Die Sturmvögel zum Bauernkrieg. 371
Am tiefſten beklagte Ulrich, daß er die allgemeine Er⸗ hebung des Volks nicht erleben ſollte und ſeine Wickſam⸗ keit nach dieſer Richtung durch die verruchte Hand eines racheſuͤchtigen Moͤrders abgeſchnitten war.„Auch mir fällt das dunkle Loos,“ ſagte er mit ſchwacher Stimme zu dem weinenden Hieronymus,„welches Sickingen und Hutten zu Theil ward: wir duͤrfen die Freiheit des deutſchen Volks nicht ſehen, fuͤr die wir mit all unſern beſten Kraͤften wirk⸗ ten. Das iſt ſehr bitter. Doch ich muß mich der eiſernen Nothwendigkeit fuͤgen, wie meine edeln Freunde. Mir ahnet, daß auch Thomas Muͤnzer vom Tod hinweggerafft werden wird, ehe der Morgen der Freiheit uͤber Deutſchland tagt. Tauſende werden im Kampfe fallen. O, daß ihr Schick⸗ ſal zu theilen mir vergoͤnnt geweſen waͤre! Es ſollte nicht ſein. Hieronymus, Du biſt der Erbe meiner Habe, uͤber⸗ nimm mit ihr auch die Ausfuͤhrung meiner Plane. Dein Herz ſchlaͤgt fuͤr die Sache des Volks wie das meine; ſo laß es Dir eine heilige Erbſchaft ſein, das zu Ende zu fuͤh⸗ ren, was ich begonnen. Weihe Gut und Blut der Wahr⸗ heit, dem Rechte. Verſprich mir das, damit ich nicht ganz troſtlos ſterbe.“
Hieronymus gab ihm Hand und Wort zum Pfande.
„So ſegne Gott Dein Streben und laß Dich den Tag der Freiheit ſchauen.“
In der folgenden Nacht ſtarb der edle Ulrich Fugger, erſt fuͤnf und dreißig Jahre alt.
Hieronymus hatte nicht des Bruders Geiſt und Thatkraft.


