Die Sturmvögel zum Bauernkrieg. gel 3
ſchen, die Euer edles Vertrauen ſchaͤndlich betrogen und ausgebeutet haben.“
„Ulrich,“ ſagte der Alte weich,„ich erkenne es. Gott hat mir in dieſen Leidenstagen die Augen geoͤffnet. Sieh, Du biſt der lutheriſchen Lehre ganz ergeben, und ich habe Dir deshalb ſchwer gegrollt, aber nun bin ich inne gewor⸗ den, daß auch Buͤbenhoven und ſeine Sibylle denken wie Duz; ja meine alte Sibylle iſt auch lutheriſch geſinnt; Raimund iſt es und ſeine Frau iſt es. Faſt alle die Mei⸗ nen ſind's; die beſten meiner Freunde ſind's. So bin ich wohl in einem langen Irrthum befangen geweſen Ihr ſollt mir jetzt ſagen, wie es damit zuſammenhaͤngt. Ich will Euch andächtig zuhoͤren, wie ein frommes Kind; viel⸗ leicht, daß ich's noch begreife.“
ulrich druͤckte einen ehrerbietigen Kuß auf die Stirn des Greiſes und verſprach ihm, ihn mit den goͤttlichen Leh⸗ ren des reinen Evangeliums bekannt zu machen.
Jakobs weiche Stimmung hatte aber noch eine andere Folge. Er wollte den verbrecheriſchen Oberſteiger, den er ſo ſehr geliebt, nicht beſtraft wiſſen. Die Strafe, welche nothwendiger Weiſe eine ſehr harte werden mußte, kam ihm wie eine unedle Rache vor. Er trug bei den Gerich⸗ ten darauf an, daß ihm nach vollendeter Unterſuchung die Strafe erlaſſen oder vielmehr in eine Landesverweiſung verwandelt wurde. So geſchah es. Diether wurde nach einiger Zeit uͤber die Grenze geſchafft. Bald darauf waren auch ſeine Frau und Kinder und der Vater der Erſtern,
23


