Die Sturmvögel zum Bauernkrieg. 293
—
„Woher weißt Du das ſchon, meine ſuͤße glutäugige Gazelle?“ fragte der ſtolze Herr der Osmanen und ſchlang, den ſtrengen Blick zu einem huldigenden Laͤcheln verwan⸗ delnd, den kraͤftigen Arm um die herrlichſte der Frauen, die in ſeinem Harem bluͤhten.
„Der Geſandte hat mir bereits die Aufwartung ge⸗ macht, als er Dich nicht zu Hauſe fand. Er iſt ein blut⸗ junger aber ſehr gewandter Menſch, ein Franke von Ge⸗ burt, wie er mir ſelbſt geſagt hat, und durch merkwuͤrdige Schickſale nach Algier verſchlagen, wo er ſich Chair Eddins Gunſt zu erwerben verſtanden hat. Daher ſpricht er auch das Arabiſche ſehr gelaͤufig. Er hat mir zwei koſtbare Geſchenke uͤberreicht, ein herrliches Pferd von Chair Ed⸗ din, wie Du ſelbſt kein gleiches in Deinen Staͤllen haſt, und einen Ring von Suleima, Chair Eddins Lieblingsge⸗ mahlin, einen Ring von ſo koſtbarer Arbeit, wie ich noch keinen beſitze.“
„Da iſt freilich die ſchoͤne eitle Rorelane fuͤr den ſtol⸗ zen Seeraͤuber gewonnen,“ lachte der Sultan.„Und was hat er fuͤr die Geſchenke von Dir verlangt?“
„Daß ich Dich bitten moͤchte, die Unterwerfung Chair Eddins unter Deine Oberhoheit gnädig anzunehmen.“
„Scherzeſt Du mit mir?“ fuhr Suleiman auf.
„Ich trage Dir die Bitte des Geſandten vor.“
„Chair Eddin ſich mir unterwerfen! Und dazu koſt⸗ bare Geſchenke! Wer hat ſchon Aehnliches gehoͤrt? Es klingt wie ein Maͤrchen.“


