Die Sturmvögel zum Bauernkrieg. 301
vor dem Untergange des Ritterthums alle glaͤnzenden Eigen⸗ ſchaften desſelben vereinten. Wie Sickingen der letzte
deutſche, ſo war Bayard der letzte franzoͤſiſche Ritter in
der edelſten Bedeutung. Der Strom einer neuen Zeit mit ganz andern Intereſſen und Beſtrebungen riß Beide
gewaltſam nieder und ob ſie noch ſo treffliche Maͤnner
waren, und fluthete uͤber ſie hin. Das ganze an dem ab⸗ ſterbenden Geiſte des Ritterthums kraͤnkelnde franzoͤſiſche Heer mußte der ungeſtuͤmen Tapferkeit des vom Geiſte der Neuzeit beſeelten Heeres der Kaiſerlichen weichen und floh in wilder Unordnung uͤber die Alpen.
Die ſiegreichen Heerfuͤhrer hielten fuͤr das Beſte, den Vorſchlag des Herzogs von Bourbon, dem es nicht allein nach ſeinen reichen Guͤtern im ſuͤdlichen Frankreich, ſon⸗ dern auch nach der franzoſiſchen Königskrone geluſtete, in Ausfuͤhrung zu bringen, naͤmlich die Begeiſterung des kaiſerlichen Heeres nach dieſen glänzenden Siegen zu be⸗ nutzen und den Feind in ſeinem eigenen Lande aufzuſuchen. Da zu erwarten ſtand, daß Koͤnig Franz immer wieder mit neuen Heermaſſen über die Alpen kommen wuͤrde, und in Betracht, daß man deshalb die geruͤſteten Heere in Ober⸗ italien unthaͤtig und auf die Ankunft der Franzoſen war⸗ tend in Bereitſchaft halten muͤſſe, und daß es daher beſſer ſei ſie in Thaͤtigkeit zu erhalten und dem Feind die
Moͤglichkeit ſchnell große Streitkraͤfte zuſammenzuzie⸗
hen abzuſchneiden, ſo gab der Kaiſer von Spanien aus ſeine Zuſtimmung zu dem Kriegszuge nach Frankreich,


