unter die Menge aus, welche fuͤr dieſen Tag gepraͤgt waren, auf dem Avers Karls Bild, auf dem Revers ſein Symbol, zwei Saͤulen, dazwiſchen die Jahreszahl und die Worte plus ultra. End⸗ lich verabſchiedete ſich der Papſt, und der Zug ging zum Pallaſt des Kaiſers. Die Kardinaͤle, der hohe Adel, die Geſandten wurden von ihm zur Tafel gezogen. Der Kai⸗ ſer zog ſich in ſeine Gemaͤcher zuruck, ließ ſich den ſchweren Ornat abnehmen und ruhte eine Zeit lang auf ſeinem Bette. Dann verfuͤgte er ſich zur Tafel. Auf der Tafel, an welcher er allein ſaß, lagen die Reichskleinodien ausge⸗


