306 Die Sturmvögel zum Bauernkrieg.
„Die Bewegung des gemeinen Volkes dort iſt mir bekannt, doch halte ich nicht viel davon; ſie iſt doch meiſt fuͤr die lutheriſche Ketzerei“
„Ich erlaube mir, Ew. Majeſtaͤt zu bemerken, daß ſie tiefer geht. Ich habe mich uͤberall mit eigenen Augen uͤberzeugt. Das Volk iſt nicht allein gegen die Pfaffen, es iſt noch weit mehr gegen die Fuͤrſten erbittert. Ueberall in Oeſterreich, Tyrol und Schwaben gaͤhrt und tobt es, wie in einem Faſſe voll jungen Weins. Es wird und muß dort bald zum Ausbruch kommen. Von Euch ge⸗ ſchickt geleitet, koͤnnte dieſe wilde Bewegung dort den Sturz der Habsburger herbeifuͤhren, ja ſie koͤnnte Karln die deut⸗ ſche Kaiſerkrone vom Haupte werfen und auf das Euerige tragen. Nur ſich ſelbſt uͤberlaſſen darf das Volk nicht blei— ben; es muß von kundiger Hand zu einem Ziele gefuͤhrt werden, das es vor der Hand ſelbſt nicht zu kennen braucht, ja, meiner Meinung nach nicht einmal kennen darf, bis der rechte Zeitpunkt eingetreten iſt. Und welche Hand waͤre dazu geſchickter als die Eurige?“
„Ihr häbt trotz Euerer Jugend viel praktiſchen Blick, und ich bin erſtaunt, Euch, den Boten des Fuͤrſten von Algier, alſo in den deutſchen Haͤndeln bewandert zu ſehen. Ich moͤchte Euere Geiſteskraft fuͤr mich gewinnen. Ihr moͤgt recht haben in Bezug auf Deutſchland, wie in Be⸗ zug auf Neapel und Spanien. Aber derſelbe Grund, der mich abhaͤlt, jetzt ſogleich auf den Plan Eueres Herrn einzugehen, beſtimmt mich auch, mich vor der


