310 Der deutſche Kaiſer.
Um dieſe Zeit war es, als der Markgraf Johann von Brandenburg einen Boten mit einem Briefe vom Anführer des ſiegreichen kaiſerlichen Heeres erhielt, worin er aufge⸗ fordert wurde, ſich mit ſeiner Gemahlin ſchleunigſt nach Valencia zu begeben, da ihm nach des Kaiſers Befehl die Stelle als Viecekönig eingeräumt werden ſolle. So un⸗ wahrſcheinlich es auch war, daß der Kaiſer jetzt, wo ihm Alles daran liegen mußte, das Vertrauen des Volks überall wieder zu gewinnen, hier abermals einen der wichtigſten Poſten einem Ausländer übergeben würde, gegen welchen ſich der Haß des Volks ſo unzweideutig ausge⸗ ſprochen, ſo glaubten Johann und Germaine doch daran. Ehrgeiz und Rachegefühl verleiteten ſie blind in die Falle zu gehen, welche ihnen der falſche Einladungsbrief ſtellte. Beide hatten bisher auf ihrem Schloſſe in tiefer, ihnen aufgezwungener Zurückgezogenheit gelebt. Der Adel zog ſich von ihnen zurück, das Volk verhöhnte ſie. Der Mark⸗ graf durfte ſich in keiner Stadt ſehen laſſen; der Adel behandelte ihn mit demüthigender Kälte, das Volk verfolgte ihn mit Schmähreden, und bei der aufgeregten Stimmung konnte ihm Niemand für ſeine perſönliche Sicherheit bür⸗ gen. Dadurch wurde das lebensluſtige fürſtliche Ehepaar in eine langweile und verdrießliche Stellung gedrängt. Was halfen ihnen ihre königlichen Einnahmen; ſie mußten wie Einſiedler leben. Der an ein wechſelvolles, vergnüg⸗ liches und abenteuerndes Leben gewöhnte Fürſt ſehnte ſich nach Veränderung. Der Rauſch in Germaines Armen
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